Landemesse Stuttgart Messechef darf noch ein bisschen weitermachen

Von Thomas Braun 

Ulrich Kromer darf als Messechef noch bis Januar 2020 amtieren. Die Stadt hat sich beim Postengeschacher gegenüber dem Land vorläufig durchgesetzt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ulrich Kromer darf als Messechef noch bis Januar 2020 amtieren. Die Stadt hat sich beim Postengeschacher gegenüber dem Land vorläufig durchgesetzt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Chef der Landemesse Ulrich Kromer darf noch bis Anfang 2020 amtieren. Die Landesgrünen wollten ihn eigentlich loswerden und hatten schon eine Nachfolgerin im Auge. Doch der Plan scheiterte.

Stuttgart - Wer den Messechef Ulrich Kromer beim letzten Neujahrsempfang der Messegesellschaft erlebt hat, der konnte durchaus Züge von Wehmut bei dem 65-Jährigen erkennen. Da wusste der Mann, der seit 2001 als Sprecher der Geschäftsführung amtiert und der eigentlich im Juli 2019 altershalber in den Ruhestand gehen könnte, wohl schon, dass die von ihm angestrebte Vertragsverlängerung um ein Jahr auf Widerstand gestoßen war – auf Widerstand im grün-geführten Finanzministerium, um genau zu sein. Dort hatte man sich einmal mehr auf eine Nebenabrede im Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU besonnen, der den Regierungspartnern wechselseitig das Vorschlagsrecht für die Besetzung von Spitzenposten im Land einräumt. Eine Frau als Nachfolgerin Kromers hatten die Grünen nach Informationen unserer Zeitung für den zuletzt mit mehr als 300 000 Euro dotierten Job bereits ausgeguckt. Doch die Stadt, die 50 Prozent der Anteile an der Landesmesse hält und mit Finanzbürgermeister Michael Föll auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Messegesellschaft stellt, legte sich einmal mehr quer. Nun darf Kromer wenigstens noch ein bisschen weitermachen.

Neubesetzung von Spitzenjobs sorgt nicht zum ersten mal für Unstimmigkeiten

Die Neubesetzung von Führungspositionen bei Gesellschaften, an denen Land und Stadt gemeinsam beteiligt sind, sorgt nicht zum ersten Mal für Unstimmigkeiten unter den Partnern. So war es auch 2016, als die Nachfolgefrage für den 2017 in den Ruhestand verabschiedeten Flughafengeschäftsführer Georg Fundel im Raum stand. Auch damals reklamierten die Grünen im Land die Personalie für sich, die Grünen-Fraktionssprecherin im Rathaus,Anna Deparnay-Grunenberg, lancierte den Namen eines Parteifreunds aus dem Staatsministerium. Dafür fing sie sich einen Rüffel vom grünen OB Fritz Kuhn ein. Und schon damals hieß es im Rathaus: Entschieden werde nach Kompetenz und nicht nach Parteibuch. Besetzt wurde der Job dann mit der Ex-Bahn- und Fraportmanagerin Arina Freitag.

Nun ist nicht bekannt, ob die als Kromer-Nachfolgerin gehandelte Messemanagerin ein grünes Parteibuch besitzt. Klar ist nur, dass sie vorläufig nicht zum Zuge kommt: Anfang Juli, das hat der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Föll unserer Zeitung bestätigt, hat der Messeaufsichtsrat den Vertrag Kromers vorzeitig um ein halbes Jahr bis Januar 2020 verlängert – einstimmig, wie Föll versichert: „Nun haben wir genügend Zeit für ein strukturiertes Nachfolgeverfahren.“ Eine Personalberatungsagentur wird eingeschaltet, der Posten wird ausgeschrieben. Bis Mitte 2019 soll dann feststehen, wer 2020 auf Kromers Stuhl Platz nehmen darf.

Aufsichtsratschef Michael Föll lobt Kromers Verdienste um die Messe

Kromer mache einen guten Job, habe insbesondere den Umzug der Messe vom Killesberg auf die Filder, wo zwischen 2004 und 2006 das neue Ausstellungsgelände gebaut wurde, hervorragend gemanagt und das Messegeschäft gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Roland Bleinroth kontinuierlich weiterentwickelt, betont Föll. Nach den städtischen Statuten hätte Kromer sogar noch bis zum 68. Geburtstag im August 2020 weiter amtieren können – nun geht er ein halbes Jahr früher. Kromer selbst sagt: „Ich erlebe den Neujahrsempfang 2020 noch mit und übergebe dann ein gut aufgestelltes Unternehmen.“

Zumindest das Dienstalter, witzelt man auf den Rathausfluren, dürfte bei den Landesgrünen eigentlich keine Rolle mehr spielen, wenn es um die Besetzung von Spitzenposten in Institutionen mit Landesbeteiligung geht. Schließlich habe Grün-Schwarz die Altersgrenze für Bürgermeister, die sich wieder bewerben wollen, 2014 selbst aufgehoben. Und auch der grüne Regierungschef Winfried Kretschmann sei mit 70 Jahren „ja noch voll im Saft“.

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