In den Kitas im Südwesten ist eine Fachkraft für drei ganztags betreute Krippen- oder 7,3 Kindergartenkinder zuständig, so das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Foto: dpa

Je größer die Gruppe, desto geringer die individuelle Förderung: Der Betreuungsschlüssel in Kindergär ten ist ein Qualitätsmerkmal. Nach einer Studie verbessert sich die Lage – auch im Land.

Stuttgart - Baden-Württemberg bietet Kitakindern bundesweit den besten Personalschlüssel. Eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft ist hier für drei ganztags betreute Krippen- oder 7,3 Kindergartenkinder zuständig. Der Südwesten weist dabei, gemessen über mehrere Jahre, die größte Verbesserung aller Länder auf – so die Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Mittwoch präsentiert wurde. Im Bundesschnitt kommen 4,3 Krippen- oder 9,3 Kindergartenkinder auf eine Fachkraft. Für eine kindgerechte Betreuung empfehlen die Autoren der seit acht Jahren erhobenen Studie einen Schlüssel von 1 zu 3 bei den unter Dreijährigen und von 1 zu 7,5 bei den Kindergartenkindern. Insgesamt besuchen 24 Prozent der unter Dreijährigen und 96 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen eine Kindertagesstätte. Hier liegt Baden-Württemberg leicht über dem Durchschnitt der westlichen Bundesländer.

„Baden-Württemberg ist das Musterland bei der Qualität in der frühkindlichen Bildung“, sagt Volker Schebesta, Staatssekretär im Kultusministerium. Dies sei gemeinsamer Verdienst von Land, Kommunen, Trägern und der Fachkräfte vor Ort. Das Ministerium setzt nun auf den Ausbau der Ausbildungsangebote. Mit zusätzlichen Standorten soll die Zahl der Fachkräfte erhöht werden. Im Moment haben zwei Drittel der rund 81 400 Mitarbeiter einen Fachabschluss. Hier liegt Baden-Württemberg leicht unter dem Bundesdurchschnitt.

Bedarf von rund 5000 Fachkräften im Land

„Das ist ein tolles Ergebnis und ein klarer Erfolg der letzten grün-roten Landesregierung“, sagt Andreas Stoch, SPD-Fraktionschef und Kultusminister unter Grün-Rot. 2011 habe sich das Land bei der Studie noch im hinteren Drittel befunden.

Bayerns Familienministerin Emilia Müller (CSU) kritisierte die Studie hingegen als einseitig: „Das reine Aufzählen von Personalschlüsseln und die stets negative Bewertung dieser Zahlen wird der komplexen, verantwortungsvollen Aufgabe der Kinderbetreuung und dem Engagement der Betreuerinnen und Betreuer nicht gerecht.“ In Bayern ist eine Fachkraft für 3,8 ganztags betreute Krippen- oder 8,8 Kindergartenkinder zuständig.

„Wir freuen uns, dass wir relativ gesehen gut abschneiden“, sagt Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie hält den Personalschlüssel, der auf Grundlage der Vollbesetzung berechnet wird, aber nur für begrenzt aussagekräftig. „Krankheitsfälle, Urlaub oder Fortbildungen wurden nicht berücksichtigt.“ Zudem sei in jeder fünften Einrichtung im Südwesten die Leitung nicht freigestellt. Bundesweit liege die Quote nur bei 14 Prozent. Die Gewerkschaft sehe daher einen zusätzlichen Bedarf von rund 5000 Fachkräften im Land.

Bundesfamilienministerin will einheitliche Standards

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig(SPD) hat die Länder derweil dazu aufgerufen, sich auf einheitliche Standards in Kindertagesstätten zu verständigen. „Ich unterstütze ein solches Qualitätsgesetz, ich würde das gerne machen“, sagte Schwesig am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“.Von 2017 an könnte der Bund die Mittel für weitere 10 000 Erzieher stellen.

Das Kultusministerium setzt gemeinsam mit den Trägern in Baden-Württemberg hingegen auf landeseigene Standards. „Man kann die Länder nicht alle über einen Kamm scheren. Ein Bundesqualitätsgesetz halten wir vor diesem Hintergrund für entbehrlich“, sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann.

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