Robert Habeck hat die Grünen in die Erfolgsspur gebracht. Foto: dpa

Angela Merkel hat er jetzt auch noch überholt: Der Covorsitzende der Grünen, Robert Habeck, ist dem ZDF-Politbarometer zufolge der beliebteste Politiker Deutschlands. Dies dürfte beim Parteikonvent in Berlin für besonders gute Laune sorgen.

Stuttgart - Die Grünen haben Grund zum Feiern – speziell in Baden-Württtemberg, wo sie nach der aktuellen Umfrage unserer Zeitung und des SWR ihren Vorsprung vor der CDU ausbauen. Auch im Bund hält das Stimmungshoch an. An diesem Freitag treffen sie sich zum Parteikonvent in Berlin, um über das neue Grundsatzprogramm zu diskutieren – und nebenbei feiern sie noch 40-jähriges Bestehen.

Seit den Anfangszeiten von Turnschuh-Fischer oder RAF-Anwalt Schily hat sich vieles verändert – vor allem sind die Grünen heute populär wie nie. Davon profitiert ausgerechnet einer, der eher wie eine Leisetreter daherkommt: Robert Habeck ist mittlerweile der beliebteste Politiker Deutschlands, wenn man das aktuelle ZDF-Politbarometer als Maßstab nimmt.

Demnach hat sich der Covorsitzende der Grünen (neben Annalena Baerbock) auf den gar nicht mehr so unrealistisch erscheinenden Weg ins Kanzleramt begeben. Er hat die amtierende Regierungschefin Angela Merkel (CDU) überholt und Außenminister Heiko Maas (SPD), Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sowie CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf der unlängst neu zusammengestellten Liste der zehn wichtigsten Politiker klar abgehängt.

Kein Imageverlust durch Ausstieg bei Twitter und Facebook

Der 49-Jährige Habeck gehört ohnehin nicht zu den medial offensivsten Politikern der Republik. Erst recht bemerkenswert ist, dass ihm seine Abstinenz von den sozialen Medien nicht geschadet hat. Anfang Januar hatte er angekündigt, seine Accounts bei Twitter und Facebook zu löschen. Das muss man sich erst einmal trauen als Politiker. Vorausgegangen waren zwei Fauxpas auf dem Kurznachrichtendienst: Mit schiefen Äußerungen hatte er auch seine wahlkämpfenden Parteifreunde in Bayern gegen sich aufgebracht. Also stieg er aus, um sich selbst vor unnötiger Polemik und Zuspitzung zu schützen. Twitter bewertete er sogar als ein „Instrument der Spaltung“.

Besonders populär ist der oft haarzauselige und bartstoppelige Robert Habeck bei den Frauen – auch weil er auftritt wie ein politischer Softie. Er gibt sich nachdenklich und philosophisch. Mit weicher Stimme und ohne Aggression redet er zwar in Talkshows gern und viel – tut dabei aber so, als käme er nie zu Wort. Gleichwohl lässt er auch andere Meinungen gelten. Symptomatisch für ihn, wie er jüngst in Bautzen für einen offenen Dialog eintrat, um Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu überwinden. Demokratischer Diskurs bedeutet nicht, „dass alle gleich einer Meinung sein müssten".

Wie surft man dauerhaft auf der Erfolgswelle?

Die Anfangserfolge zu bestätigen und dauerhaft auf der Erfolgswelle zu surfen, dürfte für das Chefduo die noch größere Herausforderung sein. Ob dies gelingt, wird auch vom Grundsatzprogramm abhängen. Seit Monaten ist es in Arbeit, erst in eineinhalb Jahren könnte es fertiggestellt sein. Der jetzige Stand unter dem Titel „Veränderung in Zuversicht“ soll Grundlage für die weitere Diskussion mit der Basis sein. Habeck betont schon mal, die Grünen müssten „handlungsfähig werden für die Zeit nach den Volksparteien“.

Dass die Ökopartei jetzt ihr 40-Jähriges Jubiläum feiert, ist nicht so selbstverständlich: Mitte März 1979 hatten diverse Initiativen zur Europawahl das Listenbündnis „Die Grünen“ ins Leben gerufen. Die Bundespartei wurde erst am 12./13. Januar 1980 in Karlsruhe gegründet. Im März des Jahres kamen sie bei ihren ersten Landtagswahlen in Baden-Württemberg auf 5,3 Prozent. Und heute? Da sagt die jüngste Umfrage einen Wert von 32 Prozent voraus.

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