Die künstlerische Darstellung zeigt die Raumsonde „Cassini“ im Vorbeiflug am Saturn. Foto: NASA/JPL

Nach über 20 Jahren wird die Sonde absichtlich in den Saturn gelenkt, um dort zu verglühen. Wissenschaftler hoffen auf letzte, wegweisende Informationen.

Pasadena - Die Raumsonde „Cassini“ soll rund 20 Jahre nach ihrem Start kontrolliert in den Saturn stürzen. Das „letzte Abtauchen“ ist nach Angaben der anerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa gegen 10.37 Uhr unserer Zeit geplant. Gegen 13.55 Uhr erwartete die Nasa via Radiowellen das letzte Signal von „Cassini“, bevor die 12 600 Kilogramm schwere Sonde wie ein Meteor auseinanderbricht und die Teile dann in der Atmosphäre verglühen. Bis zuletzt sollen mehrere wissenschaftliche Instrumente an Bord von „Cassini“ arbeiten und Daten zur Erde senden.

Bis ein Signal von Cassini auf der Erde ankommt, vergehen 86 Minuten. „Das letzte Signal der Sonde wird wie ein Echo sein“, sagte Nasa-Manager Earl Maize. „Es wird noch fast anderthalb Stunden durch das Weltall strahlen, nachdem „Cassini“ schon Geschichte ist. Aber auch wenn wir wissen, dass „Cassini“ sein Schicksal schon erlebt hat, wird die Mission für uns auf der Erde nicht vorbei sein, bis wir das Signal nicht bekommen haben.“

Ab 13 Uhr überträgt die Nasa im Livestream die ersten Bilder:

„Cassini“ war 1997 gestartet und 2004 in der Umlaufbahn des Saturn angekommen. Zum Abschluss der Mission war sie 22 Mal zwischen dem Planeten und seinen Ringen hindurchgetaucht - eine Region, in der zuvor noch nie eine Sonde war. An der rund 3,2 Milliarden Dollar teuren Mission sind Tausende Mitarbeiter aus 17 Ländern beteiligt.

Die Chronologie von „Cassini“

Oktober 1997 - Die etwa 3,2 Milliarden US-Dollar teure amerikanisch-europäische Mission „Cassini-Huygens“ startet zum zweitgrößten Planeten des Sonnensystems.

Juli 2004 - „Cassini-Huygens“ erreicht die Umlaufbahn des Saturn und liefert spektakuläre Bilder. Erste von einer Reihe neuer Monde des Planeten werden entdeckt.

Januar 2005 - Die Sonde „Huygens“ der Europäischen Weltraumorganisation ESA landet nach der Trennung vom Mutterschiff auf dem größten Saturnmond Titan und erforscht die Atmosphäre und Oberfläche des Trabanten.

Juli 2005 - „Cassini“ findet auf dem kleinen Saturnmond Enceladus Anzeichen für aktive Eisvulkane. Das Raumfahrzeug entdeckt über dem Südpol eine riesige Wolke von Wasserdampf, der anscheinend aus verdunstendem Eis entsteht.

März 2006 - Die Sonde stößt überraschend auf Wasservorräte auf Enceladus, die wie Geysire explodieren.

März 2008 - „Cassini“ fliegt in nur 50 Kilometern an Enceladus vorbei und sendet spektakuläre Bilder von noch unerforschten Bereichen des Eismondes zur Erde.

März 2008 - US-Wissenschaftler haben nach einer Mitteilung der NASA Hinweise auf einen unterirdischen Ozean auf Titan gefunden. Sie werteten Radaraufnahmen aus, die „Cassini“ bei Vorbeiflügen zwischen Oktober 2005 und Mai 2007 gemacht hatte.

Dezember 2009 - Die Hinweise verdichten sich, dass es auf Titan mit Flüssigkeit gefüllte Seen gibt. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt schließen dies aus Spiegelungen, die sie entdeckt haben.

Dezember 2010 - Aufnahmen von der Oberfläche des Titan geben neue Hinweise auf Eisvulkane.

September 2015 - Unter dem Eispanzer von Enceladus schwappt ein globaler Ozean, schließen Forscher aus Beobachtungen der Raumsonde.

April 2017 - „Cassini“ absolviert erfolgreich ein erstes von 22 geplanten Manövern durch die Lücke zwischen Saturn und seinen Ringen - eine völlig unerforschte Zone.

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