Die Messechefs Ulrich Kromer (li.) und Roland Bleinroth (re.) mit Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut Unternehmer Lothar Horn (Mitte) und Bürgermeister Michael Föll beim „Buzzern“ Foto: Rosar

Na sowas, ein offizieller Pflichttermin, der die Politprominenz zum Tanzen bringt. Nicht nur die Messechefs waren bei ihrem Neujahrsempfang bestens gelaunt.

Stuttgart - Wow, was für ein Auftakt. Beim Neujahrsempfang der Messe hielt es die Ehrengäste nicht auf den Stühlen. Als Erste sprangen Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Landtagspräsidentin Muhterem Aras auf. Der Erste Bürgermeister Michael Föll klatschte im Stehen, während Altministerpräsident Erwin Teufel sogar ein kleines Tänzchen mit seiner Nachbarin im roten Kleid wagte. „Es ist unsere Nacht“, sang Max Mutzke. Und die SWR-Big-Band bewies mit sattem Bläsereinsatz, warum sie das „groß“ im Namen trägt.

„Seid ihr warm? Wenn nicht sogar heiß?“, fragte Mutzke. Ja genau, jener junge Mann, den einst der Entertainer Stefan Raab entdeckt hatte und der heute in der Elbphilharmonie singt. Dabei verleugnet Mutzke nicht, dass er aus Waldshut-Tiengen stammt. „Aus einem Dorf, wo Mama und Papa noch Geschwister sind . . . – wir sind aber zugezogen.“

Zugezogen oder nicht: Der Messe-Empfang ist traditionell der erste große Auflauf des Jahres in Stuttgart. Da darf keiner fehlen, der in der Stadt etwas auf sich hält, Wirtschaftslenker, Gastronomen, Kulturmenschen, Politiker. Bis auf vielleicht OB Fritz Kuhn. Stolze 1600 Gäste waren es am Donnerstagabend, der auch Einweihungsfeier für die neue Halle 10 sein sollte.

Dennoch traf man sich wie immer im mit gewaltigen Kronleuchtern aufgehübschten Kongresszentrum ICS. Die neue Halle war bereits belegt: Sie wird von der Touristikmesse CMT bespielt, die am Samstag beginnt. So sind die Schwaben: Hauptsache, es bringt Geld. Deshalb durften die Messechefs Ulrich Kromer und Roland Bleinroth mit Hoffmeister-Kraut und Föll auf den Bühne symbolisch den roten Buzzer betätigen. Und die forsche Moderatorin Chrissie Weiss meinte dazu doch tatsächlich: „Fassen sie dahin, wo’s warm ist.“

Ruhestand kommt nicht in Frage

Ebenso locker erkundigte sie sich in der folgenden unausweichlichen Talkrunde bei Messechef Kromer, ob er mit 65 Jahren nicht endlich in den Ruhestand gehen wolle. Will er nicht, um das klarzustellen. Föll bezeichnete es als sein persönliches „Überraschungsmoment“, dass der damalige OB Wolfgang Schuster schon bei der Einweihung der neuen Messe 2007 die Erweiterung ankündigte. „Ich habe mich in der Zwischenzeit wieder gefangen.“ Auch deshalb, weil die Messe die neue Halle aus eigenen Mitteln finanzierte. „Sie sind ganz nah dran an den Herausforderungen der Gesellschaft“, attestierte Hoffmeister-Kraut den Gastgebern. Beispiel sei die CMT mit Angeboten wie Paragliding und Surfkiting.

Sie bezeichnete sich als „Genussmensch“ und gab damit die Herausforderung für die Gäste im Saal vor: Herausfinden, an welcher der Kochstationen die Schlange am kürzesten war. Schließlich wollte man nicht nur anstehen, sondern sich in der ersten Arbeitswoche nach den Weihnachtsferien auch austauschen. Er sei in der letzten Woche ob der vielen Freizeit fast nervös geworden, gestand SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Schnell hat den Familienvater der Alltag eingeholt: Jeden Morgen aufstehen um kurz nach 6. Da konnte sein Gegenüber und Amtsvorgänger Claus Schmiedel nur grinsen: „Ich schlaf, wann ich will und so lange ich will. Meistens.“ Für etliche dürfte es eine kurze Nacht auf Freitag geworden sein, Fola Dada in der Lounge sang einfach zu gut.

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