Bei Schachers im Galerienhaus Stuttgart: Arbeiten von Uli Gsell Foto: Marko Schacher/Schacher

Das Beste kommt zum Schluss: Mit einem fulminanten Auftritt des Bildhauers Uli Gsell beenden Katrin und Marko Schacher ihre Ausstellungsarbeit im Galerienhaus Stuttgart.

Der Stein steht für sich, lebt für sich – und hält doch Zwiesprache. Der Stein ist einer und doch viele. Der Stein weiß von sich und hält doch nichts von bloßem Wissen. Der Stein weiß, was kommt, und wird doch völlig überrascht. Es ist ein Stein von Uli Gsell, einer von Vielen im Ausstellungsraum von Katrin und Marko Schacher im Galerienhaus Stuttgart (Breitscheidstraße 48). Es ist ein Stein, der sich für sich wie im Dialog mit den Vielen zur Ausstellung formiert – zu einer großartigen Ausstellung (bis zum 22. 12., Di bis Fr 14 bis 19, Sa 11 bis 16 Uhr) und zu einem fulminanten Schacher-Finale nach 78 Ausstellungen im Galerienhaus. Der Stein steht für sich und wird doch zum Versprechen auf solche Konzentration von Januar 2024 an am neuen Galeriestandort in der Blumenstraße 15.

 

Unverkennbar: Werk von Uli Gsell Foto: KS/Katrin Schacher

Hier erhebt sich etwas, dort bleibt etwas stehen, da wiederum glänzt die polierte Fläche und dort stürzt der Blick in roh gehaltene Tiefen. Uli Gsell, 1967 geboren, bietet mit dieser Präsentation buchstäblich in Gänze – und damit bekommt ein Satz von Petra Olschowski neue Bedeutung. Heute Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, formuliert Olschowski in ihrer Zeit als Rektorin der Kunstakademie Stuttgart über das Werk des früheren Studenten von Karl Henning Seemann, Robert Schad, Josef Nadj und Micha Ullman: „Im Stein selbst, wie Uli Gsell ihn verwendet, begegnen wir nicht nur einem Stück Naturwirklichkeit im Kunstkontext, sondern auch einem Zeugnis von ,Urmaterie’, also von Geschichte. Und der künstlerische Eingriff ist nicht nur Auseinandersetzung und Kommentar, sondern auch Ausdruck eines aktuellen zeitlichen Moments.“

Architektur wird Form Foto: Marko Schacher/Marko Schacher

Gerade Letzteres wird in dieser Ausstellung überdeutlich. Ausgelöst von einem Stein, von jedem Stein, gerät man in ein Gewitter des unbedingten Jetzt! – der Stein hat nur diesen einen Moment der Entscheidung, ein Kunstwerk zu sein, und Uli Gsell kantet, bohrt, poliert und ritzt, wie es nur einer kann, der sich außerhalb aller Kunstdiskurse weiß, aber inmitten der Kunst selbst.

Uli Gsell bei Schachers Foto: KS/Katrin Schacher

In „Häuser, Türme, Schädel, Landshape, Kiesel und Reliefe“ teilt Uli Gsell selbst seine Arbeiten, doch die Übergänge sind fließend. Und wenn Petra Mostbacher-Dix schon 1998 notiert: „Uli Gsells Arbeiten sind wie Architekturen. Sie bieten Eingänge, Ausgänge, Durchblicke, Lichtkanäle und verdeckte Schächte. Ihr Innenleben wird angerissen ohne das Innerste gänzlich bloßzulegen oder die vorhandene Existenz des Außenlebens zu zerstören.“, sind genau diese Übergänge offengelegt.

Cinyi Joh sucht den Dialog mit den Werken von Uli Gsell Foto: Katrin Schacher/Katrin Schacher

Uli Gsells Steinen ist bei Schachers die Malerei von Cinyi Joh zur Seite gestellt. Auf ausdrücklichen Wunsch des Bildhauers, wie Marko Schacher betont. Die beiden Kunstwelten aber begegnen sich nicht wirklich. Die Steine – ja, sie stehen für sich. Und wie!

Uli Gsell – Gratwanderungen: Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus, Breitscheidstraße 48. Bis 22. Dez., Di bis Fr 14 -19, Sa 11-16 Uhr