Der Grandseigneur des gepflegten Komik ist tot: Vico von Bülow, den alle als Loriot kannten, hat den deutschen Humor geprägt wie kaum ein anderer. Foto: AP

Vicco von Bülow alias Loriot ist tot. Die Trauer ist groß - auch bei Facebook und Twitter.

Berlin/Ammerland - Loriot ist tot. Deutschlands berühmtester Humorist, der mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow hieß, starb am Montag mit 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See, wie der Diogenes Verlag mitteilte. Loriot sei zu Hause „sanft entschlafen“, sagte Diogenes-Sprecherin Ruth Geiger.

Loriots Szenen voller Sprachwitz und Pointen sind legendär - etwa der Sketch mit der Nudel im Gesicht beim Rendezvous oder der Cartoon „Herren im Bad“ („Die Ente bleibt draußen“). Auch seine beiden Kinofilme „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“ begeisterten Millionen Menschen. Einige der besten Loriot-Sketche können Sie sich hier anschauen.

Keine große Trauerfeier: "Die Familie möchte dies nicht"

Die Familie habe den Schweizer Diogenes-Verlag gebeten, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte Verlagssprecherin Geiger. Eine ergänzende Stellungnahme der Angehörigen sei nicht geplant. „Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt“, sagte die Verlagssprecherin. Der Termin wurde von Geiger nicht genannt. „Die Familie möchte dies nicht.“

Loriot wurde zunächst mit Knollennasenmännchen in Zeitschriften-Cartoons bekannt. Später kamen die Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie „Loriot I-VI“ in den 70er Jahren, hinzu. In Sketchen wie über die Familie Hoppenstedt trat Loriot meist selbst als wandlungsfähiger Schauspieler auf, oft mit seiner bereits 2007 gestorbenen Kollegin Evelyn Hamann.

Loriot schrieb legendäre Dialoge von Männern und Frauen, die seiner schlitzohrigen Meinung nach überhaupt nicht zusammenpassen, etwa über das weich- oder hartgekochte Frühstücksei. Außerdem machte er den vielleicht bekanntesten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte unsterblich: Erwin Lindemann (vom Schauspieler Heinz Meier dargestellt), der „seit 66 Jahren“ Rentner ist und vor einem Fernsehteam völlig verwirrt seinen Plan verkündet, mit seiner Tochter und dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal zu eröffnen.

Seite 2: "Deutschlands komischste Figur"

 "Deutschlands komischste Figur"

Populär wurde auch das Zeichentrickpärchen Wum und Wendelin in der Fernsehshow „Der große Preis“ mit Wim Thoelke. Auch im Kino hatte Loriot, der als Künstlername die französische Bezeichnung für das Wappentier der Familie Bülow (Pirol = loriot) wählte, großen Erfolg. Sein Kinodebüt „Ödipussi“ (1988) zählt zu den meistgesehenen Kinofilmen der deutschen Nachkriegsgeschichte, dem 1991 die grandiose Rentner-Posse „Pappa ante portas“ folgte. Seine gesammelten Werke als Zeichner und Humorist erschienen im Diogenes Verlag (Zürich).

Der Künstler erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, darunter den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kleinkunstpreis, die Goldene Kamera, den Karl-Valentin-Orden, den Wilhelm-Busch-Preis und den Ernst-Lubitsch-Preis. Loriot war Mitglied der Berliner Akademie der Künste und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Manche nannten den aus Brandenburg an der Havel stammenden Offizierssohn, dessen Vorfahren am Hof von Friedrich dem Großen verkehrten, auch den „Karl Valentin des Cartoons und der Fernsehunterhaltung“ oder „Deutschlands komischste Figur“.

Vicco von Bülow hat für eine kurze Zeit (1938 - 1941) in Stuttgart gelebt und das Abitur am Eberhard-Ludwig-Gymnasium gemacht.

Seite 3: Reaktionen im Netz - "Loriot, danke für alles"

Im Internet löste die Nachricht vom Tode des "lustigsten Deutschen" eine Welle der Trauer und des Mitgefühls für die Bülow-Familie aus: Beim Kurznachrichtendienst Twitter schnellte die Zahl der Tweets mit dem Hashtag Loriot in schwindelnde Höhen. "Ich werde eine Flasche 77er Oberföhringer Vogelspinne, abgezapft und original verkorkt von Palhuber & Söhne, auf sein Wohl trinken", twitterte der User himmelkreis, während Lady_Jule den Meister selbst zitierte: "Ja wo laufen sie denn? Hach ist das schön grün. Loriot, danke für alles!"

Auf der Loriot-Fanseite bei Facebook, die über 47.000 Menschen gefällt, bedankte sich Damina Busch "für die vielen lustigen Stunden". Matthias Bauer betonte: "Er war der Mann, der der Welt gezeigt hat, dass wir Deutschen Humor haben." Und Juno Cardinal fasste zusammen, was heute bestimmt viele denken: "Ein unermesslicher Verlust........mir fehlen die Worte....'Wir heißen alle Hoppenstedt' und jetzt erst recht." Und auch eine Trauer-Seite gibt es auf Facebook bereits: R.I.P. Loriot hatte am Dienstagnachmittag schon mehr als 500 Mitglieder.

Seite 4: Erinnerungen im TV - Sender ändern ihr Programm

Die ARD wird nach dem Tod von Komiker Loriot am Dienstagabend ihr Programm ändern. Wie ein Sprecher mitteilte, ist statt der Dokumentation „Alarm am Hauptbahnhof - Auf den Straßen von Stuttgart 21“ um 22.45 Uhr der Loriot-Film „Pappa ante Portas“ aus dem Jahr 1991 zu sehen, in dem Vicco von Bülow Heinrich Lohse spielt, den Einkaufsdirektor bei der Deutschen Röhren AG, der von seinem Chef in den Vorruhestand geschickt wird.

Im Anschluss um 0.10 Uhr sendet die ARD einen filmischen Nachruf mit dem Titel „Loriot - Eine Erinnerung“ von Jens Brombach. In dem Beitrag kommen prominente Kollegen wie Hape Kerkeling und Götz Alsmann zu Wort. Gezeigt werden auch Szenen, Sketche und Karikaturen, die laut ARD exemplarisch für Loriot und sein ganzes künstlerisches Schaffen stehen. Nach dem „Nachtmagazin“ ist die Ausstrahlung von vier Filmen mit Loriot-Sketchen geplant.

Auch das ZDF kümmert sich um Loriot mit einer Sondersendung um 19.25 Uhr, durch die Markus Lanz führt. In „Loriot - Tod einer Legende“ begrüßt der Moderator unter anderen duie Schauspieler Marianne Koch, Hans-Peter Korff und Komiker Jörg Knör.



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