Wild gefeiert wird im Kornwestheimer Freizeitpark öfter. Deshalb ist mittlerweile eine Security im Einsatz. Am Sonntag kam es dort zu brisanten Situationen. Foto: /Susanne Mathes/Archiv

Die Corona-Vorschrift, dass im öffentlichen Raum nicht mehr als 20 Menschen miteinander feiern dürfen, wird nicht immer akzeptiert. Am Sonntag geriet die Lage bei einer nicht angemeldeten Party in Kornwestheim beinahe außer Kontrolle.

Kornwestheim - Die Festgesellschaft ließ sich nicht lumpen. Da stellten kräftige Kerle Biertische auf die Wiese und auch einen Großgrill. Kühlschränke und ein Stromaggregat wurden ebenfalls herangeschafft. Aus einer Musikanlage sollten Songs erschallen, sogar ein Buffet war in Arbeit. Rund 60 Frauen und Männer wollten es sich am Sonntagnachmittag auf diese Weise gut gehen lassen. Der Ort des Geschehens: der Freizeitpark Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg), ein großes, öffentliches Gelände im Osten der Stadt, auf dem sich Spaziergänger und Jogger tummeln, Jugendliche chillen und Familien zum Picknicken kommen. Das Areal hat aber beispielsweise auch schon für riesige Holy-Gaudi-Techno-Festivals hergehalten.

Ein von der Stadt eingesetzter Sicherheitsdienst, der an Wochenenden und Feiertagen das Gelände inspiziert – eine Reaktion der Stadt auf die zunehmende Vermüllung des Geländes –, hatte neben mehreren kleinen Grüppchen auch die Großgruppe gesichtet. Die Security, die danach schauen soll, dass die Besucher sich an die Regeln halten, nur an den dafür vorgesehenen Stellen Feuer entfachen und ihren Müll wieder mitnehmen, informierte die Polizei.

Stimmung wird immer gereizter

Was war passiert? Die Feierfreudigen – dem Vernehmen nach teils aus dem Umfeld kurdischer Vereine – hatten zwar an alles gedacht, nur an eines nicht: Um auf einem öffentlichen Gelände wie dem Freizeitpark eine Feier ausrichten zu dürfen, ist eine Genehmigung der Stadt notwendig. Das gilt in Corona-Zeiten, in denen maximal 20 Menschen zusammenkommen dürfen und für Feiern ein Hygienekonzept benötigt wird, umso mehr. Zwar gibt es im Freizeitpark öffentliche Grillstellen – dass Leute zusammensitzen, grillen und sich unterhalten, ist also durchaus in Ordnung. Aber eine 60-Personen-Fete sprengt aktuell jeden Rahmen, wie auch die Stadtverwaltung klarmacht. „Sie haben eine große Fläche in Anspruch genommen“, sagt Florian Zangl, der Leiter des Fachbereichs Recht, Sicherheit und Ordnung.

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Die Polizei schaute zunächst mit einer Streife vorbei. Da die Stimmung gereizter wurde und die Freizeitparkbesucher nicht einsehen wollten, dass ihre Feier nicht stattfinden darf, kamen weitere Beamte dazu. Am Ende mussten „elf Streifenbesatzungen der polizeilichen Aufforderung Nachdruck verleihen“, berichtet der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Darunter seien Kollegen aus benachbarten Polizeirevieren und dem Polizeipräsidium Stuttgart gewesen, ergänzt er. Die Atmosphäre war zwischenzeitlich sehr aufgeheizt. Mehr als 20 Polizistinnen und Polizisten standen am Ende bereit, um bei eventuellen Handgreiflichkeiten einschreiten zu können.

Als „aggressiv“ beschreibt Peter Widenhorn vom Ludwigsburger Präsidium die Lage. Einige der Freizeitparkbesucher seien zudem „unkooperativ“ gewesen. Am Ende flogen zwar nur Worte und keine Fäuste – doch in Feierlaune war niemand mehr. Gegen 17.15 Uhr verließen die letzten Mitglieder der Grillgesellschaft das Areal und folgten damit letztendlich den Anweisungen der Polizei. Dass die Beamten nicht von uneinsichtigen Besuchern angegriffen wurden, hängt wohl unter anderem damit zusammen, dass einige aus der Gruppe die Situation und ihre aggressiveren Begleiter beruhigten.

Polizei musste schon mehrmals einschreiten

„Einige besonders erhitzte Gemüter mussten von ihren Familien zurückgehalten und aus dem Park begleitet werden“, sagt der Polizeisprecher, der zudem von „längeren Diskussionen“ berichtet, die nötig waren. „Wir hatten zwischendurch Sorge, dass die Situation eskaliert“, ergänzt Peter Widenhorn.

Weniger glimpflich endete Anfang August eine Massenzusammenkunft auf dem Ludwigsburger Akademiehof. Bis zu 100 Menschen waren dort versammelt und hielten die Polizei über mehrere Stunden hinweg mit Ordnungsstörungen, Streitigkeiten, Verstößen gegen die städtische Polizeiverordnung und einer Körperverletzung in Atem. Um Mitternacht räumte sie den Platz deshalb vollständig – was ein angetrunkener 19-Jähriger nicht einsah, ausrastete und bei seiner Festnahme fünf Polizeibeamte leicht verletzte. Und erst vergangenen Freitag räumte die Polizei den Akademiehof erneut – 120 Menschen hielten sich dort auf, nicht alle friedlich: Anwohner meldeten um kurz vor Mitternacht randalierende Platzbesucher.

„Die meisten zeigen Verständnis“

„Manche Leute haben keine Lust mehr auf die Corona-Beschränkungen, das kriegen wir schon zu spüren“, sagt Polizeisprecher Widenhorn. „Es gibt immer wieder welche, die nicht verstehen können oder wollen, dass die Einschränkungen nun mal gelten. Die meisten zeigen aber Verständnis.“ Auch in den Bietigheimer Grünanlagen gebe es immer mal wieder Anlass für Einsätze, allerdings bisher nicht in der Größenordnung, wie es auf dem Akademiehof oder jetzt in Kornwestheim der Fall gewesen sei.

Generell sei die Polizei aktuell sehr viel häufiger mit Ruhestörungen beschäftigt als sonst: „Wir haben jede Nacht Dutzende Einsätze. Da geht es aber meistens nicht um kritische Personenzahlen, sondern um die Lautstärke“, so Widenhorn. Wegen Corona treffen sich nach wie vor viele Menschen eher draußen, etwa auf Sportplätzen oder Schulhöfen, noch dazu ist es warm, die Fenster stehen offen. Da gehe es nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme.

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