Auf großformatigen Fotos können Spaziergänger einen Blick in jene Arbeiten von Wengertern werfen, die der Öffentlichkeit meist verborgen bleiben. Foto:  

Am Aussichtspunkt „Drei Riesen“ in Weinstadt wird zur Remstalgartenschau auf 42 großformatigen Fotos gezeigt, was Wengerter schaffen, wenn sie im Keller zu tun haben oder Schnee auf den Weinbergen liegt. Der Fotograf Gottfried Stoppel kennt viele von ihnen und hat sie über Jahre hinweg begleitet.

Weinstadt - Hochbetrieb in der Strümpfelbacher Kelter: mit Kettcars und Bobbycars schaffen die jüngsten unter den Wengertern ausgepresste Maische in kleinen Anhängern aus der Halle. Ja, mit Kettcars und Bobbycars, denn die Jüngsten sind die Kinder der Wengerter, die im Hintergrund schaffen. „Die spielen schon das, was sie später mal von Beruf machen werden“, sagt Gottfried Stoppel und lacht. Der Fotograf hat die Szenerie für die Ausstellung „Vom Rebstock ins Glas“ eingefangen. Sie ist jetzt anlässlich der Remstal-Gartenschau bei der Drei Riesen genannten Gruppe von Felsen am Weinstädter Schönbühl zu sehen.

Anderthalb Jahre Vorbereitung für die Ausstellung

„Besser charakterisieren kann man die Wengerter hier kaum. Das ganze Leben dreht sich um den Weinbau“, sagt der Designer Alexander Schlesinger, der die Idee zu der Ausstellung hatte und diese mit Gottfried Stoppel und dessen Frau Tina in den vergangenen Tagen aufgebaut hat. Vor anderthalb Jahren begann die Arbeit daran. „Wir haben ein Konzept verfasst und an die Stadt Weinstadt geschickt. Die Idee hinter der Ausstellung ist, zu zeigen, was die Besucher der Remstal-Gartenschau gerade nicht zu sehen bekommen. Die Arbeit in den Weinkellern und was im Winter passiert“, so Stoppel.

Dann ging es ans Fotografieren. Dazu hat sich der Fotograf immer und immer wieder auf Exkursionen in die Weinberge um Weinstadt aufgemacht. So hat er bei der Lese Helfer abgelichtet, die zum einen gespannt und gut gelaunt auf ihren Einsatz warten und zum anderen konzentriert und sorgfältig ihr Rebscherle ansetzen, um einen Trauben abzuschneiden.

Traubensaft wirkt wie Tierblut

Und Gottfried Stoppel ist in die Keller der Weingüter Ellwanger, Gold, Idler, Klopfer, Knauß, Kuhnle, Mannschreck und der Remstalkellerei gegangen, um die Arbeit zu zeigen, die auch viele Bewohner des Remstals auf diese Art nicht so oft zu Gesicht bekommen.

Dabei sind Aufnahmen entstanden, die man auf den ersten Blick nicht mit einer Weinkellerei in Verbindung bringt. Auf einem quillt eine rote Masse aus einem großen Edelstahlbehälter, unten trieft es wie Tierblut heraus. Was aussieht wie die Vorstufe zu einer Blut- oder Schwarzwurst ist Maische, die aus einem Edelstahltank geschaufelt wird. Das vermeintliche Blut ist der Saft aus den Trauben, die erst nach der kurzen Lagerung in den Tanks in die Presse kommen.

Ein Fotograf mit markanter Bildsprache

Es gibt aber auch vertraute Anblicke wie die Holzfässchen im Weinkeller, gespülte Probiergläser auf einem Trockengestell, und, was in den vergangenen Jahren eher selten war, verschneite Weinberge. Und zwar jene rund um den Ort, an dem die 42 großformatigen Bilder ausgestellt sind. Diese sind wetterfest im Alu-Dibond-Verfahren gedruckt.

Gottfried Stoppel ist Lesern der Stuttgarter Zeitung seit mehr als 20 Jahren als Pressefotograf bekannt. Seine Bildsprache lebt unter anderem davon, dass er selbst bei banalen Motiven das Besondere darin erkennt und zeigt. Der Leutkircher lebt seit vielen Jahren in Waiblingen und kennt die Arbeit der Wengerter sehr gut – einige der Remstäler Weingüter zählen zu seinen Kunden.

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