Irgendwo leuchtet immer ein Licht: Fußball-Experte Klaus Birk Foto: Christoph Kramer

Was macht ein Humorist, dem in Corona-Zeiten massenhaft die Auftritte wegbrechen? Dem Kabarettisten und VfB-Fan Klaus Birk hilft der Fußball, auch wenn derzeit gar nicht gekickt wird.

Stuttgart - Wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen musste der Stuttgarter Kabarettist Klaus Birk zig Bühnenauftritte absagen. Wie hält er sich in Zeiten der Corona-Krise bei Laune.

 

Herr Birk, darf man über Corona noch Witze machen?

Darf man in Zeiten wie diesen solche Fragen stellen? Jedenfalls braucht es in Zeiten wie diesen Humor, um das alles durchzustehen, um nicht komplett am Rad zu drehen, um sich Mut zu machen – und es braucht Solidarität, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, eben alles, was sonst nicht so einfach zu haben ist. In Zeiten wie diesen erscheint es schon absurd witzig, wie schnell Veränderung möglich ist, wenn es sein muss. Wenn wir so auch auf den Klimawandel und die Heilung der Erde reagieren, können wir in ein paar Jahren lächelnd zurückschauen und sagen: War eine lustige Zeit damals, aber wir haben es geschafft.

Man muss also Witze über Corona machen?

Müssen muss man nicht, aber wenn man dürfen darf, fällt einem schon einiges auf. Wer hätte gedacht, dass Tonnen an Klopapier, Nudeln und Müsli einmal die Erfüllung sein könnten? Manche Reaktionen sind schon leicht absurd. Wenn jemand beim Telefonieren einen Mundschutz anzieht, um sich nicht durchs Telefon anzustecken oder das Smartphone auf laut stellt und es 1,50 Meter weit weg legt. Händewaschen ist auch so was. Jetzt entdeckt die Welt, dass wir uns über Jahrtausende hinweg die Hände falsch gewaschen haben. Das fragt man sich schon als freier Comedian in einem nicht mehr ganz so freien Land: Gibt es womöglich noch mehr, was wir nicht so gemacht haben, wie wir es hätten machen sollen?

Sie mussten wie viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen Auftritte absagen. Vergeht einem da nicht das Lachen?

Erst ja – dann aber, ganz langsam, kehrte es zurück. Denn: Nicht zu lachen, macht die Situation auch nicht besser. Und bei manchen Aussagen kannst du nicht anders als lachen. Da werden günstige Kredite zugesagt, für Leute, die keinerlei Kohle mehr verdienen können, dazu werden niedrige Zinsen bis sieben Prozent gefordert. Großartig!

Kennen Sie einen guten Corona-Witz?

Und selbst, wenn ich einen kennen würde, was ich nicht tue, würde ich ihn nicht erzählen. Ich würde eher Witze über jemanden machen, was ich nicht tun werde, der in dieser Situation fragt, ob man einen Corona-Witz kennt. Übrigens, das mit den Zinsen ist schon ein Witz.

Wie hoffen Sie diese mit Auftrittsverboten belegte Zeit zu überstehen?

Mit viel Liebe. Dazu noch ein neues Programm schreiben. Buch weiter schreiben. Gute Gedanken verbreiten und füreinander da sein. Zudem habe ich einen echten Kraftspender entdeckt: Ich schaue mir jeden Tag das 7:1 gegen Brasilien an. Hilft echt. Zumindest bleibt dir das Lächeln im Gesicht, auch unterm Atemschutz.

Helfen soziale Netzwerke?

Mag sein. Ich denke, da wird einiges Neue entstehen. Vor allem werden manche Menschen einander mehr schätzen, bis hin zu einer persönlichen Begegnung in der Nach-Corona-Zeit.

Müsste Fernsehsender einspringen und Künstlern ein Forum bieten?

Müssen muss es nicht, aber schön wäre es. Vor allem, wenn etwas Gemeinsames entstehen würde. Not macht erfinderisch, und wenn das Fernsehen mit den Künstlern und dem Publikum etwas gestalten würde, wäre das großartig. Ich werde, wenn Sie erlauben, mir noch selbst eine Frage stellen: Wie wird diese ganze Corina-Geschichte die Welt verändern?

Und wie lautet Ihre Antwort?

Es werden überall wunderbare Dinge geschehen, wie der Beifall für die Helfer in Madrid oder die Konzerte auf Balkonen in Italien. Ich habe einen Traum: Nach der Krise empfangen sich VfB- und KSC-Fans mit offenen Armen, bejubeln gemeinsam den Fußball und vergessen dabei total, dass sie sich früher einmal nicht leiden konnten.