Der Cube gilt als Modell: Ludwigsburg muss noch viele Räume schaffen. Foto: WBL

Schwierige Herbergsuche in Zeiten der Wohnungsnot: Ludwigsburg ist in Sachen Anschlussunterbringung für Menschen auf der Flucht in Verzug.

Ludwigsburg - In Sachen Flüchtlingsunterbringung ist Ludwigsburg in Verzug: Hätte die Stadt 2018 ihre Verpflichtungen in vollem Umfang erfüllen können, müsste sie in diesem Jahr nur noch Räume für 172 Personen finden, so aber sind es 370. Schuld daran sind unter anderem Verzögerungen beim Bau von neuen Unterkünften. „Wir haben einen Rückstand von 198 Personen“, sagte Volker Henning, der Leiter des zuständigen Fachbereichs Bürgerschaftliches Engagement, Soziales und Wohnen. Dennoch bestehe kein Grund zur Panik.

Mittlerweile zahle es sich offenbar aus, dass die Stadt in der Hochphase der Flüchtlingskrise die für die Erstunterbringung zuständige Kreisbehörde intensiv unterstützt habe, meinte CDU-Stadtrat Claus-Dieter Meyer bei der Präsentation der aktuellen Zahlen im Ludwigsburger Sozialausschuss: „Wenn es jetzt bei uns mal holpert, ist das Landratsamt geduldig.“

Landkreis übt sich in Geduld

Der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried ergänzte: „Ich bin zwar nicht so optimistisch wie Herr Henning, aber es ist tatsächlich nicht so, dass der Kreis uns die Leute vor die Türe setzt.“ Klar sei aber auch, dass die Zuständigkeit nach den ersten zwei Jahren vom Kreis auf die Kommunen übergegangen sei: „Für uns ist die Aufgabe gewachsen“, sagte Seigfried.

Verglichen mit den hitzigen Debatten, die in Ludwigsburg noch im Herbst 2017 wegen geplanter Wohnheime für Flüchtlinge geführt wurden, reagierten die Stadträte am Mittwoch gelassen. Eine Ursache dafür dürfte sein, dass kaum noch neue Flüchtlinge ins Land und damit in den Landkreis Ludwigsburg kommen. Das Flüchtlingsproblem scheint lösbar, auch wenn es den Zuständigen noch viel Arbeit und Ärger machen wird.

Er freue sich, dass der für die Unterbringung zuständige Fachbereichsleiter „so viel Ruhe ausstrahle“, sagte Andreas Kasdorf (Grüne). Er befürchtet, die aktuelle Wohnungsnot könne das Problem der Unterbringung von Asylsuchenden weiter zuspitzen. Der Umgang mit Flüchtlingen bleibe „ein sensibles Thema“, sagte Eberhard Daferner (SPD). Was ihn aufhorchen lasse, seien Meldungen von psychisch Kranken, die andere attackiert hätten. „Zum Glück hatten wir bei uns noch keinen dieser spektakulären Fälle“, sagte Hermann Dengel (FW). Um dem vorzubeugen, dürfe man allerdings nicht nur an das professionelle Betreuerteam denken. „Wir dürfen auch die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht im Stich lassen“, mahnte Dengel. Es dürfe nicht verwundern, wenn bei manchen die Motivation nachlasse: „Nach so vielen Jahren wird man eben müde.“

Stadt übernimmt ein Haus vom Kreis

„Es ist auch völlig in Ordnung, wenn die Leute nach einer gewissen Zeit müde werden“, sagte Seigfried. Das müsse man jedem Freiwilligen zugestehen. Auch wenn die Stadt noch viele Personen unterbringen müsse, werde doch darauf geachtet, dass die Situation erträglich bleibe. So sei man zum Beispiel dabei die Zahl der Bewohner in der Unterkunft an der Ditzinger Straße von bis zu 60 auf bis zu 40 herunterzufahren, sagte Henning. Das Haus in Pflugfelden ist nicht in bestem Zustand. In manchen Räumen sei es kalt und zugig.

Demnächst werde die Stadt eine bisher vom Landratsamt unterhaltene Flüchtlingsunterkunft am Erlenweg übernehmen, sagte der Erste Bürgermeister. Auch das trage zur Entspannung bei der Suche nach Räumen für Flüchtlinge bei.

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