Galerienhaus Stuttgart: Horst Merkle hört auf „Ich will noch einmal aufbrechen“

Von Nikolai B. Forstbauer 

Engagierter Kunstvermittler mit neuen Zielen: Horst Merkle Foto: Galerie Merkle
Engagierter Kunstvermittler mit neuen Zielen: Horst Merkle Foto: Galerie Merkle

Als Vorzeigeprojekt gestartet, konnte das Galerienhaus Stuttgart in jüngerer Zeit kaum mehr Akzente setzen. Jetzt geht Mitbegründer Horst Merkle. Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, wie es weiter geht.

Stuttgart - „Der Kunststandort Stuttgart ist besser als sein Ruf“, sagten die Galeristen Thomas Fuchs und Kay Kromeier (Schlichtenmaier) im Herbst 2017 unserer Zeitung. Gemeinsam mit den Galeristen-Kolleginnen und -Kollegen ­bemühten sich Fuchs und ­Kromeier, ­wesentlich Organisatoren des Galerien­wochenendes Art Alarm, um ­Normalität.

Stuttgarts Galerieszene im Wandel

Die Bilanz sah ja 2017 auch nicht sonderlich gut aus: die Galerien Franke und Anja Rumig geschlossen, die Galerien Klaus ­Gerrit Friese (nach Berlin) und Sandro ­Parrotta (nach Köln) abgewandert – eine Negativspirale, die sich 2018 mit dem Abschied ­Rainer Wehrs von der Galeristenbühne noch einmal bestätigte.

Horst Merkles letzte Schau im Galerienhaus startet am 9. November

Und nun? Lädt Horst Merkle „am 9. November zur letzten Ausstellungseröffnung meiner Galerie im Galerienhaus Stuttgart“. Merkle aber, Freund eher leiser Kunsttöne (etwa der ­weithin unterschätzten Bildwelt von Ulrike Kirbach), bekannt als Spezialist für Kunst auf Papier und immer wieder auch als ­Herausgeber von Originalgrafiken hervorgetreten, will nicht Teil einer Negativentwicklung sein. „Ich will noch einmal auf­brechen“, sagt er, „ich bin jetzt 61, und wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?“

„Die Galeriearbeit geht weiter“

Wird also die Galerie Horst Merkle mit Künstlerpositionen etwa von Rolf Urban und Gert Wiedmaier weiter Teil der Stuttgarter Kunstlandschaft sein? „Die Galeriearbeit geht weiter“, sagt Merkle. Im Herbst 2019 will er auch mit eigener Galerie-Adresse zurück sein. Und bis dahin? „Ganz klassisch“, lacht Merkle – „Aufarbeiten, Bestände sichten, jetzt schon feststehende Ausstellungen von Künstlerinnen und Künstlern in öffentlichen Ausstellungsräumen betreuen und vieles mehr.“

Er gehe „aufrecht“, sagt Merkle – und fast scheint es dieser Tage, als sei mit der Ge­wissheit des Finales in der Breitscheidstraße 48 eine Last von dem engagierten Kunstvermittler abgefallen.

Einzig Marko Schacher bleibt mit seinem „Raum für Kunst“

Wie aber wird es im Galerienhaus weitergehen? Auch Andreas Kerstan, seit seinem Einzug 2016 im Grunde nie wirklich angekommen, wird zum Jahresende aus- und weiterziehen. Bleiben wird Marko Schacher. 2011 in das 2005 gegründete Galerienhaus gezogen, versteht Schacher seine 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf der 700 Quadratmeter ­großen Kunstetage als Möglichkeit, als Ort des Dialogs über Kunst. „Schacher – Raum für Kunst“ nennt Marko Schacher diesen Ort. Und er ist sich sicher, dass gerade dieser Gedanke das Galerienhaus künftig noch stärker prägen wird.

Neustart im Galerienhaus am 25. Januar 2019

Spürbar werden soll dies, wenn das Galerienhaus am 25. Januar 2019 zur Dreifach­eröffnung einlädt – und der Fotografie als künstlerische Äußerungsform einen neuen ständigen Ort in Stuttgart bietet.

Hartmann Projects zieht in Horst Merkles Räume

Möglich machen dies Angelika Hartmann und Markus Hartmann. Sie ziehen mit ­Hartmann Projects in das Galerienhaus – und ­bestätigen auch damit den stetigen ­Aufstieg des erst 2014 gegründeten Unternehmens. Vorrangig Spezialverlag für ­Fotografie und Kunst mit Fotografie, ist Hartmann Projects seit der Gründung ­immer wieder auch durch die Organisation von Ausstellungen und ­Veranstaltungen hervor­getreten.

Marko Schacher: „Ich sehe das als Experiment“

Der Galerienhaus-Kurs? „Er geht schon weg von der klassischen Galerie“, sagt der Galerist Marko Schacher – und er ergänzt folgenden Satz: „Ich sehe das als ­Experiment und freue mich jetzt einfach auf die Zusammenarbeit.“

Angelika und Markus Hartmann kennen das Galerienhaus bereits, haben im Sommer in Marko Schachers Räumen die Schau ­„Bittersweet Bird of Youth“ mit Werken von Ute und Werner Mahler, Tom Hunter, ­Ingar Krauss und ­Loredana Nemes präsentiert. Nun wollen die Hartmanns aus dem Gastspiel ein Festengagement machen – in den frei werdenden Räumen von Horst Merkle.

Jürgen Palmer komplettiert das Galerienhaus-Trio

Im Januar 2019 wird zwangsläufig noch viel an eine Baustelle erinnern – und unter der Überschrift „Baustelle“ wird denn wohl auch der erste gemeinsame Eröffnungsabend der neuen Galerienhaus-Crew stehen. Zu dieser wird dann – in den jetzigen ­Räumen von Andreas Kerstan – auch Jürgen Palmer gehören. Im Galerienhaus bisher schon durch Werke in der Galerie von Marko Schacher vertreten, will der auf fast allen Kunstfeldern tätige und zudem als Grafiker und Web-Designer aktive Palmer wie die Hartmanns Büro, Produktion und Präsen­tation an einem Ort verbinden. „Ich freue mich auf neuen Schwung“, sagt der Galerist Marko Schacher.

„Ich komme wieder“, sagt Horst Merkle

Und Horst Merkle, der doch 2019 selbst noch einmal aufbrechen will? „Das ist sicher eine spannende Konstellation“, sagt er – und verspricht für seinen eigenen Weg: „Ich komme wieder.“

Info – Der Weg von Angelika und Markus Hartmann

Sie war beim Start der Marco-Polo-Reiseführer dabei, er als Hatje Cantz sich einen Namen im internationalen Kunstbuchgeschäft machte. Seit 2015 machen Angelika Hartmann und Markus Hartmann ihr „eigenes Ding“ – und erarbeiten (seit 2016 mit Nadine Engler und dem Verlag Hartmann Books) Ausstellungskonzepte und „Bücher, die uns wirklich interessieren, die wir wichtig für Gegenwart und Zukunft halten“.

Hartmann Projects heißt das Unternehmen. Das Selbstverständnis? „Wir vertreten Künstlerinnen und Künstler, national und international, arbeiten dabei mit Institutionen, Galerien, Sammlern, Verlagen und Medien zusammen. Wir suchen Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten uns überzeugen, die für die Themen der Zeit Relevanz haben, und zeigen ihre Bilder in öffentlichen und privaten Ausstellungen und in Büchern.“

Als (erfolgreicher) Test für die Hartmann-Bühne Galerienhaus kann die Schau „BitterSsweet Bird of Youth“ im Sommer gelten. Zu sehen waren fotografische Arbeiten von Tom Hunter, Ingar Krauss, Ute Mahler und Werner Mahler sowie Loredana Nemes. Am 25. Januar 2019 hebt sich im Galerienhaus Stuttgart erstmals der Vorhang für den neuen Hartmann-Projects-Sitz.

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