Und hoch das Bein: Alexander Esswein will mit dem VfB Stuttgart den Klassenverbleib schaffen und damit beim Bundesligisten bleiben. Foto: Baumann

Er wurde kritisch empfangen, hat dann überzeugt und muss sich nun aus einem kleinen Formtief kämpfen. Alexander Esswein will mit dem VfB in der Bundesliga und damit in Stuttgart bleiben. Ein ganz besonderes Spiel soll Station auf dem Weg dorthin sein.

Stuttgart - So ein bisschen Vorfreude ist schon da bei Alexander Esswein, auch wenn vor seinem Abschied zumindest in sportlicher Sicht nicht mehr viel gepasst hatte. „Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern“, sagt der Offensivspieler des VfB Stuttgart vor dem Gastspiel seiner Mannschaft bei Hertha BSC. Denn: „Es ist eine besondere Konstellation.“

Zum Beispiel deshalb: Seit Sommer 2016 steht Esswein bei den Berlinern unter Vertrag. 45 Bundesligaspiele hat er seitdem für die Hertha bestritten, in der Vorrunde dieser Saison kam allerdings kein einziges dazu. Esswein war bei Trainer Pal Dardai nicht mehr gefragt – und ließ sich im Winter nach Stuttgart ausleihen. Er kickt an diesem Samstag (15.30 Uhr) also gegen seinen Stammverein. Aber da ist noch mehr.

Der VfB benötigt dringend weitere Punkte, um im Kampf gegen den Abstieg zu bestehen. Die Hertha ist im Niemandsland der Bundesliga platziert, will nach einer schwachen Rückrunde aber einen gelungenen Endspurt hinlegen. Sportliche Brisanz ist also – vor allem aus Stuttgarter Sicht – geboten. Teil drei der Besonderheiten betrifft die Zukunft von Alexander Esswein.

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Der war bei seiner Ankunft in Stuttgart zwar kritisch beäugt worden – eben wegen der Malaise in der Vorrunde. Ex-Trainer Markus Weinzierl überzeugte er aber derart schnell von sich, dass er vom Start weg Stammspieler war. 14 Einsätze in 14 Partien, 13-mal in der Startelf: Von einer solchen Bilanz hatte Esswein auf seiner Suche nach Spielpraxis wohl nur geträumt. Und diese Statistik hat nun direkte Auswirkungen.

Vertrag bis 2021 bei Klassenverbleib

Im Geschäft des VfB mit Hertha BSC war neben der Ausleihe auch eine Kaufoption für die Stuttgarter vorgesehen – die unter gewissen Voraussetzungen zur Kaufverpflichtung wird. Es geht dabei um eine gewisse Anzahl von Einsätzen, um eine gewisse Anzahl von Spielminuten und um den Klassenverbleib des VfB. Ist dies alles erfüllt, zahlen die Stuttgarter zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro an den Hauptstadtclub – und Esswein ist im Besitz eines Vertrages bis 2021. Da die ersten beiden Punkte bereits abgehakt werden können, gilt also: Schafft der VfB die Rettung, bleibt Esswein ein Stuttgarter.

Über all das, versichert Esswein, „mache ich mir derzeit keine Gedanken. Für uns geht es einzig darum, in der Liga zu bleiben“. Die persönliche Komponente an der Mission Klassenverbleib macht den Saisonendspurt für den 29-Jährigen aber noch ein bisschen spezieller, schließlich sagt er auch: „Ich fühle mich in Stuttgart sehr wohl.“ Auch wenn sein Sportwagen noch ein Berliner Nummernschild trägt.

Als Turbo für einen schwächelnden Kader wurde Esswein im Winter nach Stuttgart geholt. „Wucht, Mentalität, Einstellung und Durchsetzungsvermögen“ sah der ehemalige Sportvorstand Michael Reschke im gebürtigen Wormser. Ex-Coach Markus Weinzierl lobte „Robustheit, Geradlinigkeit und Schnelligkeit.“ Und setzte voll auf Esswein.

Gute Form in der Anfangszeit beim VfB

Der Offensivmann überraschte denn zunächst auch positiv und rechtfertigte schnell seine Verpflichtung. Er attackierte aggressiv, er leistete viel Laufarbeit, er diente als Anspielstation bei den allerdings meist zaghaften Versuchen, schnell umzuschalten, und er erfüllte ohne zu Murren die Defensivaufgaben der Offensivspieler. Weil es mit dem VfB aber insgesamt nicht voran ging und Esswein zuletzt seine zu Beginn ordentliche Form nicht halten konnte, war nun, da die Weiterverpflichtung bei Klassenverbleib bekannt ist, wieder ein deutliches Murren in der Fangemeinde zu vernehmen. Auch, weil Offensivmann Esswein beim VfB bislang weder ein Tor noch eine Torvorlage hat beisteuern können.

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Die Vertragsvereinbarung pauschal zu verteufeln, wird der Sache aber auch nicht gerecht. Schließlich gilt ein Leihspieler, der sofort Stammkraft wird, gemeinhin als Verstärkung – und damit auch als Mann für die Zukunft. Die nach wie vor extrem angespannte sportliche Lage des VfB überlagert also auch die Einschätzung im Fall Esswein, von dem erwartet wird, dass er schon bald wieder aufsteigende Form zeigt.

Unter Nico Willig erstmals auf der Bank

Nach mehreren Monaten ohne Bundesligapraxis ist ein kleines Leistungsloch in der Folgezeit nicht unnormal. Ex-Coach Weinzierl setzte dennoch stets auf Esswein, der erst im ersten Spiel unter Interimstrainer Nico Willig auf die Bank musste. Beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach wurde der frühere Berliner, Augsburger und Nürnberger in der 67. Minute für Anastasios Donis eingewechselt.

Ob sich das am Samstag bei Essweins Rückkehr nach Berlin ändert und er wieder von Beginn an ran darf? Alexander Esswein hätte sicher nichts dagegen, weiß aber auch, dass es in den restlichen drei (oder fünf mit Relegation) Spielen nur um das Wohl des Clubs, nicht des Einzelnen gehen darf. „Wir brauchen unbedingt die Punkte“, sagt der 29-Jährige vor seinem „besonderen Spiel“ und verspricht: „Wir werden alles reinlegen.“

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