Laut Zensus hat die Landeshauptstadt etwa 22.000 Einwohner weniger als bisher angenommen, und laut Statistischen Amt liege die Zahl der Wohnungen um 3000 höher als vorher berechnet. Foto: dpa

Haus- und Grundbesitzer fordern Subventionen für energetische Sanierungen. Die Stadt geht davon aus, dass jährlich 5000 Menschen in Stuttgart eine Wohnung suchen.

Stuttgart - Die Tage der offenen Tür haben sich für die Interessenvertretung der Stuttgarter Immobilienbesitzer als Mitgliederwerbung bewährt. „Unser Geschäftsführer Ulrich Wecker und ich haben vor rund fünf Jahren bei Haus und Grund angefangen mit dem Ziel, die Marke von 20.000 Mitgliedern zu erreichen“, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Lang.

In der politischen Diskussion um die Wohnungsknappheit in der Landeshauptstadt beziehen die Vereinsoberen klare Positionen. „SPD und Grüne im Rathaus urteilen in dieser Sache nach Gefühls- und Stimmungslage, anstatt wie angekündigt, dem Handeln eine Analyse des Wohnungsmarktes zu Grunde zu legen. Das ist Vorwahlkampf“, sagt Ulrich Wecker. Der Zensus habe ergeben, dass die Landeshauptstadt etwa 22.000 Einwohner weniger habe als bisher angenommen, und laut Statistischen Amt liege die Zahl der Wohnungen um 3000 höher als vorher berechnet.

Außerdem gehe die Stadt davon aus, dass jährlich 5000 Menschen in Stuttgart eine Wohnung suchen. Wecker: „Man muss erheben, auf wie viele Haushalte sie sich verteilen und das Ergebnis der Bedarfsanalyse abwarten. Wir brauchen sie für eine vernünftige Prognose über die Entwicklungen in den kommenden drei Jahren.“

Im Mai habe Oberbürgermeister Fritz Kuhn gesagt, Stuttgart brauche jährlich etwa 1500 neue Wohnungen. Wecker: „Das ist nichts Neues, das wird schon seit drei Jahren so gehandhabt.“

Kritik an SWSG

Außerdem erwecke der OB mit dem Begriff Wohnungsnot den Eindruck, die Menschen in Stuttgart müssten auf dem Wasen kampieren. Das verschrecke die Leute. Auch Haus und Grund sehe die Schwierigkeiten für Einkommensschwache, in Stuttgart Wohnungen zu finden: „Das ist ein Problem, das sich nicht über den Wohnungsmarkt regeln lässt.“ Man brauche entweder Wohngeld-Zuschüsse oder Sozialwohnungen.

In Sachen Sozialwohnungen, sagt der Geschäftsführer, stünden die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) als Tochter der Stadt und das Land mit Zuschüssen in der Pflicht: „Die SWSG saniert zwar ihre Wohnungen wie ein Weltmeister auf höchstem Niveau, legt die Kosten jedoch auf die Mieter um. Das ist keine Lösung.“ Wenn der Staat hohe Ansprüche an die energetische Sanierung stelle, müsse er die Sozialwohnungen eben subventionieren, sagt Ulrich Wecker.

„Unsere Unternehmen brauchen Platz für Expansion“

Nach der eleganten Abwälzung des Sozialwohnungsproblems-Problems auf den Steuerzahler versichert Klaus Lang: „Unser Verein ist keine reine Interessenvertretung. Wir haben durchaus das Gesamtinteresse der Stadt im Blick, weil unsere Mitglieder an einem guten Verhältnis mit ihren Mietern interessiert sind und nicht den letzten Euro aus ihnen herauspressen wollen. Vor vereinzelten Schwarzen Schafen ist man allerdings nicht gefeit.“

Auch die Wirtschaft in der Wachstumsregion müsse von der Stadt gepflegt werden. Lang: „Unsere Unternehmen brauchen Platz für Expansion.“ Weil jedoch auch die Stuttgarter Markung keinen unbegrenzten Platz biete, klappe dies nicht in jedem Fall. Dies wird etwa am Umzug der Deutschland-Zentrale des Rüstungskonzerns Thales im kommenden Jahr von Stuttgart nach Ditzingen deutlich: Die Firma hatte hier kein ausreichend großes Grundstück gefunden.

Mit mehr als 600 Besuchern beim Tag der offenen Tür sind Lang und Wecker zufrieden; das Interesse an Immobilienthemen lasse nicht nach.

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