Am 27. Januar ist Holocaust-Gedenktag (Archivbild). Foto: AFP/JOHN MACDOUGALL

Borussia Dortmund, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Volkswagen – zahlreiche Organisationen und Unternehmen haben vor dem Holocaust-Gedenktag die gemeinsame Verantwortung zur Erinnerung und zum Einsatz gegen Antisemitismus bekräftigt.

Berlin - Vor dem Holocaust-Gedenktag haben zahlreiche Organisationen und Unternehmen die gemeinsame Verantwortung zur Erinnerung und zum Einsatz gegen Antisemitismus bekräftigt.

In einer am Dienstag mit dem Freundeskreis Yad Vashem veröffentlichten Erklärung bekannten sich Borussia Dortmund, Daimler, die Deutsche Bahn, Deutsche Bank und Volkswagen zu ihrer historischen Verantwortung. Die Unternehmen erklären darin, dass sie sich gegen Antisemitismus und Rassismus einsetzen, dass sie Toleranz und Offenheit fördern und fordern und sich als „Motoren der Integration“ sehen.

Alle fünf haben zudem die gemeinsame Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zu Antisemitismus verabschiedet und hoffen, so die Erklärung, dass sich andere Unternehmen ihnen anschließen. Die Arbeitsdefinition wurde von 31 Mitgliedstaaten der IHRA angenommen und von 24 europäischen Ländern, darunter Deutschland, übernommen. Die Definition bietet eine Beschreibung des Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen, einschließlich Hass und Diskriminierung von Juden, Holocaustleugnung und Antisemitismus in Bezug auf Israel.

American Jewish Committee Berlin begrüßt Erklärung

Das American Jewish Committee Berlin begrüßte die gemeinsame Erklärung der fünf deutschen Konzernen. „Wir hoffen, dass viele weitere Unternehmen und Organisationen diesem Beispiel folgen werden. Denn der Einsatz gegen Antisemitismus ist nicht nur Aufgabe politischer Führungspersonen und der Zivilgesellschaft, sondern auch die der Privatwirtschaft“, sagte Direktor Remko Leemhuis.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, nahm den Gedenktag zum Anlass, zur Wachsamkeit gegen Antisemitismus aufzurufen. Er hob dabei auch die Schuld der Kirchen im Nationalsozialismus hervor. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer sei einer der wenigen Theologen im Dritten Reich gewesen, der „die ganze theologische Abgründigkeit der Judenverfolgung verstanden“ habe. Bedford-Strohm wies auf die internationale Kampagne #weremember hin, die dafür wirbt, die Millionen ermordeten Menschen nicht zu vergessen.

Mahnende Worte von Christoph Heubner

Die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf, erinnerte daran, dass jüdisches Leben seit 1.700 Jahren Teil der Gesellschaft in Deutschland sei. Doch seit der Schoah stehe es im Schatten des Holocausts. Und antisemitische Einstellungen bestünden fort und würden weiterhin von Demagogen missbraucht. Das habe sich zuletzt in neuen Verschwörungserzählungen im Kontext der Corona-Pandemie gezeigt, so Rudolf. Zu Recht forderten daher „vermeintliche Andere“ wie die jüdischen Gemeinden wirksamen staatlichen Schutz und solidarisches Einstehen der Gesellschaft gegen jede Form von Diskriminierung und Hass.

Mahnende Worte kamen auch vom Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner: Angesichts des wachsenden Rechtsextremismus und antisemitischen Hasses wachse die Sorge, ob Demokratien, Bürger und Politiker sich über das Gedenken hinaus der aktuellen Gefahren und ihrer Herausforderungen bewusst seien.

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