Die Nachfrage nach Brennholz ist im Kreis Esslingen seit der Energiekrise zwei bis dreimal höher als das Angebot. Wer Holz braucht, muss schnell sein.
Wer jetzt noch Brennholz braucht und seine Vorräte auffüllen möchte, muss sich sputen. In vielen Forstrevieren wie auf dem Schurwald und im Albvorland bei Forst BW, aber auch bei zahlreichen kommunalen Waldrevieren ist der nachwachsende Rohstoff bereits ausverkauft, teilweise gibt es aber noch Reste. Nachschub für ein heimeliges Holzfeuer ist in Esslingen, Kirchheim und teilweise im Forstrevier Plochingen zu haben. Hohe Nachfrage und hohe Preise bestimmen indes weiterhin den Markt.
Die Preise variieren stark
Aus Sicht des Esslinger Stadtförsters Ingo Hanak ist die Nachfrage seit der Energiekrise etwa zwei- bis dreimal höher als das Angebot. Entsprechend deutlich seien deshalb auch die Preise gestiegen, seit dem Vorjahr laut Statistischem Bundesamt um rund ein Drittel. Für den Festmeter Buche werden demnach rund 100 Euro fällig. Je nach Nachfrage könne der Preis bis auf 150 Euro steigen. Das sei beispielsweise bei Versteigerungen in Umlandgemeinden zu beobachten. Buche sei weiterhin das beliebteste Brennholz, gefolgt von Esche, Eiche und Ahorn, allesamt sogenannte Harthölzer. Und wer kaufen will, muss schnell sein. Das bisher aus dem Stadtwald Esslingen stammende Holz war laut Hanak nach ungefähr 1,5 Stunden ausverkauft.
Birkenholz spiele kaum noch eine Rolle, da die Zahl der zugelassenen offenen Kamine stark rückläufig sei. Weichlaubhölzer wie Erle, Kirsche und Aspe haben einen geringeren Brennwert und sind demnach nicht so gefragt und mit fünf bis zehn Euro pro Festmeter billiger zu haben. Für Nadelholz mit ebenfalls geringerem Brennwert wird laut Hanak 55 bis 60 Euro verlangt. Wer sich auf der Homepage vom Kreisforstamt umsieht, findet auf dem Bestellformular für Brennholz folgende Preishinweise: „Buche, Eiche, Esche 85 Euro, Birke 75 Euro und Erle 65 Euro“ pro Festmeter.
„Wir bieten insgesamt die gleiche Menge Brennholz an wie in den Vorjahren. Da es lange geregnet hat, die Waldböden aufgeweicht sind und wir Bodenschäden vermeiden wollen, verzögert sich in diesem Jahr die Bereitstellung um etwa vier bis sechs Wochen. Wir schlagen aus Nachhaltigkeitsgründen auch nicht mehr Holz ein, wenn die Nachfrage steigt“, erklärt Ingo Hanak die Lage.
In Esslingen steht wieder ein Verkauf bevor
Tatsächlich sieht die Situation in den Wäldern im Kreis Esslingen recht unterschiedlich aus. Während in einigen Revieren der Brennholzverkauf abgeschlossen ist, sind andere Distrikte noch voll dabei. Die Arbeiten im Esslinger Stadtwald dauern noch an, berichtet die Sprecherin der Stadtverwaltung, Isabelle Butschek, und Hanak ergänzt: „Wir arbeiten uns Fläche für Fläche voran. Der nächste Verkaufstermin ist für Freitag, 12. April, um 13.30 Uhr festgelegt. Dann soll das Polterholz in den Stadtwalddistrikten Aichwald-Schanbach sowie in Altbach für die Kundschaft bereitliegen. Fündig werden Holzofenbetreiber auch noch in Teilen des Forstreviers Plochingen. Wie auf der Homepage des Kreises zu lesen ist, kann Brennholz für Reichenbach, Baltmannsweiler und Lichtenwald über das Bestellformular, das auf der Homepage des Kreisforstamts unter dem Stichwort Forstrevier Plochingen hinterlegt ist, bestellt werden.
Zum Teil wird das Brennholz auch über Versteigerungen vermarktet. Für den Raum Kirchheim steht der Termin am Montag, 25. März, in der Stadthalle fest. Dort können um 18 Uhr sowohl Polterholz, also am Waldweg aufgestapeltes Rundholz, wie Flächenlose erworben werden. Flächenlose sind bestimmte Flächen im Wald. Dort kann die Kundschaft nach dem Holzeinschlag durch die Fachleute die dort verbliebenen Äste, das Kronenholz und zerbrochene Stammteile selbst aufarbeiten. Die Aufarbeitung im Wald mit der Motorsäge ist aber aus versicherungsrechtlichen Gründen nur nach Vorlage eines Motorsägenführerscheins gestattet, darauf weist das Kreisforstamt hin. Außerdem müssten Fristen eingehalten werden. Am Wegrand lagerndes Polterholz dürfe dort innerhalb von 90 Tagen nach Erwerb aufgearbeitet werden. „Nach Ablauf dieser Frist erlischt die Fahrerlaubnis im Wald“, so Kreissprecherin Andrea Wangner. Die Aufarbeitungsfrist von Flächenlosen könne nicht pauschal vereinbart werden, aber auf den Flächen dürfte mit Rücksicht auf Tier- und Pflanzenwelt vom 1. Mai bis zum 15. September nicht gearbeitet werden.
Die Dürre sorgt für Gefahren
Flächenlose werden aber nicht überall angeboten. Für Esslingen erklärt das Stadtförster Hanak so: „Im Stadtwald gibt es in fast allen Waldbeständen stark geschädigte oder abgestorbene Bäume“. Verantwortlich dafür sind Dürreschäden, Käferbäume oder durchs Eschensterben geschädigte Bäume. Diese könnten unvermittelt abbrechen oder umfallen. Das könne bei der Aufarbeitung von Brennholz für Nichtfachleute sehr gefährlich werden, während Forstwirte und beauftragten Unternehmer dafür speziell geschult seien. Deshalb würden seit den Dürreperioden, die vor circa fünf Jahren begonnen haben, Flächenlose nicht mehr angeboten.
Dünne Äste bleiben aus ökologischen Gründen im Wald
Termine
Interessenten können das Holz vor dem Verkauf im Wald auswählen. Zu einem festen Termin wird das Holz telefonisch verkauft. Wer am Telefon nicht durchkommt, muss auf den nächsten Termin warten.
Aufarbeitung
Kleinmengen bis zehn Festmeter werden im Wald aufgearbeitet. Größere Abnehmer lassen das Holz meist von Fuhrunternehmern abholen.
Ökologie
Erst ab sieben Zentimeter Stärke wird Brennholz gewonnen. Schwächere Äste bleiben als Totholz im Wald liegen.
Geschichte
Bis vor rund 40 Jahren machten Flächenlose und vorgespaltenes Brennholz das Hauptsortiment aus. Fürs Anfeuern von Backöfen wurden aus Reisig „Grähle“ oder „Büschele“ gewonnen. Polterholz war mangels Motorsägen bei Privatleuten unüblich. Stattdessen sägte ein Unternehmer mit einer Bandsäge am Traktor das Holz für die Kunden passend klein.