In Stuttgart droht die flächenhafte Aussperrung von Dieselfahrzeugen mit Euronorm 5. Die Luftqualität hat sich in diesem Jahr bisher deutlich verbessert. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die Messwerte zeigen für das erste Halbjahr einen Rückgang bei der Belastung mit Stickoxiden an. Ob das reicht, um das neue Fahrverbot für Euro-5-Dieselautos abzuwenden?

Stuttgart - Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid, das vor allem auch aus Verbrennungsmotoren stammt, ist im Juni in Stuttgart weiter zurückgegangen. Am Neckartor lag der Wert im Monatsmittel bei rund 34 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auch an weiteren Messstellen wurden jene 40 Mikrogramm, die als Grenzwert für das Jahresmittel gelten, nicht erreicht.

An der Hohenheimer Straße wurden 28, an der Pragstraße 39 und an der Talstraße im Stuttgarter Osten 38 Mikrogramm gemessen. Aussagekräftiger für die Entscheidung über die faktische Umsetzung des zum 1. Juli vorgeschriebenen, vom Land beklagten Euro-5-Dieselverkehrsverbots, sind Halbjahres-Mittelwerte. Hier liegen die Stationen am Neckartor und an der Talstraße mit je 39 und an der Hohenheimer Straße mit 34 Mikrogramm (Stand 25. Juni) unter der EU-Grenze. Eine Überschreitung gibt es an der Pragstraße mit 44 Mikrogramm. Das läge in dem Rahmen, den das Verwaltungsgericht sich zu tolerieren bereit erklärt zeigte.

Land legt Gutachten vor

Die Richter wollen in dieser Woche über einen Eilantrag des Landes gegen weitere, vom Kläger Deutsche Umwelthilfe (DUH) zu erwartende Vollstreckungsanträge entscheiden. Das Land habe am Mittwoch erneut ein Schreiben angekündigt, doch sei man in der Lage, die Entscheidung ohne dieses zu treffen, so ein Gerichtssprecher.

Das Land argumentiert mit Gutachten, dass der Grenzwert in diesem Jahr ohne ein Euro-5-Dieselverkehrsverbot für die ganze Stadt eingehalten werden könne. Auch im Jahr 2021 werde es nach dem Verkehrsrückgang durch die Coronakrise keinen Anstieg des Werts geben. Das folge „aus dem etablierten Trend und der Erneuerung der Fahrzeugflotte“.

Die Rolle der Autoindustrie

Uwe Lahl, im Verkehrsministerium als Ministerialdirektor zweiter Mann hinter Minister Winfried Hermann (Grüne), hatte am Dienstag vor Stadträten die Rolle der Autofirmen für die Schadstoff-Misere bewertet. „Man sollte im Blick haben, wo die eigentlich Schuldigen sitzen. Das sind nicht die Autofahrer, sondern die Autoindustrie, auch die hiesige, die sich nicht an Gesetze gehalten hat“, so Lahl.

Das Bundesumweltministerium, im dem der 69-Jährige früher tätig war, hatte im September 2019 die Abweichungen bei Diesel-Pkw von den Grenzwerten der Euronormen im realen Straßenbetrieb dokumentiert. Sie sind sehr hoch. Erst Fahrzeuge, die Euro-6d-Temp erfüllen, unterschreiten den Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer zuverlässig.

Ein Oldtimer ist besser als junge Wagen

Wie wenig sich bei dem Schadstoff seit der ersten Begrenzung im Jahr 2000 (Euro 3) getan hat, hat der Mercedes W123-Club mit dem Test eines 38 Jahre alten Mercedes 240 D dokumentiert. Der Wagen erreichte auf der Straße, also im Realbetrieb, bei 8 Grad Celsius im Schnitt 805 Milligramm. Er lag damit besser als die Masse der heutigen Euro-5-Fahrzeuge.

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