Nico Willig fungiert bis Saisonende als Interimstrainer beim VfB Stuttgart. Foto: Baumann

Der Sportvorstand Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart erklärt, warum er sich für den bisherigen U-19-Trainer Nico Willig als Interimslösung entschieden hat – und gegen einen erfahrenen Feuerwehrmann.

Stuttgart - Nico Willig hat am Sonntagvormittag seine erste Trainingseinheit bei den Profis des VfB Stuttgart geleitet, bis Saisonende wird er nach der Trennung von Markus Weinzierl am Samstagabend als Interimscoach des Fußball-Bundesligisten fungieren. Warum die Wahl auf ihn fiel? Wegen dem, „was ich bei ihm gesehen habe in den letzten zwei Jahren“, wie der VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger am Sonntag sagte. „Ich habe gesehen, was er mit der U17 bewerkstelligen konnte, jetzt war er mit der U19 sehr erfolgreich.“

Hitzlsperger kennt den bisherigen A-Junioren-Trainer Willig gut aus seiner Zeit als Stuttgarter Nachwuchschef – dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Beförderung zum Sportvorstand im Februar. Er schätzt an dem Interimscoach „die Arbeitsweise, die Art der Ansprache, sein Wissen – wenn er das alles bei den Profis einbringt, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass er mit der Mannschaft einen Erfolg feiern kann“. Dieser Erfolg hieße Klassenverbleib. Ungeachtet des Ausgangs dieser Saison wird danach jedoch ein neuer Trainer das Zepter übernehmen. Laut Hitzlsperger steht dieser bis jetzt aber ebenso wenig fest wie das, was Willig dann machen wird.

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Der VfB-Sportvorstand ging mit der Entscheidung für den Bundesliga-Novizen statt einem erfahrenen Feuerwehrmann ein Risiko ein – er selbst schätzt dieses jedoch als überschaubar ein und begründete dies auch. „Weil ich ihn kenne, weil ich seine Arbeitsweise kenne“, sagt Hitzlsperger. „Ich glaube, dass Nico Willig den Spielern genau das geben kann, was sie jetzt brauchen. Bei all den anderen Kandidaten, die dann vielleicht im Raum stehen, die kenne ich nicht so gut. Ich verlasse mich auf das, was ich sehe, was ich weiß, was ich kenne.“ Und er fügt noch an: „Ich bin überzeugt, dass Nico das hinbekommt mit seinem Trainerteam. Es ist es mir viel wohler jemanden zu haben, bei dem ich weiß, was er liefern kann.“

Willig brauchte offenbar nicht viel Bedenkzeit, als er die Aufgabe angeboten bekam. „Ich habe ihn gefragt, ob er sich das zutraut und wie er die Sache angehen wird, was seine Ideen und Gedanken sind. Da ist er sehr klar“, sagt Hitzlsperger. „Es ist so, dass wir nie eine Garantie haben. Wenn jemand schon dreimal einen Abstieg verhindert hat, ist das auch keine Garantie. Es ist immer wieder eine neue Konstellation. Deshalb sehe ich bei Nico Willig kein größeres Risiko als bei anderen. Er kennt den Verein, er kennt die Leute, braucht keine Eingewöhnungszeit.“

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Die A-Junioren des VfB führen die Tabelle der U-19-Bundesliga an und stehen überdies im Finale des DFB-Pokals. Nun muss Willig beweisen, dass er auch auf höchster Ebene Erfolg haben kann – und eine am Boden liegende Mannschaft in Schuss bringen kann, die soeben mit 0:6 beim FC Augsburg untergegangen ist. „Jetzt trifft er auf Profis, die gerade eine sehr negative Erfahrung gemacht haben, wofür sie aber auch selbst sehr verantwortlich sind. Jetzt ist die Aufgabe, schnell wieder die Stimmung zurückzubringen, damit die Jungs die bestmögliche Leistung bringen können – und das traue ich ihm zu“, sagt Hitzlsperger.

Er erhofft sich von Willig, der 2016 die Ausbildung zum Fußball-Lehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef absolvierte und dabei eine Fahrgemeinschaft mit Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim) und Domenico Tedesco (zuletzt FC Schalke 04) bildete, auch vor allem eine Verbesserung der Angriffsbemühungen. „Wie kriegen wir wieder mehr Torchancen? Wir müssen daran arbeiten, offensiv zu denken“, sagt Hitzlsperger. „Das soll Nico der Mannschaft beibringen.“ Viel Zeit bleibt bis zum ersten Spiel nach der nur sechsmonatigen Ära Weinzierl am nächsten Samstag (18.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach allerdings nicht.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Fotos von Nico Willigs erster Trainingseinheit.

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