Der Bereich der wichtigen Zukunftsthemen landet bei der Heimat-Check-Umfrage unserer Zeitung auf dem viertletzten Rang. Kritik gibt es dabei in fast allen Kommunen – aber auch konkrete Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer.
Digitalisierung, Energie und Klima sind drei zentrale Themen der Zukunft in Städten und Gemeinden – doch just auf diesen wichtigen Feldern haben die Teilnehmer des Heimat-Checks schlechte Noten verteilt. Auf einer Skala von eins bis zehn erreichte das Thema Digitalisierung, Energie und Klima einen Durchschnittswert von 5,57 Punkten. Damit rangiert dieser Bereich auf dem viertletzten Platz. Nur die Themenfelder Gastronomie (5,45), Verkehr (4,85) und Immobilienmarkt (4,30) haben noch schlechter bei der Online-Umfrage abgeschnitten, an der sich zwischen dem 10. Juni und dem 2. Juli 2571 Menschen aus dem Kreis Ludwigsburg beteiligt haben.
Vergleichsweise zufrieden sind die Bürger in Erdmannhausen
Repräsentativ ist die Online-Umfrage damit selbstverständlich nicht, aber sie liefert immerhin ein Stimmungsbild. Die Fragestellungen lauteten: „Wie bewerten Sie den Stand bei den regenerativen Energien in Ihrer Gemeinde?“ und „Wie bewerten Sie den Ausbau des schnellen Internets (Breitbandausbau) in Ihrer Gemeinde?“. Der Durchschnittswert von 5,57 Punkten liegt unter dem Gesamtdurchschnitt für alle 14 Themen (6,08). Die Bestnote erreicht das Thema Sport und Vereine (7,65).
In fast allen Kommunen landet das Thema auf einem der hinteren vier Plätze. Nur in neun Gemeinden reicht es für eine Platzierung in der oberen Hälfte. Vergleichsweise zufrieden sind die Bürger in Erdmannhausen mit dem Spitzenwert von 6,97, auch Gerlingen (6,47) und Möglingen (6,42) haben recht gut abgeschnitten. Ganz hinten rangieren die Kommunen Mundelsheim (4,55), Oberriexingen (4,38) und Sachsenheim (3,63).
Trinkbrunnen, Sonnensegel und Begrünung sind in Arbeit
Bei aller Kritik der Befragten werden aber auch konkrete Verbesserungsvorschläge für alle Bereiche genannt. So mahnt etwa ein Teilnehmer aus Remseck an, es gebe an den wohnortnahen Wegen schlicht zu wenige Abfalleimer. Ein weiterer Remsecker fordert dagegen ein konsequentes Vorgehen gegen Schottergärten. Die steigenden Temperaturen in Städten und Gemeinden sind zudem ein Top-Thema in den Kommentaren der Teilnehmer. In einer Anmerkung aus Ludwigsburg heißt es beispielsweise, dass es im Ortsteil Oßweil zu wenige Schatteninseln mit Aufenthaltsqualität gebe.
Das Thema Hitzeschutz ist bei der Stadt Ludwigsburg bekannt. Susanne Jenne von der Pressestelle erklärt, dass Ludwigsburg als eine der ersten Städte in Deutschland ein Klimaanpassungskonzept erarbeitet habe, aus dem Maßnahmen zum Hitzeschutz in der Barockstadt entwickelt würden. Dazu gehörten neben dem Entsiegeln und Begrünen von Flächen auch Trinkbrunnen auf dem Marktplatz und auf der Bärenwiese sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung zum Selbstschutz bei Hitze.
Ähnliche Kritik brachten Teilnehmer aus Gerlingen hervor. Moniert wird vor allem, dass es im Stadtzentrum zu wenig Bäume und Beschattung gebe. „Der Rathausplatz ist viel zu kahl“, so ein Teilnehmer. Die Rathausspitze ist das Thema schon angegangen. „In der Mai-Sitzung hat der Gemeinderat verschiedene Begrünungs- und Klimaanpassungsmaßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Gerlinger Innenstadt beschlossen“, erklärt Sofie Neumann von der Pressestelle der Stadt.
Unter anderem sei geplant, Kübelbäume in der Hauptstraße, auf dem Rathausplatz und in der Querstraße aufzustellen. Damit werde Ende September begonnen. „Bei großen Veranstaltungen können die Bäume leicht zur Seite geschoben werden“, führt Neumann aus. Zudem solle der Wassertrog auf dem Rathausplatz zu einer Sitzgelegenheit mit Begrünung umgebaut werden. 2024 sind Sonnensegel auf Spielplätzen geplant.
Der Netzausbau liegt nicht in den Händen der Kommunen
Was Digitalisierung angeht, wird Kritik am Ausbau des Glasfasernetzes laut. „Nur Neubaugebiete werden angebunden, nicht aber die Bestandsgebiete“, kritisiert ein Sachsenheimer. Auch in Großbottwar wird Kritik am Glasfaserausbau geübt, die Kommunikation der Gemeinde sei nicht gut. Das kann Bürgermeister Ralf Zimmermann ein Stück weit verstehen. „Wir begleiten die Deutsche Glasfaser bei ihrem Ausbau so gut es geht und haben es zumindest geschafft, dass im Gemeinderat regelmäßig Bericht erstattet wird“, erläutert er. Bis auf wenige Randbereiche gebe es nunmehr ein Angebot.
Dass die Ausbauplanungen nicht in den Händen der Stadt, sondern der Netzbetreiber liegen, betont auch die Stadt Gerlingen. Ein schwacher Trost für einen Gerlinger, der konsterniert anmerkte: „Bis wir Glasfaser haben, bin ich wahrscheinlich Urgroßvater.“