Viele Wasserbegeisterte ahnen nicht, was alles in der Tiefe lauern kann. Also besser Obacht, bevor man sich kopfüber ins Vergnügen stürzt. Foto: dpa

Durch die extreme Hitze haben sich in Seen und im Meer Bakterien, Algen und Parasiten ausgebreitet. Auch gechlorte Schwimmbäder sind problematisch. Hier planscht man zwar nicht mit Vibrionen und Zerkarien, doch bei steigendender Temperatur und Gästezahl stinken sie oft zum Himmel.

Stuttgart - Es sollte ein fröhlicher Familienausflug werden, doch für Dave Bennett endete er tödlich. Der 66-Jährige hatte an der Küste von Florida im Meer gebadet und sich dabei mit Vibrionen infiziert. Diese Mikroorganismen haben sich in den letzten Jahren den Ruf als fleischfressende Bakterien erarbeitet, weil sie binnen Stunden zum Gewebetod in Haut, Unterhaut und Muskeln führen können. Und das taten sie auch bei Dave Bennett: Gerade mal 48 Stunden nach seinem Badetrip starb er in der Intensivstation eines Hospitals, kein Arzt und kein Antibiotikum hatte ihm mehr helfen können.

Florida ist weit weg, doch Vibrionen gibt es auch bei uns. Letztes Jahr starb ein 70-Jähriger nach einem Bad in der Ostsee an einer Infektion mit Vibrio vulnificus, zu dessen engen Verwandten der Erreger der Cholera gehört. Und auch für dieses Jahr werden für einige Badestellen am Strelasund in Mecklenburg-Vorpommern bereits erste Vibrionen-Belastungen gemeldet. Hauptursache dafür sind die derzeit extrem hohen Temperaturen, denn der Keim fühlt sich pudelwohl, wenn die Wassertemperaturen über 20 Grad ansteigen.

Chronisch Kranke sind besonders gefährdet

Experten warnen jedoch auch vor Panik. So betont das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern: „Es sind nur sehr wenige Badegäste durch Vibrionen gefährdet.“ Dazu zählten vor allem Personen mit chronischen Erkrankungen und geschwächtem Immunsystem. „Wenn Badegäste zu diesen Risikogruppen gehören und Hautverletzungen vorhanden sind, sollte ein Kontakt mit Meer- oder Brackwasser unterbleiben“, so der Rat der Mecklenburger Experten. Als Dave Bennett in Florida in den Ozean stieg, hatte er gerade eine immunschwächende Krebstherapie hinter sich und diverse Wunden am Körper. Ohne diese ungünstigen Voraussetzungen hätte er die Attacken wohl überlebt.

In hiesigen Gewässern stellen ohnehin die sogenannten Blaualgen wohl das größere Problem für die Badenden dar. Es handelt sich bei ihnen eigentlich um Cyanobakterien, die sich unter längeren Hitzeperioden massiv vermehren und dabei giftige Substanzen ausscheiden können. Wenn sie mit den Badegästen in Kontakt kommen oder sogar verschluckt werden, können sie zu Erbrechen, Durchfall, Gliederschmerzen, Bindehautentzündungen und Atemproblemen führen, wobei Letztere – sofern sehr große Mengen verschluckt werden – sogar in den Atemstillstand münden können.

Die Behörden in Deutschland warnen frühzeitig

Immerhin kann man dem Gewässer in der Regel ansehen, wenn es stark mit Blaualgen befallen ist. Nämlich anhand blau-grünlicher Schlieren und Wolkenteppiche im Wasser. „Sind in knietiefem Wasser die eigenen Füße nicht mehr sichtbar, sollte man dort nicht mehr baden“, rät das Niedersächsische Landesgesundheitsamt. Meistens warnen aber auch die Behörden frühzeitig vor den Cyanobakterien.

Weitere Problemgäste der Badeseen im Sommer sind die Zerkarien. Es handelt sich dabei um die Larven von Saugwürmern, die normalerweise Wasservögel befallen, sich aber auch in die Haut von badenden Menschen bohren können. „Doch dort gehen sie kurz nach ihrer Invasion zugrunde“, erläutert Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Was eigentlich nach einer desaströsen Niederlage für den Wurm klingt, doch für den Menschen besteht das Problem, dass die abgestorbenen Tiere allergische Reaktionen bei ihm hervorrufen können. Typisch seien vor allem, so Ludwichowski, „die mit starkem Juckreiz verbundenen Hautquaddeln der Badedermatitis“.

Der Biologe rät, vorsorglich flache und an Wasserpflanzen reiche Uferzonen zu meiden und sich nach dem Baden sofort abzutrocknen und penibel abzureiben, um den Zerkarien keine Gelegenheit zum Eindringen in die Haut zu geben. Bei bekanntermaßen belasteten Gewässern empfiehlt er außerdem, sich vor dem Baden mit wasserunlöslicher Creme einzureiben.

Wenn es nach Chlor riecht, ist das kein gutes Zeichen

Wer aber auf Nummer sicher gehen will, sollte statt der Badeseen eines der gechlorten Schwimmbäder in Deutschland aufsuchen. Wobei auch dort, allein wegen des großen Besucherzustroms, viele Mikroben ins Wasser eingetragen werden. „Jeder Mensch gibt beim Baden rund zwei Milliarden Mikroorganismen ins Wasser ab“, berichtet Annette Hummel vom Umweltbundesamt (UBA). Die meisten davon seien zwar harmlos, doch manche eben auch nicht. Wie etwa die weithin berüchtigten Salmonellen, Rotaviren oder auch bestimmte Stämme von Escherichia coli, die aus dem Darm ins Badewasser gelangen, von wo aus sie dann – gerade bei Kleinkindern – durch versehentliches Schlucken in den Organismus gelangen können. „Und es sind nur wenige Rotaviren nötig, um einen Brechdurchfall auszulösen“, betont Hummel. Doch die Mikrobiologin beruhigt auch, dass fast alle Krankheitserreger durch die Chlorzusätze im Badewasser beseitigt werden.

Das desinfizierende Halogen wird entweder als Gas oder in Form von Salzlösungen zugeführt, so dass sich im Wasser chlorhaltige Säuren bilden. „Sie dezimieren binnen weniger Sekunden an Ort und Stelle im Becken die potenziell schädlichen Mikroorganismen, bevor sie den Badenden gefährlich werden können“, erklärt UBA-Chemiker Alexander Kämpfe.

Die Chlorierung wird möglichst exakt an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Was konkret bedeutet: Je mehr unsaubere Schwimmer sich im Becken tummeln, umso mehr Chlor wird verbraucht und muss erneut zugesetzt werden. Dies kann am Ende dazu führen, dass sich große Mengen der Substanz mit typischen Verunreinigungen des Badewassers – wie etwa Speichel, Schweiß, Urin, Sonnencreme und Kosmetika – verbinden, anstatt als Desinfektionsmittel zu wirken. Und bei diesen chemischen Reaktionen entsteht Trichloramin, ein Hauptverantwortlicher für den ätzenden Geruch, der aus voll besetzten Schwimmbädern strömt.

Vor dem Sprung ins Schwimmbecken unbedingt Duschen

„Wer ihn nicht haben will, kann selbst sehr viel dazu beitragen“, betont Kämpfe. „Er muss sich dazu nur ausgiebig duschen und reinigen, bevor er ins Becken geht.“ Denn das senke neben der Keimlast auch die Chlormenge, die dem Badewasser zugesetzt wird. Das Problem sei nur, so der Chemiker, „dass viele Leute das Duschen vor dem Bad für entbehrlich halten“. Ihr Argument: Sie gehen doch ohnehin gleich ins Wasser.

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