Thomas Wiesbauer, hier am Montagnachmittag im Bürgeramt, holte für die Foto: factum

Auch in Bietigheim-Bissingen legen die Grünen kräftig zu – doch sie stoßen die CDU nicht vom Thron. Die SPD büßt zwei Gemeinderatssitze ein, stürzt aber nicht so ab wie andernorts. Und ein Bürgerbündnis zieht neu ins Gremium ein.

Bietigheim-Bissingen - Jede Menge Smileys statt Kreuzen waren auf einem Wahlzettel, der Wahlleiter Thomas Höfel am Sonntagabend unterkam – mal grinsten sie, mal streckten sie die Zunge heraus. So lustig wie den Emojis auf dem – als ungültig gewerteten – Stimmzettel war es am Montag, als um 18 Uhr die Ergebnisse der Kommunalwahl verkündet wurden, allerdings nicht allen Beteiligten zumute.

CDU und SPD müssen Federn lassen und geben jeweils zwei Gemeinderatssitze ab, wobei die CDU mit acht Vertretern im Rat immer noch die stärkste Partei ist. Die SPD liegt hingegen mit sechs Sitzen nun auf Platz vier: Vor sie hat sich die Grün-Alternative Liste (GAL) geschoben, die von fünf auf sieben Sitze zugelegt hat, und auch die Freien Wähler – sie haben ihre sieben Sitze gehalten – liegen vor den Sozialdemokraten. Die FDP holt sich einen dritten Gemeinderatssitz. Ganz neu ins Gremium geschafft hat es das Bündnis für mehr Mitwirkung und Demokratie (BMD) mit einem Sitz. An der Kommunalwahl beteiligt haben sich 18 907 von 34 022 Wahlberechtigten, also knapp 56 Prozent.

„Nicht herumgeeiert“

„Wir freuen uns riesig über das gute Ergebnis“, sagt die GAL-Stimmenkönigin Traute Theurer (8967 Stimmen). Aus der Europawahl einen Trend herleiten zu wollen, kommt ihr zu verwegen vor: „Ich hätte keine Prognose abgeben wollen. Bietigheim war immer ein bisschen besonders“, meint sie. „Ich habe mich dann aber gerne von den Tatsachen überraschen lassen.“ Auch wenn sie nicht mit Stuttgarter oder Karlsruher Resultaten mithalten könne, sei die GAL überaus zufrieden. „Wir haben uns klar positioniert und sind nicht herumgeeiert.“ Das sei honoriert worden. Das Top-Thema Verkehr mit der Forderung nach einem starken, preiswerten ÖPNV oder der Kampf gegen weitere Gewerbegebiete auf der grünen Wiese – diesen Zielen könne mit mehr Gemeinderatssitzen nun auch mehr Nachdruck verliehen werden.

Hauchdünne Mehrheit

„Es zeigt sich immer wieder, dass es unwichtiger wird, auf kommunaler Ebene Wahlkampf zu machen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Wiesbauer. Die Wähler orientierten sich offensichtlich an den überregionalen Trends, wofür die Gemeinderatsarbeit vor Ort nicht unbedingt ins Gewicht falle. „Natürlich können wir mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden sein“, sagt Wiesbauer, der selbst satte 12 452 Stimmen sammelte und nur von seinem Fraktionskollegen Claus Stöckle (13 259 Stimmen) überholt wurde. von. Nur eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz hat die CDU jetzt noch, zwei Mandate hat sie verloren. „Trotzdem werden wir weiterhin versuchen, Themen zu setzen und führend zu begleiten“, erklärt der Fraktionschef. „Mobilität, Wohnen und Bildung stehen dabei ganz vorne.“

„Die allerschlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetroffen“

Der Sozialdemokrat Thomas Reusch-Frey kann sich zwar über seine überragenden 12 036 Stimmen freuen, sonst aber über wenig. „Auch wenn die allerschlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind, haben wir natürlich unser Ziel, die acht Sitze zu halten, nicht erreicht“, bedauert er. Dass noch dazu mit Volker Müller, Heinrich Heyes und Kai Emmert drei profilierte Stadträte nicht mehr angetreten seien, habe zur gedämpften Stimmung ein Übriges getan. Themen wie der gebührenfreie Kindergarten seien nun sicher nicht leichter zu platzieren.

Zu den besonders erfolgreichen Kandidaten in Bietigheim-Bissingen gehört auch Vassilios Amanatidis: Der Freie-Wähler-Vertreter holte 12 280 Stimmen und ist damit der erfolgreichste Kandidat der Vereinigung. Die Bietigheim-Bissinger Ergebnisse der Kreistagswahl standen bereits um kurz vor 14 Uhr fest. Zumindest bei dieser Wahl gab es etwas Balsam auf die Seele der Sozialdemokraten: Ihr Spitzenkandidat, der Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD), erhielt 10 412 Stimmen und damit bei Weitem die meisten Bietigheim-Bissinger Stimmen überhaupt.

Eine reichlich kurze Nacht

Um die vier Wahlen bewältigt zu bekommen, haben 520 Helfer mit angepackt, drei Viertel davon Beschäftigte der Verwaltung, der Rest engagierte Bürger. „Europa-, Regional-, Kreistags- und Gemeinderatswahl auf einmal, das ist so ziemlich das Heftigste, was man abbekommen kann“, meint Thomas Höfel abgekämpft. Wie viele Wahlhelfer hat er eine reichlich kurze Nacht gehabt.

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