Regt sich auf, aber nur über eine angebliche „Skandalisierung“ der Beziehung zwischen Minister Lucha und Kabarettist Sonntag: Ministerpräsident Winfried Kretschmann Foto: dpa

Ministerpräsident Kretschmann rede den Fehltritt seines Parteifreundes Lucha klein, meint unser Kommentator Rainer Wehaus.

Stuttgart. Sozialminister Manfred Lucha hat sich von Kabarettist Christoph Sonntag, dem er Fördergelder gewährte, zweimal zum Abendessen einladen lassen. Und dies in einer Zeit, in der sich Sonntag um noch mehr Fördergelder bemühte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann findet das nicht schlimm: Angesichts dessen, was ein Minister verdiene, grummelte er am Dienstag, könne man den doch nicht mit einem Abendessen korrumpieren.

Kretschmann kennt die Regeln nicht – oder er will sie nicht kennen

Einerseits ist das verständlich: Nach dem angekündigten Rückzug von Edith Sitzmann und Franz Untersteller will Kretschmann nicht noch einen Minister verlieren. Anderseits liegt er inhaltlich daneben. Kretschmann kennt offenbar selbst nicht die Regeln, denen seine Regierung bei der Annahme von Geschenken unterliegt – oder er will sie nicht kennen. Amtsträger dürfen nicht einmal den Eindruck von Befangenheit erwecken, die Höhe der Rechnung ist dabei egal. Da kann Kretschmann noch so oft aufrunden und rufen „Stimmt so!“ – die Sache wird dadurch nicht besser.

rainer.wehaus@stuttgarter-nachrichten.de

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