Winfried Kretschmann ist beim Thema Grundschulempfehlung anderer Meinung als seine Ministern Susanne Eisenmann. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Der Ministerpräsident sieht die ehemalige Lockerung der Grundschulempfehlung, anders als Kultusministerin Susanne Eisenmann, nicht als Fehler. Ihn überrascht dagegen, dass sich viele Eltern nicht daran halten.

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung im Gegensatz zu Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) nicht für einen Fehler. Das Grundgesetz sehe vor, dass die Erziehung der Kinder das natürliche Recht der Eltern sei, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Erstaunt zeigte er sich allerdings darüber, dass rund zehn Prozent der Eltern sich nicht an die Empfehlung hielten.

Eisenmann hatte am Montag gesagt, die Entscheidung, dass die Grundschulempfehlung nicht mehr verbindlich sei, sei ein Fehler gewesen. Zu viele Kinder gingen auf Schulen, die nicht ihren Leistungen und Fähigkeiten entsprächen. Sie will nachsteuern, aber keine komplette Rückkehr zum alten Modell der Grundschulempfehlung.

Die Grundschulempfehlung ist die Empfehlung der Grundschule dazu, welche weiterführende Schulart für ein Kind nach der vierten Klasse geeignet ist. Die grün-rote Vorgängerregierung hatte entschieden, dass die Empfehlung seit 2012/2013 nicht mehr verbindlich ist. Die Eltern können sich über sie hinwegsetzen und ihr Kind etwa auf ein Gymnasium schicken, obwohl es dafür keine Empfehlung hat.

Der Philologenverband Baden-Württemberg, der die Gymnasiallehrer vertritt, pflichtete Eisenmann bei: Die Beratung zur Wahl der weiterführenden Schule funktioniere bei einem erheblichen Teil der Eltern überhaupt nicht. „Die Schulen und Lehrkräfte investieren zwar sehr viel Zeit in die Beratung über die sinnvolle Wahl der weiterführenden Schule, aber ein Teil der Eltern ignoriert diese Beratung einfach.“ Die Leidtragenden seien dann Kinder, die völlig überfordert seien und denen der Spaß am Lernen abhandenkomme.

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