Die größte Euro-Volkswirtschaft wird zum Problemfall im Währungsraum. Die EZB steckt in der Zwickmühle, meint unser Finanzreporter Hannes Breustedt.
Trotz der entschlossenen Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt die Inflation im Euroraum hoch – der Kampf gegen die Teuerung erweist sich als zäher als gedacht. Für die Währungshüter um Chefin Christine Lagarde ist vor allem Deutschland ein Problem: Die größte Volkswirtschaft der Eurozone bremst mit ihrer Konjunkturschwäche das Wachstum, zugleich steigen die Verbraucherpreise hier weiter wesentlich stärker als von der EZB erwünscht.
In Deutschland fiel die Inflationsrate im August zwar leicht, mit 6,1 Prozent bleibt sie aber viel zu hoch. In anderen Euroländern wie Spanien und Belgien liegt die Teuerung deutlich näher am Zielwert von zwei Prozent, bei dem die Notenbanker Preisstabilität als gegeben ansehen. Die EZB muss die Inflation eindämmen, ohne die Wirtschaft mit zu hohen Zinsen abzuwürgen. Ein schwieriger Spagat.
Sollte die Notenbank in den Schongang wechseln?
Die Notenbank hat jedoch ein klares Mandat, für stabile Preise zu sorgen. Das spräche trotz trüber Konjunkturaussichten für weiter steigende Leitzinsen. Besonders die deutsche Wirtschaft, der im zweiten Halbjahr ohnehin schon ein Rückfall in die Rezession droht, würde eine erneute Straffung der Geldpolitik zusätzlich belasten.
Sollte die EZB in den Schongang wechseln? Immerhin kamen von der Preisfront zuletzt auch Lichtblicke. Die von der EZB besonders stark beachtete Kerninflation, die stark schwankende Preise etwa für Lebensmittel und Energie ausklammert, ist im August weiter gesunken.
Aber auch wenn der Trend in die richtige Richtung geht, kann von Entwarnung keine Rede sein. Die unangenehme Wahrheit: Das Inflationsproblem ist hartnäckig und längst nicht behoben – aber zugleich sind die Wachstumsrisiken groß. Die EZB steckt in einer Zwickmühle.