Betriebsleiter Michael van den Borg hat die Richtlinien der Haus- und Badeordnung in acht Sprachen ausgedruckt und im Gang zum Umkleidebereich ausgehängt. Foto: Claudia Barner

Stammgäste des Hallenbads drohen mit Abwanderung. Betriebsleiter van den Borg hat keine Bedenken gegen ungewöhnliche Badebekleidung. Er setzt auf ein Miteinander.

Waldenbuch/Filderstadt - Noch ist die Flüchtlingsunterkunft neben dem Waldenbucher Hallenbad nicht bezogen, schon gehen unter den Schwimmern die emotionalen Wogen hoch. „Unsere Besucher reagieren extrem empfindlich. Es vergeht kein Tag, ohne dass Sorgen über die kulturellen Unterschiede und mögliche Probleme an das Bäderteam herangetragen werden“, berichtete Betriebsleiter Michael van den Borg am Dienstagabend vor dem Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Einige Gäste hätten bereits mit dem Boykott des Hallenbads gedroht, wenn dieses von Flüchtlingen in Burkinis genutzt werde.

Van den Borg steckt in der Zwickmühle. „Einerseits wollen wir unsere Stammgäste nicht verlieren, andererseits sind wir ein öffentliches Bad, zu dem jeder Zugang hat, der sich an die Regeln hält“, sagt er. Die wichtigsten Richtlinien der Waldenbucher Haus- und Badeordnung umfassen elf Punkte, die der Betriebsleiter gerahmt und in acht Sprachen an die Wand im Flur zum Umkleidebereich gehängt hat. Auf Deutsch, Englisch, Französisch, Albanisch, Russisch, Türkisch, Farsi und Arabisch kann man dort nachlesen, dass Rücksicht auf andere Badegäste genommen werden muss, Frauen und Männern mit Respekt zu begegnen ist und die Benutzung des Beckens nur in Badebekleidung erlaubt ist.

Burkinis sind die Ausnahme

Detaillierter sind die Vorgaben nicht, so dass van den Borg auf seine eigene Einschätzung angewiesen ist, wenn ein Badegast im Burkini seine Bahnen ziehen möchte. Der Ganzkörper-Anzug mit integrierter Haube ermöglicht muslimischen Mädchen und Frauen die Teilnahme am öffentlichen Schwimmbetrieb. Noch ist sein Anblick in Waldenbuch die Ausnahme. „Wir hatten eine Burkini-Trägerin im Sommer. Sie war vom Fildorado in Bonlanden abgewiesen worden und hat gefragt, ob sie bei uns baden gehen kann“, erzählt van den Borg.

Bei Fildorado-Geschäftsführer Felix Schneider ist von der Abfuhr für die Muslimin nichts bekannt. „Bei uns gibt es kein Burkini-Verbot“, versichert er. Es komme aber auf den Einzelfall an. Die Hausordnung sehe vor, dass in den jeweiligen Bereichen geeignete Badekleidung getragen werden müsse. Bei Schwimmburkas alter Machart habe die Gefahr bestanden, dass sie sich im Becken verfangen. Neue Modelle würden Neoprenanzügen ähneln und stellten kein Sicherheitsrisiko mehr dar. Sie seien auch im Fildorado-Onlineshop erhältlich. „Wir setzen auf das Miteinander“, bekräftigt Schneider.

Rathaus will nicht mit Verboten vorpreschen

Damit liegt er mit Michael van den Borg auf einer Wellenlänge. Der Waldenbucher Schwimmbad-Chef reagiert besonnen auf Kritik und wirbt um Verständnis. „Wir müssen das miteinander schaffen. Wenn wir gleich Mauern hochziehen, kommen wir nicht weiter“, sagt er. Aus seiner persönlichen Meinung machte der Betriebsleiter auch vor dem Ratsgremium keinen Hehl und stellte fest: „Ich finde am Burkini nichts Anstößiges. Wir haben auch Besucher, die kommen im Neoprenanzug oder tragen Badehaube. Die DLRG trainiert in Baumwoll-Anzügen.“

Auch im Waldenbucher Rathaus will man nicht mit Verboten vorpreschen. „Wir setzen auf Information“, betont der Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr. In den Flüchtlingsunterkünften würden deshalb Informationsbroschüren zur Nutzung des Bades ausgelegt. Beim Thema Badekleidung, sehe man momentan keinen Grund zu handeln. „Da stellt sich doch die Frage, wo fängt man an und wo hört man auf“, sagte der Verwaltungsexperte.

Bäderchef will für Ordnung sorgen

Ruhe bewahren, aufklären und handeln, wenn es tatsächlich Probleme gibt, lautet auch die Strategie im Hinblick auf eine Sorge, die von Anwohnern des Waldenbucher Bades bereits mehrfach geäußert worden ist. Sie befürchten, dass männliche Flüchtlinge die Aussicht auf badende Mädchen und Frauen durch die Panoramascheibe des Hallenbads allzu intensiv genießen könnten. Michael van den Borg rät hier ebenfalls zur Besonnenheit. „Wenn das passiert, kann man sich darauf verlassen, dass ich die betreffenden Personen in ihre Schranken weise und vor unserem Hallenbad für Ordnung sorge“, versichert er.

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