Auch in Filderstadt werden die evangelischen Kirchengemeinden künftig mehr zusammenarbeiten. Unser Foto zeigt die evangelische Martinskirche in Sielmingen. Foto: Natalie Kanter

Gemeinden müssen zusammen wachsen, eine Fusion ist geplant, zweieinhalb Pfarrstellen werden abgebaut. Der Pfarrplan 2024 zwingt auch die evangelischen Gemeinden auf den Fildern über ihre Strukturen nachzudenken.

Filder - Matthias Frasch ist gerade einmal ein starkes halbes Jahr im Amt. Der Pfarrer betreut gemeinsam mit dem geschäftsführenden Kollegen Matthias Trick die Evangelen in Neuhausen. Der 56-Jährige ist für die Kinderkirche und die Seniorenarbeit zuständig. Er tauft und traut Menschen, spricht bei Beerdigungen. Zusätzlich arbeitet der Seelsorger noch in Esslingen in mehreren Altenheimen. Frasch könnte sich vorstellen bis zu seinem Ruhestand weiter so zu arbeiten.

Ob ein „weiter so“ allerdings möglich sein wird, ist derzeit offen. Denn eigentlich soll seine 50-Prozent-Stelle in Neuhausen bis spätestens Ende 2024 gestrichen werden. Seine Aufgaben sollen dann von Kollegen aus Scharnhausen übernommen werden. So wurde es kürzlich in der Frühjahrssynode des Kirchenbezirks Bernhausen beschlossen.

Auch auf den Fildern zwingt der Pfarrplan 2024 sämtliche evangelische Kirchengemeinde über ihre Strukturen nachzudenken. Aufgaben müssen neu verteilt, Personal abgebaut werden, benachbarten Gemeinden mehr zusammenarbeiten.

Von Anfang 2019 an bis Ende 2024 sollen im Gebiet der württembergischen Kirchengemeinde 220 Pfarrstellen gestrichen werden. Die Umsetzung in der Theorie: Wenn ein Pfarrer die Stelle wechselt oder in den Ruhestand geht, wird diese Stelle nicht mehr besetzt, seine Aufgaben umverteilt. In der Praxis aber ist die Sache etwas komplizierter.

Im Kirchenbezirk sollen zweieinhalb Pfarrstellen eingespart werden

Im Kirchenbezirk Bernhausen, und damit in Neuhausen, Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sollen insgesamt zweieinhalb Pfarrstellen eingespart werden. Dekan Rainer Kiess sagt dazu: „Das macht uns nicht glücklich, aber es muss sein“. Auch wenn das Dekanat froh wäre, wenn „wir die Stellen behalten könnten“. Denn die Aufgaben der Pfarrer seien in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Kiess erklärt zudem, dass man nach der bestmöglichen Lösung gesucht habe. Diese wurde bei der Frühjahrssynode des Kirchenbezirks vor Kurzem verabschiedet.

In Nellingen und Neuhausen sollen jeweils zwei halbe Stellen wegfallen. Pfarrer der Gemeinde Scharnhausen sollen in Neuhausen regelmäßig aushelfen. Im Stadtgebiet Leinfelden-Echterdingen ist derweil geplant, die Pfarrstelle Oberaichen von 100 Prozent auf 50 Prozent zu kürzen. „Oberaichen hat mit Abstand die wenigsten Gemeindeglieder im Vergleich zu Leinfelden-Unteraichen und Musberg“, heißt es dazu im aktuellen Brief der Gemeinde Leinfelden-Unteraichen.

Die Gemeinden Leinfelden-Unteraichen, Oberaichen und auch Musberg wollen künftig stärker zusammenarbeiten. Eine Steuerungsgruppe beschäftigt sich dort seit Jahren damit. Mittlerweile gibt es Überlegungen, dass zumindest zwei, wenn nicht sogar drei Gemeinden fusionieren, also zu einer neuen Kirchengemeinde verschmelzen.

Eine erste Entscheidung dazu wird laut Martin Weinzierl, dem geschäftsführenden Pfarrer in Leinfelden-Unteraichen, bereits im April getroffen. Dann werden die Musberger sagen, ob sie Teil der neuen Kirchengemeinde sein wollen oder selbstständig bleiben wollen. „Ich hoffe, dass es dafür eine Mehrheit gibt“, sagt Weinzierl. Zum Hintergrund: Der Musberger Pfarrer Rainer Müller geht im Herbst in den Ruhestand. Seine Stelle wird im jeden Fall neu ausgeschrieben. Eine finale Entscheidung über die Fusion der Gemeinden werde im Juni fallen, sagt Weinzierl.

Das Zusammenwachsen als Chance

In Filderstadt wird in Sielmingen und Bonladen Nord jeweils eine halbe Stelle eingespart. Das Sielminger Pfarramt soll Unterstützung aus Bernhausen erhalten, das Bonländer aus Harthausen. Auch hier wollen die evangelischen Kirchengemeinden schauen, wie sie künftig besser zusammenarbeiten können. Eine Fusion oder eine Gesamtkirchengemeinde soll es aber nicht geben. „Bisher ist das nicht angedacht“, sagt Pfarrer Andreas Streich aus Plattenhardt. Er ist Geschäftsführer des sogenannten Pfarrplan-Sonderausschuss des Kirchenbezirks. Er begreift das Zusammenwachsen als Chance. „Wir sollten nicht nur den eigenen Kirchturm im Blick halten“, sagt er. Streich sieht aber die Notwendigkeit, mehr ehrenamtliche Kräfte für die kirchliche Arbeit zu gewinnen.

Zurück nach Neuhausen: Dort will sich der Kirchengemeinderat dafür einsetzen, dass Matthias Frasch bis zu seinem Ruhestand seine Stelle behalten kann.

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