Durch breite Schutzgürtel um die Naturschutzgebiete bleibt in Baden-Württemberg kaum noch Platz für Genmais. Foto: dpa

Besser geschützt sind nach dem Entwurf für das neue Landesnaturschutzgesetz künftig auch die Alleen. Und die Moore. Und die Biotopverbünde. Noch wichtiger ist aber der formale Aspekt, kommentiert Annette Mohl.

Stuttgart - Zwischen fünf und neun Millionen Tierarten leben auf der Welt. Bis zu 50 000 davon sterben jährlich aus – 130 jeden Tag. Stört uns das? In Baden-Württemberg stehen 30 bis 40 Prozent der Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste. Bei den Fischen sind es sogar 60 Prozent. Von den 281 Biotoparten des Landes sind 37 Prozent stark gefährdet. Kann man nicht ändern?

Die Internationale Staatengemeinschaft und die EU haben sich zum Ziel gesetzt, den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt bis 2020 zu stoppen und bis 2050 eine positive Entwicklung einzuleiten: Ja, die Kehrtwende ist überfällig. Der grün-roten Landesregierung ist der Natur- und Artenschutz ebenfalls ein zentrales Anliegen. Er wurde im Koalitionsvertrag mit vielen Aspekten verankert. 2013 ist die Naturschutzstrategie Baden-Württemberg verabschiedet worden, mit dem Ziel, die biologische Vielfalt zu stabilisieren, also die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre genetische Vielfalt zu erhalten, ihre Lebensräume zu sichern und ihre Überlebenschancen zu verbessern.

Dabei geht es nicht um Öko-Romantik. Um auch die Zweifler und Lächler aufzurütteln, muss der ökonomische Aspekt herhalten. So steht der Begriff Naturkapital für solche Mineralien, Pflanzen und Tiere der Biosphäre, die man als Produktionsfaktor betrachtet . Sie dienen als Wasserfilter, verhindern Erosion, produzieren Sauerstoff oder sind Träger von Genmaterial. Das Ökosystem hat also auch ökonomischen Wert – etwa in der Forstwirtschaft.

Höchste Zeit deshalb, dass der Naturschutz restriktiver wird. Die Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes in Baden-Württemberg schafft Spielräume, auch wenn das große Ganze im Bundesnaturschutzgesetzt geregelt ist. Alexander Bondes Ministerium für Ländlichen Raum packt diese Chance beim Schopf.

Vor allem beim Thema Gentechnik geht das grüne Ministerium auf Konfrontationskurs zu Schwarz-Rot im Bund. Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der EU den Weg frei gemacht hat für Gen-mais, Gensoja und Co., sollen im Land wenigstens die wertvollen Schutzgebiete eine gentechnikfreie Zone bleiben. Mitsamt einem jeweils 3000 Meter breiten Schutzgürtel: Das ist ein Wort. Umgerechnet auf die Landesfläche, müssen demnach 60 Prozent gentechnikfrei bleiben. Und rechnet man noch die Natura- 2000-Gebiete dazu – ebenfalls mit 3000-Meter-Schutzgürtel –, bleiben mehr als 90 Prozent der Landesfläche frei von gentechnisch veränderten Organismen.

Der Zeitpunkt, die Gentechnikfreiheit per Gesetz festzuschreiben, könnte besser nicht sein: Widerstand ist nicht zu erwarten. Im Südwesten scheint niemand scharf darauf zu sein, sich die mit gentechnisch veränderten Pflanzen einhergehenden Risiken ans Bein zu binden. Die Forschung bezüglich Resistenzen und Mutationen von Schädlingen steckt noch in den Kinderschuhen. Bonde kommt mit dem Verbot seinem Ziel näher, die Natur und die Teller in Baden-Württemberg gentechnikfrei zu halten.

Besser geschützt sind nach dem Entwurf für das neue Landesnaturschutzgesetz künftig auch die Alleen. Und die Moore. Und die Biotopverbünde. Noch wichtiger ist aber der formale Aspekt: Die Naturschutzverbände erhalten künftig per Gesetz mehr Gehör. Ihr Sachverstand ist in den Verfahren mehr gefragt. Das ist überfällig. So war es der BUND, der mit einem eigenen Gutachten und einer Kampagne noch vor der Gesetzesnovelle dafür gesorgt hat, dass auf den Äckern im Südwesten die Gentechnik keine Wurzeln schlagen kann.

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