Hochsommerliche Temperaturen locken derzeit viele Touristen und Einheimische an die Ostsee. Die meisten unterschätzen beim Bad im Meer die Gefahren durch Bakterieninfektionen. Foto: dpa

Ein Bad in der Ostsee kann wegen fleischfressender Bakterien vor allem für gesundheitlich angeschlagene Menschen gefährlich sein. In Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt eine ältere Frau an einer solchen Vibrionen-Infektion gestorben.

Rostock - Eine Urlauberin ist nach dem Baden in der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern an einer Vibrionen-Infektion gestorben. Das bestätigte eine Sprecherin des Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGus) der „Ostsee Zeitung“ in Rostock. Bei der Toten handele es sich demnach um eine ältere Frau, die zur Risikogruppe der immungeschwächten Personen gehörte.

Seit Juni wurden vier weitere Personen mit einer Infektion durch gesundheitsgefährdende Bakterien gemeldet. „Alle Betroffenen gehörten zu den bekannten Risikogruppen“, sagte Martina Littmann, Leiterin der Abteilung Gesundheit des Landesamtes. Im vergangenen Jahr registrierte die Behörde insgesamt 18 Erkrankungen, davon drei Sterbefälle.

Kontakt kann zu Wundinfektion und Blutvergiftung führen

Die Stäbchenbakterien der Art Vibrio vulnificus sind mit dem Choleraerreger verwandt und können schwere Wundinfektionen hervorrufen. Die auch als Killerbakterien und fleischfressende Bakterien bekannten Vibrionen vermehren sich stark bei anhaltenden Wassertemperaturen über 20 Grad. Vibrionen können über Hautverletzungen in den Körper eindringen und bei Menschen mit chronischen Grunderkrankungen und Älteren zu schweren Wundinfektionen und Sepsis (Blutvergiftung) führen.

Nach Angaben von Experten können bakterielle Wundinfektionen durch Vibrionen mit tiefgreifenden Nekrosen – also dem Absterben von Körperzellen und einzelnen Gliedern – einhergehen. Sehr schnell könnte sich eine Sepsis (Blutvergiftung) mit einer Besiedlung anderer Körperteile, Fieber und Schüttelfrost ausbilden.

Rasanten Krankheitsverlauf mit hoher Sterblichkeitsrate

„Die Infektion ist durch einen rasanten Verlauf mit hoher Sterblichkeitsrate gekennzeichnet“, warnte das Ministerium in einer Pressemitteilung. Entscheidend für die Prognose sei „die frühzeitige Einleitung einer adäquaten Antibiotika-Therapie“.

Vibrionen-Infektionen werden von Brechdurchfall, starken Leibschmerzen und Hautentzündungen begleitet. Die bekannteste Vibrionen-Art, „Vibrio cholerae“, ist Erreger der Cholera – einer schweren bakteriellen Infektionskrankheit vorwiegend des Dünndarms.

Weltweit verbreiteter Erreger

Nach Angaben von Experten könnte sich der Erreger aber aufgrund des geringen Salzgehalts und des Klimawandels an der Ostseeküste ausbreiten. Die Stäbchenbakterien kommen in weiten Teilen der Ostsee und anderen Regionen der Welt vor. Auch in Meerestieren wie Garnelen und Austern wurden die Erreger nachgewiesen. Allerdings seien nur sehr wenige Badegäste durch Vibrionen gefährdet, erklärte ein Ministeriumssprecher.

Gefährdet seien vor allem Personen mit bestimmten Grundrisiken wie chronischen Grundleiden (Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Diabetes mellitus), bestehender Immunschwäche (nach Transplantationen oder bei einer bestehenden HIV-Infektion) sowie Personen höheren Alters. „Wenn Badegäste zu diesen Risikogruppen gehören und Hautverletzungen vorhanden sind, sollte ein Kontakt mit Meer- oder Brackwasser unterbleiben.“

Behörde warnt vor erhöhtem Risiko in der Ostsee

In Deutschland sind seit 1993 wiederholt Einzelfälle von Wundinfektionen nach Kontakt mit Ostseewasser bekannt geworden. Eine Infektion ist allerdings sehr selten vor.

Seit Juni werden nach Angaben des Gesundheitsamtes Proben an der Ostseeküste und in den küstennahen Bodengewässern entnommen und auf Vibrionen geprüft. Bei einem erhöhten Risiko werden Badende gewarnt.

An der Ostsee kann es zudem örtlich zur Blaualgenblüte kommen und an seichten Uferstellen können vermehrt Larven von Saugwürmern leben. Diese könnten etwa juckende Stellen an der Haut auslösen. Ob eine Badestelle belastet sei, könne im Internet in Erfahrung gebracht werden.

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