35 000 Kubikmeter verseuchte Erde müssen abgetragen werden. Dafür wurde das Areal eingehaust, die Mitarbeiter müssen Schutzkleidung tragen. Foto: Bernd Zeyer

In der Keltersiedlung baut die SWSG in zwei Abschnitten insgesamt 180 Wohnungen. Im ersten Abschnitt wird bereits an den Gebäuden gearbeitet, im zweiten müssen noch bis zum Jahresende die Altlasten einer ehemaligen Teerfabrik entsorgt werden: 35 000 Kubikmeter verseuchte Erde.

Zuffenhausen - Wo sich früher ein lebendiges Wohnquartier befunden hat, stehen heute große, weiße Zelte, in denen es ebenfalls recht lebendig zugeht: Bevor mit dem zweiten Bauabschnitt der Keltersiedlung begonnen werden kann, müssen Altlasten entsorgt werden. Um die Schadstoffbelastungen für die Nachbarn und die Umwelt so gering wie möglich zu halten, wurde der Bereich zwischen der Schöntaler Straße, Künzelsauer Straße und Stuppacher Straße auf einer Fläche von 8800 Quadratmetern eingehaust. Rund 35 000 Kubikmeter dekontaminierte Erde müssen entsorgt werden.

Vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Mineralölkohlenwasserstoffe, monozyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sowie, in kleineren Mengen, Schwermetalle, Arsen und Phenole sind tief ins Erdreich eingedrungen. Sie stammen von einer Teerfabrik, die im Jahre 1912 abgebrannt ist. 15 Jahre später kaufte die Stadt das Areal und errichtete in den 1930er Jahren an dieser Stelle die Keltersiedlung – ohne zuvor irgendwelche Bodensanierungen vorzunehmen. 2009 wurde das Gelände dann an die SWSG veräußert. Als frühere Eigentümerin des Grundstücks muss die Stadt die Entsorgungskosten in Höhe von gut elf Millionen Euro tragen.

30 Lastwagen fahren die Baustelle täglich an

Laut der SWSG laufen die Sanierungen nach Plan. Rund 30 Lastwagen fahren die Baustelle täglich an. Bevor sie beladen mit dem Abraum die Zelte verlassen, werden die Ladeflächen abgedeckt und die Reifen gewaschen, damit kein verseuchter Boden nach außen gelangt. Der Aushub und die Bodenproben geschehen innerhalb der Zelte, die mit speziellen Luftfiltern ausgestattet sind. Sowohl innen als auch außen werden regelmäßig die Luftwerte kontrolliert. Die Arbeiter innerhalb der Einhausung tragen Masken und Schutzanzüge.

All das geht natürlich nicht ohne Belästigungen für die Anwohner über die Bühne. Zu Jahresanfang beispielsweise wurde ein großer Bohrer eingesetzt, der Lärm und Gerüche produzierte. Laut SWSG stand man in diesem Zeitraum in besonders engen Kontakt mit den Anwohnern. Es wurde eine Online-Sprechstunde angeboten, an der ein Immissionsschutzbeauftragter teilnahm. Die SWSG betont, dass die Lärm- und Geruchsbelästigungen aufgrund der Einhausung abgenommen hätten. Vor allem im Sommer könne es aber verstärkt zu Gerüchen kommen.

In diesem Zusammenhang verweist die Städtebaugesellschaft darauf, dass auf ihrer Webseite ein spezieller Blog für die Anwohner eingerichtet worden sei und als Ansprechpartner auch ein unabhängiger Immissionsschutzbeauftragter zur Verfügung stünde. Neben den bereits aufgeführten Schadstoffen wurden übrigens noch andere gefährliche Gegenstände auf dem Areal gefunden: eine Mörsergranate sowie eine leere Brandbombe. Beide sind vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entsorgt worden.

Die SWSG investiert 41 Millionen Euro

Das komplette Neubauvorhaben ist auf zwei Abschnitte aufgeteilt. Mit dem ersten (er umfasst 63 Wohnungen) war 2019 begonnen worden. Dort wurden kürzlich die Fenster gesetzt und Gipsarbeiten erledigt. Die ersten Häuser sollen Ende 2021 fertig werden, bis Frühjahr 2022 soll dann der komplette erste Abschnitt erledigt sein. Im zweiten Bauabschnitt (117 Wohnungen) wird die Altlastensanierung voraussichtlich noch bis Ende 2021 dauern, Anfang 2022 könnte dann der Hochbau starten. Insgesamt wird die SWSG 41 Millionen Euro in das Projekt investieren.

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