„Cube 11“: Die Module können nach Bedarf kombiniert werden. Foto:  

Im November 2017 ist eine erstes Konzept für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in Ludwigsburg am Protest der Bürger gescheitert. Jetzt wird über Modulbauten in der Weststadt und in Neckarweihingen diskutiert.

Ludwigsburg - Nachdem es der Ludwigsburger Verwaltung nicht gelungen ist, das Problem der Anschlussunterbringung von Flüchtlingen noch 2017 zu lösen, sind viele Debatten zu Beginn des neuen Jahres davon geprägt. Die Stadt muss 426 anerkannten Asylbewerbern Wohnraum anbieten, doch bisher steht nur ein Bruchteil der Quartiere zur Verfügung. Darum ist nun geplant, würfelförmige Modulbauten – mit der Typbezeichnung Cube 11 – an der Schlieffenstraße in der Weststadt und im Neubaugebiet Schauinsland in Neckarweihingen zu errichten. Anwohner und Stadträte sehen das kritisch. Am Mittwoch werden die Pläne im Gemeinderat diskutiert.

Im Neubaugebiet Schauinsland im Stadtteil Neckarweihingen will die Wohnungsbau-Gesellschaft sieben solcher Cubes errichten, um darin unter anderem Flüchtlinge unterzubringen. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stießen die Pläne zunächst auf Kritik, am Ende votierte aber eine klare Mehrheit für das Projekt.

Debatte um Holzfassade

Die Stadträte bemängelten vor allem, dass die Systembauten nicht zur restlichen Bebauung auf dem Areal passen würden. Es handle sich um „ortsfremde Architektur“, sagte etwa der SPD-Mann Dieter Juranek. Noch deutlicher wurde die CDU, die am Ende als einzige Fraktion gegen die Cubes stimmte. „Das passt null dorthin, das ist ein Treppenwitz“, sagte Maik Braumann, der wie Juranek als Architekt arbeitet.

Die Verwaltung wiederum verteidigte das Konzept und verwies darauf, dass man bei der Gestaltung der Cubes völlig frei sei. „Die müssen keine Holzfassade bekommen, auch alles andere ist möglich“, sagte Stadtplaner Martin Kurt. Natürlich werde man darauf achten, dass in Neckarweihingen keine Fremdkörper entstehen. „Es geht nur darum, dass diese Gebäude im Baukastensystem errichtet werden, aber den Unterschied wird man später gar nicht wahrnehmen.“ Er halte es für einen großen Fehler, die Cubes zu stigmatisieren.

Der Verweis auf die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten überzeugte offenbar die Mehrheit des Ausschusses – und der Zeitfaktor mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass die Stadträte grünes Licht für die Realisierung des Neubaugebiets gaben. „Wir können das Projekt nicht noch weiter rausschieben, sonst steinigt uns die Bevölkerung“, sagte Andreas Rothacker von den Freien Wählern. Im Gebiet Schauinsland sollen 172 Wohneinheiten entstehen.

Falscher Standort?

Widerstände gab es auch bei einer Bürgerinformation in der vergangenen Woche in der Weststadt. Dort beabsichtigt die Verwaltung, an der Ecke Mörike-/Schlieffen-straße vier Cubes für bis zu 90 Flüchtlinge zu bauen. Der Erste Bürgermeister versuchte, die Bürger davon zu überzeugen, dass die Bebauung eines Parkplatzes die bessere Lösung sei: „Bei der aktuellen Wohnungsnot wollen wir nicht in Wohngebiete eingreifen“, sagte Konrad Seigfried. Anwohner kritisierten dagegen die Wahl des Standorts: Die Asylbewerber würden nicht gerecht über die Stadt verteilt.

Anfang November war ein Verwaltungskonzept, das vorsah, an vier Standorten in Hoheneck, Pflugfelden sowie der Süd- und der Weststadt Modulbuten zu errichten, am Bürgerprotest gescheitert.

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