Susanne Omran tritt seit knapp zehn Jahren in Filderstadt für die Chancengleichheit ein. Foto: Archiv/Robin Rudel

Die Städte Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt liegen in unmittelbarer Nachbarschaft und gehen doch mit dem Thema Gleichberechtigung ganz unterschiedlich um. Warum eigentlich?

Die Städte Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt liegen in unmittelbarer Nachbarschaft – doch der Umgang mit dem Thema Gleichberechtigung könnte nicht unterschiedlicher sein. Filderstadt hat eine lange Tradition, was dieses Thema betrifft. Edeltraud Herrmann ist dort im Jahr 1988 als eine der ersten Frauenbeauftragten von Baden-Württemberg angetreten. CDU-Stadträtin Hannelore Löhr – damals die einzige Frau im Gemeinderat – und ihre Fraktion hatten die Stelle gemeinsam mit den Grünen beantragt. 26 Jahre später ist die erste Filderstädter Gleichstellungsbeauftragte in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin Susanne Omran ist mittlerweile auch schon seit fast zehn Jahren im Amt. Sie leitet das Referat für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit. Und sagt: „Ich verstehe mich als Referentin für Chancengleichheit.“ Dies eröffne die Chance, nicht nur in den Kategorien Frau und Mann zu denken.

 

In Filderstadt gibt es eine starke Sensibilisierung für die Gleichstellung, das zuständige Referat ist direkt beim Oberbürgermeister Christoph Traub angesiedelt. Ein Prozess des Gendermainstreaming wurde in der Verwaltung umgesetzt und „geschaut, wo Fallen von Nichtgleichheit oder Diskriminierung vorhanden sind“, erklärt Susanne Omran. Das Intranet wurde als E-Plattform für Gendermainstreaming aufgestellt. Filderstadt verfügt über eine recht neue Dienstvereinbarung zum Schutz vor sexueller Gewalt am Arbeitsplatz. Nicht zuletzt hat die Gleichstellungsbeauftragte mit Stadträtinnen ein Video aufgenommen, das dafür wirbt, dass mehr Frauen in die Politik gehen.

Auch Leinfelden-Echterdingen hat eine Frauenbeauftragte, wie Stadtsprecher Thomas Krämer sagt. Sie ist von den Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung gewählt worden. In der Öffentlichkeit ist die Beauftragte aber noch nie aufgetreten. Sie wirkt nach innen und nicht nach außen.

Auch bei der geschlechtssensiblen Sprache gehen die Nachbarkommunen unterschiedliche Wege. Filderstadt nutzt den Genderstern. Er wurde Anfang 2020 für sämtliche offizielle Unterlagen der Kommune eingeführt. Auch geschlechtsneutrale Formulierungen sind dort angesagt: Es ist von Beschäftigten statt Mitarbeitern die Rede; von Teamleitung statt Teamleiter.

Roland Klenk, bis vor kurzem Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, war es zwar wichtig, dass Frauen bei gleicher Arbeit gleichen Lohn beziehen. Den Genderstern oder auch andere Gender-Sonderzeichen hat er aber nicht für den Königsweg der Gleichberechtigung gehalten. Er redigierte diese konsequent aus allen Texten heraus, die auf seinem Schreibtisch landeten. Für die Beschäftigten der Stadt wurden Empfehlungen herausgegeben, wie man durch geschickte Verwendung der Sprache alle Geschlechter ansprechen kann.

Wird sich das unter dem neuen Rathauschef Otto Ruppaner ändern? Ruppaner bittet auf Nachfrage um Verständnis, dass er dazu und auch zu der Frage, welche Veranstaltungen in den kommenden Jahren es in Leinfelden-Echterdingen am 8. März, dem internationalen Frauentag, geben wird, an seinem dritten Arbeitstag noch nichts sagen kann.

Am diesjährigen Weltfrauentag bietet die Stadt Leinfelden-Echterdingen keinerlei Veranstaltungen an. In Filderstadt werden Rosen an alle Mitarbeiterinnen verteilt – als ein Zeichnen der Wertschätzung, wie Susanne Omran erklärt. Das Referat für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit hat diesen Tag auch zum Anlass genommen, in Kooperation mit dem städtischen Referat für Wirtschaft und Marketing, dem Frauenkolleg und der Kontaktstelle für Frauen und Beruf, Frauen dazu einzuladen zusammenzukommen, sich austauschen und dabei Kontakte zu knüpfen. „Die Idee dabei ist, langfristig ein Netzwerk von Frauen aufzubauen, die aus unterschiedlichen Branchen kommen“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Ein gut laufendes berufliches Netzwerk sei wichtig, um sich in Kontakt mit anderen Frauen zu bringen. „Aber auch um zu schauen, was die Einzelne macht und wie ich das für mein berufliches Umfeld nutzen kann.“ Die Veranstaltung findet aus organisatorischen Gründen am 14. März statt.

Ein gut laufendes Netzwerk hat Vorteile

Der internationale Frauentag am 8. März ist laut Omran auch in Deutschland weiter wichtig. Er mache deutlich, dass viele Punkte noch nicht in Ordnung seien. Beispielsweise, dass Frauen in Führungspositionen noch immer nicht so gut vertreten sind und dass bei einer Familiengründung auch gut qualifizierte Frauen in die „Familienfalle“ geraten können – auch weil die Kinderbetreuungssituation aktuell in einem desolaten Zustand sei. „Das sind alles nicht gute Strukturen für Frauen, um erfolgreich zu wirken.“ Gewalt gegen Frauen und Mädchen gebe es weiterhin. Ein Rollback in der Gesellschaft sei zu beobachten und politische Tendenzen, die sich gegen eine Emanzipation von Frauen richten. „Zu einer Demokratie gehört für mich auch eine Gleichberechtigung der Geschlechter“, sagt Susanne Omran.

Das Netzwerken lernen

Internationaler Frauentag
Der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag genannt – wird jährlich am 8. März begangen. Der Tag ist ein wichtiges Datum für Frauen auf der ganzen Welt. In nicht wenigen Staaten ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag.

Woman after Work
Anlässlich des Frauentags gibt es in Filderstadt die Veranstaltung „Woman after Work“ am 14. März . Frauen können sich dort austauschen und das Netzwerken lernen. Eine Teilnahme kostet 15 Euro. Eine Anmeldung ist noch möglich. Mehr Infos gibt es unter Telefon: 0711/7003-343 oder via E-Mail: chancengleichheit@filderstadt.de