Im Sog der Energiekrise blicken die Unternehmen im Kreis Göppingen sehr pessimistisch in die Zukunft. Das zeigt die IHK Konjunkturumfrage. Die Geschäftserwartungen sind so schlecht wie noch nie.
Die explodierenden Preise bei Strom und Gas, eine schwächelnde Inlandsnachfrage sowie hohe Rohstoffpreise setzen die Unternehmen im Kreis Göppingen immer stärker unter Druck. „Die noch im Frühsommer geäußerten zunehmenden Sorgen der Unternehmen sind jetzt in einen beträchtlichen Pessimismus umgeschlagen“, schildert Gernot Imgart, Leitender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Göppingen, in einer Pressemitteilung die Stimmung in der heimischen Wirtschaft. Er bezieht sich dabei auf das Ergebnis einer aktuellen Sonderauswertung für den Landkreis Göppingen der Herbst-Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart.
„Die Unternehmen blicken angesichts der vielen Unsicherheiten mit großer Sorge ins nächste Jahr“, sagt Göppingens IHK-Bezirkskammerpräsidentin Edith Strassacker von der gleichnamigen Kunstgießerei in Süßen. Damit stellten sich die Göppinger Betriebe für die kommenden zwölf Monate auf einen weiteren Wirtschaftseinbruch ein.
Der Optimismus schrumpft
Gemessen an den schlechten Erwartungen bewertet die Wirtschaft im Landkreis ihre Geschäftslage in diesem Herbst noch positiv, wenn auch schlechter als im Frühsommer dieses Jahres. Zwar sei der Anteil der Optimisten, die für die nächsten zwölf Monate bessere Geschäfte erwarten, nur leicht von 13,7 Prozent auf 12,4 Prozent gesunken. Allerdings gehen mittlerweile 46,1 Prozent von einer Verschlechterung aus. Im Frühsommer waren es noch 31,8 Prozent gewesen. Insgesamt stürzt der Erwartungssaldo dadurch deutlich ins Negative ab und verschlechtert sich auf minus 33,7 nach zuvor minus 18 Punkten im Frühsommer dieses Jahres. „Das ist auch im Vergleich zur Corona- oder Finanzmarktkrise der schlechteste Wert, der bisher bei IHK-Konjunkturumfragen im Kreis Göppingen erhoben wurde“, heißt es in der Mitteilung der hiesigen Industrie- und Handelskammer.
Ähnlich sieht es bei der Göppinger Kreishandwerkerschaft aus. Viele Betriebe blickten skeptisch und sorgenvoll in die Zukunft, sagt Geschäftsführer Alexander Gonzalez. Die Stimmung sei insgesamt durchwachsen: Während im Sanitärgewerbe die Geschäfte florierten und überhaupt die Branchen rund um Klimaschutz und Heizen sich vor Aufträgen kaum retten könnten, schlage im Bau- und Ausbaugewerbe angesichts einer hohen Inflation und steigender Zinsen allmählich Verunsicherung durch. „Es stellt sich die Frage: Wie verhalten sich die Kunden, agieren sie zögerlicher, stellen ihren Auftrag zurück oder stornieren ihn gar ganz?“, sagt Alexander Gonzalez. „Da können aus vollen Auftragsbüchern ganz schnell leere werden.“ Hinzu komme die Frage: Wird der Winter mild oder knackig kalt?
Größere, breiter aufgestellte Betriebe könnten die Herausforderungen noch besser abfedern, sagt Gonzalez. Die vielen kleinen Handwerksbetriebe und hier vor allem der Hoch- und Tiefbau werden es jedoch schwer haben, prophezeit der Geschäftsführer und spricht in diesem Zusammenhang das Thema Fachkräftemangel an, das die Betriebe immer wieder ausbremst.
Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema
Dieser Dauerbrenner treibt auch die IHK-Unternehmen um. Weiterhin meldet jede zweite Firma im Kreis den Fachkräftemangel als Risiko. Angesichts der Dringlichkeit anderer Risiken rückt der Fachkräftemangel jedoch auf Platz vier. Mit Abstand am meisten Sorgen bereitet der heimischen Wirtschaft die Energiepreisentwicklung, sie nimmt mit 86,3 Prozent der Nennungen den Spitzenplatz ein – gefolgt von der Inlandsnachfrage. Angesichts steigender Preise und Inflation befürchten die Betriebe eine große Konsum- und Investitionszurückhaltung. Auf Platz drei stehen die immer teurer werdenden Rohstoffe.
Der deutliche Absturz in den Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate – und zwar über alle Branchen hinweg – zeigt sich auch beim Auftragseingang der Unternehmen, der sich bereits abkühlt, teilt die IHK mit.
In der Folge nimmt die zu Jahresbeginn noch hohe Investitionsbereitschaft der Filstalunternehmen weiter ab. Zwar steigt der Anteil der Unternehmen, die mehr investieren wollen, leicht um 1,5 Prozent auf 29,1 Prozent. Aber nur noch 37 Prozent wollen das Niveau halten, im Frühsommer waren es noch 53,2 Prozent. Mittlerweile beabsichtigen 34 Prozent der Unternehmen, weniger zu investieren. Angesichts der Energiekrise wollen die Unternehmen aber deutlich mehr Geld in Umweltschutz und Energieeffizienz stecken.
Weniger Einstellungen
Abwärts
Die Beschäftigungspläne der Unternehmen im Kreis Göppingen wurden laut der Herbst-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer noch einmal deutlich heruntergeschraubt. Zwar beabsichtigen weiterhin mehr als zwei Drittel der Unternehmen, die Beschäftigung stabil zu halten. Aber nur noch elf Prozent der Unternehmen sehen einen steigenden Bedarf. Im Frühsommer waren es noch 18,6 Prozent.
Verlierer
Vor allem der Handels- und Dienstleistungssektor schaut sehr skeptisch auf die kommenden zwölf Monate, bei Industrie und Bau sehen die Beschäftigungspläne für die kommenden zwölf Monate nicht ganz so verhalten aus.