Lotto-Chef in Baden-Württemberg: Georg Wacker. Foto: dpa/Marijan Murat

Wer im Lotto gewinnen will, muss für seine Kreuzchen auf dem Spielschein zukünftig mehr Geld ausgeben. Ab Mitte September 2020 wird das Spiel 6 aus 49 teurer.

Stuttgart - Es ist der geflügelte Spruch aller Glückspilze: „Das ist ja wie ein Sechser im Lotto!“ Doch für viele Gewinner führt der besagte Lotto-Sechser in Wirklichkeit nicht mehr auf direktem Weg zur unerwarteten Million. Denn wer auf seinem Spielschein zwar genügend richtige Kreuzchen, nicht aber die korrekte Superzahl hat, bekommt momentan rund 570.000 Euro ausbezahlt. Und obwohl das unbestreitbar eine Summe ist, über die man sich freuen kann – das Bild des strahlenden Glücksspiel-Millionärs stört diese Quote doch erheblich.

Genau das will die staatliche Toto-Lotto-GmbH jetzt ändern: Ab Mitte September sollen die Ausschüttungsquoten im Spiel 6 aus 49 so angepasst werden, dass in den meisten Gewinnklassen mehr zu holen ist. Besonders Spieler mit sechs Richtigen sollen wieder eine Million bekommen – auch ohne Superzahl. Zudem soll der Jackpot schneller in die zweistellige Millionenhöhe klettern. Bisher muss er spätestens nach 13 Wochen geleert werden. Diese Regelung wird abgeschafft.

Wer im Spiel 6 aus 49 gewinnen will, muss zukünftig mehr zahlen

Mehr Geld für alle also? Nicht ganz. Denn um die steigenden Gewinne zu finanzieren, erhöht die Toto-Lotto-GmbH auch die Preise im Spiel 6 aus 49. Ab Mitte September wird ein Tipp, also eines der Spielfelder auf dem Lottoschein, deutschlandweit statt einem Euro 1,20 Euro kosten – ein Preisanstieg von 20 Prozent. „Diese Preiserhöhung ist unausweichlich“, sagte Georg Wacker, Geschäftsführer der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, am Mittwoch in Stuttgart. Die rechnerischen Chancen auf einen Gewinn im Spiel 6 aus 49 bleiben übrigens trotzdem gleich.

Bisher erwirtschaftete das Spiel 6 aus 49 rund die Hälfte des Jahresumsatzes im Südwesten. 2019 betrug dieser rund 978 Millionen Euro, 0,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dass gerade das klassische Lottospiel eine solche Preissteigerung erfährt, könnte damit zu tun haben, dass hier ein Großteil der Stammkundschaft sitzt – zahlungswillige Kunden, die weit eher an der Gewohnheit ihres Lottoscheins festhalten dürften als andere.

Illegale Konkurrenten stellen staatliche Anbieter vor Probleme

„Online zum Beispiel haben wir eine ganz andere Zielgruppe“, sagt Wacker. „Hier wollen wir vor allem neue Kunden gewinnen.“ Dennoch haben im Internet momentan kommerzielle und illegale Anbieter die Nase vorn. Den staatlichen Anbietern machen sie ganz besonders zu schaffen. Mit unbegrenztem Zugang ohne ein Limit für Spieleinsätze, in Online-Casinos und mit illegalen Internetwetten drängen sie auf den Markt und locken ihre Kunden mit der scheinbaren Chance auf den großen Gewinn. 23,4 Prozent habe der Umsatz der Illegalen 2019 am Volumen des bundesweiten Glücksspielmarktes betragen, so Wacker. Eine alarmierende Zahl, doch die Reglementierung gestaltet sich auf staatlicher Seite schwierig.

„Zum einen haben viele der Unternehmen ihren Sitz in Malta oder Gibraltar“, erklärt Wacker. Außerdem gebe es in den staatlichen Aufsichtsstellen oft zu wenig Personal und Geld. Hier müsse die Politik aktiv werden. Um zukunftsfähig zu sein, brauche man deshalb ein klares Regelwerk, sagt Wacker mit Blick auf die Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags, die 2021 in Kraft treten soll. Dabei handelt es sich um einen Vertrag, der den Rahmen für staatliches Glücksspiel gibt. „Wir brauchen einen kontrollierbaren Glücksspielmarkt, strenge Kontrolle und stärkere Aufsichten“, so Wacker. Mehr Durchsetzungskraft beim Vollzug der Gesetze im Online-Bereich verspricht sich der Lotto-Chef außerdem von einer länderübergreifenden Aufsichtsbehörde, die ebenfalls Teil des neuen Vertrags sein könnte.

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