Stefan Gauß führt seit fast 25 Jahren das Café Le Théâtre in der Gloria-Passage in der Stuttgarter City. Foto: Gauß

Wer unter das Fahrverbot in Stuttgart fällt, spart im Café Le Théâtre zehn Prozent. Wirt Stefan Gauß, der einst mit seinem Jogginghosen-Verbot für Wirbel sorgte, will nun Dieselfahrern öffentlichkeitswirksam unter die Arme greifen.

Stuttgart - Der erste Gastronom in Stuttgart reagiert auf das Dieselfahrverbot mit einer kuriosen Aktion: In seinem Café Le Théâtre in der Gloria-Passage gewährt Stefan Gauß ab sofort Gästen einen Rabatt von zehn Prozent, wenn sie mit ihrem Diesel nicht in die Stadt fahren dürfen. „Es reicht, wenn man den Fahrzeugschein mitbringt“, sagt der in PR-Angelegenheiten nicht unerfahrene Geschäftsmann. Vor einem Jahr war der Medienwirbel bundesweit groß, als er Trägerinnen und Träger von Jogginghosen den Zutritt in sein Lokal verweigerte. Das Original-Schild mit der Aufschrift „We say no to Sweatpants“ hängt mittlerweile im Haus der Geschichte in Bonn. Im Stuttgarter Café ist die Kopie an der Tür zu sehen. Bald wird ein neuer Geschäftshinweis angebracht: Betroffene mit Dieselfahrzeugen der Norm 4 und abwärts zahlen hier weniger.

„Der Protest sollte parteipolitisch neutral bleiben“

„Das ist nur gerecht“, findet Stefan Gauß, der selbst kein Dieselfahrer ist, „wer unter das Fahrverbot fällt, muss mehr Geld für Fahrscheine des öffentlichen Nahverkehrs ausgeben.“ Treibt allein das soziale Engagement den Wirt an? Oder steigt mit dieser Idee nicht auch sein Umsatz? Wer mit Bus und Bahn fährt, kann selbst mehr tanken.

Der Gastronom, der 2020 den 25. Geburtstag seines Café Le Théâtre feiert und Franchisegeber bei bisher 13 Partnern der Coffreez Frozen Coffeebar ist, war bei der ersten Demo gegen das Dieselfahrverbot dabei. Ihm gefällt nicht, dass die AfD davon profitieren will. „Der Protest sollte parteipolitisch neutral bleiben“, sagt Gauß. Jetzt ist er gespannt, wie viele Gäste mit Fahrzeugschein zu ihm kommen. Und was macht er mit Dieselfahrern, die Jogginghose tragen?

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