Besonders Supermärkte verzeichnen durch Corona ein Umsatzplus. Andere Lebensmittelhändler und Produzenten stehen schlechter da. Foto: dpa/Tobias Hase

Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland liegt in diesem Jahr deutlich im Plus, doch nicht die gesamte Branche profitiert. Viele Verbraucher ändern ihr Einkaufsverhalten.

Stuttgart/Berlin - Volle Geschäfte, Hamsterkäufe und Vorratshaltung – Teile des Lebensmitteleinzelhandels profitieren bisher von der Coronakrise. So verzeichnen vor allem Supermärkte und Discounter mit Gütern des täglichen Bedarfs, dazu zählen vor allem Lebensmittel, in diesem Jahr ein Umsatzplus von knapp neun Prozent. Gerade rund um den Lockdown im Frühjahr sei das Geschäft gelaufen wie sonst nur an Weihnachten, heißt es in der Branche.

Doch der Trend gilt nicht für alle. Eine aktuelle Umfrage der Landesinnungen und des Zentralverbandes des Bäckerhandwerks hat ergeben, dass die befragten Bäckereien ein Umsatzminus von 13 Prozent verzeichnen. Das entspricht hochgerechnet auf die Branche mehr als einer Milliarde Euro. Das liegt nicht nur daran, dass die Bäckerei-Cafés nicht wie üblich genutzt werden konnten, sondern auch an zurückgehenden Kundenfrequenzen. Viele Menschen scheuen sich offenbar inzwischen, eine größere Zahl an Geschäften aufzusuchen.

Diesen Eindruck bestätigt eine Studie des Handelsverbands Deutschland. Darin geht es auch um das Kundenverhalten beim Lebensmittelkauf. Während im Jahr 2019 noch 74,4 Prozent der Verbraucher mehrmals wöchentlich zum Einkaufen gegangen sind, hat sich diese Zahl zuletzt um 15 Prozentpunkte verringert. Viele Menschen erledigen ihre Einkäufe seltener als zuvor und eher an nur einem Ort, um Kontakte und Infektionsrisiko zu verringern. Kleinere Einzelhändler bis hin zum Bäcker weisen dadurch weniger Kundenfrequenz auf. Außerdem bestellen immer mehr Verbraucher Lebensmittel auch online. So hat 2019 noch jeder neunte Internetnutzer Lebensmittel im Netz gekauft, zuletzt war es bereits jeder siebte.

Bei den Lebensmittelproduzenten hängt die Lage stark davon ab, wie hoch der Anteil von Großverbrauchern wie Kantinen oder Restaurants am Umsatz ist. Dieser Geschäftszweig ist eingebrochen und hat sich bisher kaum erholt. Ähnliche Probleme haben Metzgereien, die vor allem auf Partyservice und Veranstaltungen setzen. Außerdem mussten alle Betriebe ihre Arbeitsprozesse umstellen und aufwendige Hygienemaßnahmen umsetzen.

„All das hat zu deutlichen Kostensteigerungen geführt“, sagte Philipp Hengstenberg, Präsident des Lebensmittelverbands Deutschland, unserer Zeitung. „In der Summe haben wir nicht mehr umgesetzt unter Corona, weil wir das, was wir beim Endverbraucher gewonnen haben, in der Gemeinschaftsverpflegung verloren haben.“ Die Krise habe in positiver Hinsicht aber gezeigt, dass die deutsche Lebensmittelwirtschaft verlässlich und stabil sei und auch mit unerwarteten Herausforderungen umgehen könne. Das bestätigen Umfragen, die ein hohes Vertrauen der Kunden zeigen.

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