Italienische Rettungskräfte kehren nach dem Untergang eines Bootes im Mittelmeer an die italienische Küste zurück. Foto: AFP

Wieder hat sich im Mittelmeer eine Flüchtlingstragödie ereignet. Ein sizilianischer Bürgermeister schildert die tragische Rettung einer Dreijährigen, deren Mutter ertrank.

Rom - Ein Bootsunglück im Mittelmeer hat nach jüngsten UN-Angaben am Wochenende vermutlich 64 Flüchtlinge und Migranten das Leben gekostet. Die italienische Küstenwache hatte Stunden nach der Havarie des Schlauchboots vor Libyen 86 Menschen gerettet und die Leichen von acht Frauen geborgen. Das Boot hatte nach einem Einstich am Samstag Luft verloren.

Flavio Di Giacomo von der Internationalen Organisation für Flüchtlinge erklärte am Montag, nach Angaben Überlebender seien 150 Menschen an Bord des überfüllten Schlauchboots gewesen. 56 Vermisste seien wohl im Meer umgekommen.

Lesen Sie hier unsere Reportage über Flüchtlinge in Sizilien.

Der Bürgermeister von Catania auf Sizilien, wohin die Überlebenden gebracht wurden, berichtete von einem dreijährigen Mädchen, das seine Mutter verloren hat. „Sie wurde gerettet, in letzter Sekunde im Meer von der Küstenwache gepackt“, sagte Bürgermeister Enzo Bianco dem Rundfunksender Radicale. „Sie klammerte sich an ihre Mutter und sah sie ertrinken.“ Das Kind sei jetzt bei seiner Tante, die überlebte.

Boot soll in internationalen Gewässern gekentert sein

Ein Flugzeug der EU-Mission gegen Menschenschmuggel im Mittelmeer hatte das Boot am Samstagmorgen entdeckt. Bei der Rettungsaktion zogen speziell ausgebildete Taucher Dutzende Menschen in Sicherheit, teils aus dem bereits halb versunkenen Boot, teils aus dem kalten Wasser.

Hilfsorganisationen erklärten bereits kurz nach dem Einsatz, dass möglicherweise noch Dutzende Menschen vermisst würden. Bei einer Suchaktion der italienischen Küstenwache, die auch in der Nacht andauerte, wurden keine weiteren Überlebenden oder Toten gefunden.

Ein Sprecher der libyschen Marine sagte am Samstag, das Boot sei gekentert und in internationalen Gewässern gesunken. Es habe in Garbouli östlich der Hauptstadt Tripolis abgelegt.

Nach Zahlen der IOM kamen 2017 bei der Überfahrt über das Mittelmeer mehr als 3100 Migranten ums Leben. Tatsächlich liegt die Zahl vermutlich höher, da längst nicht alle Havarien bekannt wurden. Fast 119 000 Menschen wurden auf See gerettet und nach Italien gebracht.

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