Auf dem Gelände der Keltersiedlung lässt die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft 14 neue Gebäude errichten. Foto: Bernd Zeyer

Bevor mit den Arbeiten am zweiten Bauabschnitt der Keltersiedlung begonnen werden kann, steht eine umfangreiche Altlastensanierung an. Die gut 11 Millionen Euro dafür muss die Stadt als ehemaliger Eigentümer des Geländes bezahlen.

Zuffenhausen - In der Keltersiedlung baut die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) 180 neue Wohnungen. Das Vorhaben im Bereich der Künzelsauer Straße ist in zwei Teilbereiche gegliedert. Nachdem mit dem ersten Bauabschnitt 2019 begonnen wurde, startet nun der zweite. Bevor Häuser errichtet werden können, steht allerdings eine aufwendige Altlastensanierung an. Die kostet laut Schätzungen der Stadt circa 11,3 Millionen Euro. Als frühere Eigentümerin des Grundstücks muss sie die Kosten tragen. Vor Kurzem hat der Gemeinderat der Sanierung zugestimmt.

Die Altlastensanierung ist sehr aufwendig

Ganz zu Beginn des Vorhabens war die Stadt noch von deutlich geringeren Sanierungskosten ausgegangen. Als das Projekt im Januar 2019 im Bezirksbeirat vorgestellt wurde, war von gut 3,6 Millionen Euro die Rede. Dass es deutlich mehr wird, ist dem Umfang der Altlasten und den dafür notwendigen Sanierungsmaßnahmen geschuldet. Vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Mineralölkohlenwasserstoffe, monozyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sowie, in kleineren Mengen, Schwermetalle, Arsen und Phenole sind tief ins Erdreich eingedrungen. Sie stammen von einer Teerfabrik, die im Jahre 1912 abbrannte. 15 Jahre später kaufte die Stadt das Areal und errichtete in den 1930er Jahren an dieser Stelle die Keltersiedlung – ohne zuvor irgendwelche Bodensanierungen vorzunehmen. 2009 wurde das Gelände dann an die SWSG veräußert. Dass die Stadt die Altlastenentsorgung bezahlen muss, war bereits damals klar.

Das Umweltamt hatte immer wieder betont, dass keine Gefahr für Menschen bestand. Dennoch ist ein umfangreiches Sanierungskonzept entwickelt worden. Mit diesem soll das Ausbaggern und die Abfuhr des Erdreichs so umweltschonend wie möglich bewältigt werden.

Der Hauptschadensbereich mit Tiefen bis zu acht Metern nördlich der Stuppacher Straße wird innerhalb eines Einhausungszeltes saniert. Die Erde wird ausgebaggert, auf Lastwagen geladen und mit einer Plane abgedeckt, bevor die Laster sich auf den Weg machen. Auf dem südlichen Abschnitt des Grundstücks werden in einem weiteren Zelt die Aushubwerkzeuge bereitgestellt. Rund 72 000 Tonnen Erde müssen auf diese Weise entsorgt werden. Kontaminiertes Grundwasser wird über eine spezielle Anlage gereinigt. Für die Altlastensanierung sind 15 Monate veranschlagt. Erst danach, also Anfang 2022, kann im zweiten Bauabschnitt mit der Errichtung der Gebäude begonnen werden. Sie sollen bis Oktober 2024 fertig werden. Insgesamt entstehen in diesem Abschnitt 117 Wohnungen.

Insgesamt entstehen 180 neue Wohnungen

Für das erste Baufeld sind 63 Wohnungen geplant. Dort sind laut SWSG die Rohbauarbeiten weit fortgeschritten, im Erdgeschoss des ersten Hauses stünden die Wände. Alles laufe nach Plan, das erste Gebäude soll Ende 2021 stehen. Bis Frühjahr 2022 möchte die SWSG alle Häuser des ersten Abschnitts an ihre Bewohner übergeben.

Rund 41 Millionen Euro steckt die Städtebaugesellschaft in das Gesamtvorhaben. Das Projekt ist nicht unumstritten: Kritiker befürchten, dass die Mietpreise für die Neubauwohnungen deutlich höher ausfallen werden als bei den alten Gebäuden, die zuvor dort gestanden hatten. Auf dem Gelände gab es vormals 105 relativ günstige Wohnungen – die allerdings aktuellen Standards kaum mehr entsprachen. Laut SWSG ist für alle ehemaligen Bewohner eine Lösung gefunden worden.

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