Der Verkehrsminister des Landes, Winfried Hermann (rechts), und der Bundesstaatssekretär Norbert Barthle, ziehen schon mal ein paar Absperrbaken zur Seite. Foto: factum/Granville

Bis Sonntag sind auch die Arbeiten in der Weströhre beendet, so dass der Verkehr ungehindert fließen kann. Die 26 Monate dauernde Sanierung kostete 27,1 Millionen Euro, allein in die Sicherheitstechnik wurden 14,2 Millionen Euro investiert.

Herrenberg - Der Tontechniker musste die Lautsprecheranlage mächtig aufdrehen. Zwischen den beiden Autobahntrassen der A 81, direkt vor der neuen Technikzentrale des Schönbuchtunnels, bei Herrenberg feierten rund 80 Gäste am Freitag unter tosendem Verkehrslärm die Freigabe der Röhren, die für 27,1 Millionen Euro rundum saniert worden sind. Die Oströhre in Richtung Stuttgart wurde bereits am 26. Mai fertiggestellt, am 5. Juni, am frühen Sonntagmorgen, wird die Westverbindung in Richtung Singen vollständig in Betrieb gehen. Die Arbeiten haben zwei Monate länger gedauert als ursprünglich geplant, weil zusätzlich alte Löschwasserleitungen erneuert werden mussten.

„Der Schönbuchtunnel ist auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden“, erklärte Norbert Barthle (CDU), der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Für ganz Baden-Württemberg sei die Wiedereröffnung ein wichtiger Tag. Nach der EU-Richtlinie für die Sicherheit von Tunnelbauwerken gelten jedoch ohnehin neue Standards, was die Löschwasseranlage, die Beleuchtung, die Fluchtwege und die Klimatechnik angeht. In dieser Legislaturperiode habe der Bund dafür bereits 1,2 Milliarden Euro investiert. In ganz Deutschland gebe es 263 Tunnels, sagte Barthle, 80 allein in Baden-Württemberg.

650 000 Euro Wartungskosten in fünf Jahren

„Die deutschen Straßentunnels gehören zu den sichersten der Welt. Damit dies so bleibt, werden sie regelmäßig geprüft und an die neuesten Sicherheitsstandards angepasst“, versicherte Barthle. Laut dem Projektleiter bei der Sanierung des Schönbuchtunnels, Rolf Huber, sind die Wartungsaufträge für die nächsten fünf Jahre bereits vergeben. Der Mitarbeiter des Stuttgarter Regierungspräsidiums erklärte: „Wir haben dafür Kosten in Höhe von 650 000 Euro angesetzt.“

Etwa ein Drittel der 1,2 Milliarden Euro, die der Bund für Tunnelrenovierungen ausgegeben habe, sei dem Land zugutegekommen, bilanzierte Barthle. Und was den Schönbuchtunnel anbetreffe, der seit April 2014 ertüchtigt worden ist, habe der Bund allein in die Betriebstechnik 14,5 Millionen Euro investiert. 12,6 Millionen Euro schlugen bei der Rundumerneuerung der beiden Röhren zu Buche. „Bei diesen Kosten kann man schon zusammenzucken“, räumte Winfried Hermann (Grüne) ein, der Verkehrsminister des Landes. Aber wenn man bedenke, dass seit dem Bau vor knapp 40 Jahren 1,5 Milliarden Fahrzeuge durch die Röhren gerollt seien, relativiere sich diese Summe.

60 000 Fahrzeuge rollen täglich durch die Röhren

Freilich seien auf diesem Streckenabschnitt früher täglich lediglich 30 000 Fahrzeuge gezählt worden. Inzwischen habe sich das Verkehrsaufkommen aber verdoppelt, resümierte Hermann. „Die A 81 ist nun eine der am meisten genutzten Fernstraßen des Landes und eine elementare Route für den Wirtschaftsstandort der Region“, untermauerte der Verkehrsminister. Für die Tunnelsanierung habe hin und wieder die eine oder andere Röhre geschlossen werden müssen. „Dennoch haben sich die Staus während der Bauphase sehr in Grenzen gehalten.“ Es sei eine logistische Meisterleistung gewesen, die Sanierung unter laufendem Verkehr vorzunehmen.

In der Weströhre ist zunächst nur Tempo 80 erlaubt. Diese Geschwindigkeitsbeschränkung wird so lange beibehalten, bis die Anzeigetafeln getestet und betriebsbereit sind. Dies wird voraussichtlich am 16. Juni so weit sein. Dann wird auf die Normalgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde umgeschaltet.

Rund um die Uhr überwacht

Sanierung 
Der Boden, Teile der Wände und die Portale des rund 600 Meter langen Tunnels wurden mit Metallgittern und Beton verstärkt, die Wände erhielten einen Oberflächenschutz gegen Salz und einen hellen Anstrich. Auch die Fahrbahndecken sind erneuert worden. Die Gehwege links und rechts in den Röhren gelten nun als barrierefrei, die Bordsteine sind auf drei Zentimeter abgesenkt worden. In der Mitte der Röhren ist der Verbindungsgang neu gestaltet und mit Türen verschlossen worden.

Sicherheit
: LED-Leuchten sorgen für noch mehr Helligkeit. Sie sind so geschaltet, dass die Lichtkontraste von Innen und Außen ausgeglichen werden. In jeder Röhre gibt es fünf Notrufnischen mit Feuerlöschern, an jedem Portal ist ebenfalls eine Nische geschaffen worden. Insgesamt 16 Videokameras wurden installiert, es gibt Digitalfunk. Die Lüftung ist mit insgesamt 14 Ventilatoren verstärkt und die Löschwasserzufuhr verbessert worden. Der Tunnel ist mit der Verkehrsrechnerzentrale in Stuttgart verknüpft sowie mit der Polizeidirektion Ludwigsburg und wird rund um die Uhr überwacht.

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