Das Foto vom Mai 2008 zeigt tote Bienen, die einem rätselhaften Massensterben im Rheintal zum Opfer gefallen werden. Heute weiß man: Die normalerweise gegen den Schädling Maisbohrer eingesetzten Neonikotinoide waren für das Bienensterben mitverantwortlich. Foto: dpa

Nach jahrelangem Streit wird der Einsatz unter freiem Himmel von drei bienenschädlichen Insektengiften, sogenannten Neonikotinoiden, nun europaweit verboten. Das ist gut für die Bienen und die Menschen, meint unser Kommentator.

Stuttgart - „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los“, ruft der Zauberlehrling verzweifelt. In Johann Wolfgang von Goethes Ballade probiert der Stift einen Zauberspruch des Meisters aus. Im wirklichen Leben experimentiert der Mensch hingegen mit gefährlichen Giften wie DDT und Neonikotinoiden. Beides geht gründlich schief.

Gefährlich wie DDT

Seit 1972 darf das Insektizid in Europa nicht mehr angewendet werden. Ähnlich wie die jetzt durch die Europäische Union für die Verwendung im Freiland verbotenen drei Neonikotinoide wirkt DDT als Fraß und Kontaktgift. Es schädigt massiv die Nervenzellen von Insekten – und Wirbeltieren. Die beiden Schadstoffe haben aber noch mehr gemeinsam: Zum Beispiel, dass sie auch viele Jahrzehnte nach dem letzten Versprühen im Boden gespeichert sind. Sie richten Unheil an, selbst wenn sie von Äckern und Wiesen verbannt sind.

Besser spät als nie

Dennoch: Besser spät als nie. Das Verbot der drei Neonikotinoid-Wirkstoffe ist – genauso wie das von DDT vor 46 Jahren – ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Umwelt. Doch dieser Schritt allein wird das rasante Artensterben bei Bienen und anderen Insekten nicht stoppen. Ihr massenhafter Tod hat verschiedene Gründe, der Mensch ist jedoch hauptverantwortlich dafür. Und wie der sich maßlos überschätzende Zauberlehrling in Goethes Prosa weiß er nicht, wie er den durch ihn angerichteten Schaden jemals wiedergutmachen soll.

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