Besonders in sozialen Medien wie Facebook oder Twitter kursieren gerne Fake-News. User können dies jedoch selbst herausfinden. Foto: AFP

Falschmeldungen und Bots befeuern vermehrt in sozialen Medien Fremdenhass, Vorurteile oder auch eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Wer überprüfen will, ob eine Meldung gefälscht oder echt ist, muss ein paar Dinge beachten.

Stuttgart - Ist die Meldung über eine 13-jährige Russlanddeutsche, die im Januar 2016 angeblich in Berlin von Asylbewerbern vergewaltigt worden sein soll, wahr oder gefälscht? Es stellte sich heraus, dass wohl russische Propaganda für diese Falschmeldung verantwortlich war. Im Internet wurden daraufhin Verschwörungstheorien und fremdenfeindliche Hetze gegen Flüchtlinge verbreitet. Russische Medien heizten die Stimmung zusätzlich an.

Und auch im US-Wahlkampf kursierte ein Zitat von Donald Trump, das sich im Nachhinein als Fake-News herausstellte. Trump soll in einem Interview im Jahr 1998 mit dem People Magazine folgende Worte gesagt haben: „Sollte ich aufgestellt werden, dann als Republikaner. Das ist die dümmste Gruppe von Wählern im Land. Die glauben alles auf Fox News. Ich könnte lügen und sie würden es dennoch glauben. Ich glaube meine Chancen stünden gut.“ Dieses Zitat hat Trump jedoch so nie gesagt, ein solches Interview war im People Magazine auch nie erschienen. Bereits im Jahr 2015 hat dies faktcheck.org richtiggestellt. Und dennoch: Kurz nach der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten hat sich dieses Zitat online als „Wahrheit“ rasant weiterverbreitet:

Medien, Twitter-User und Facebook-Nutzer verbreiteten diese falschen Aussagen tausendfach im Internet.

Doch diese beiden exemplarischen Falschmeldungen von dem angeblich vergewaltigten Mädchen und der angeblichen Aussage von Donald Trump hätten auch vom Leser selbst verifiziert werden können – durch Portale, die Hilfestellungen bieten, aber auch durch eigene Recherche.

Portale, die Meldungen überprüfen

Auf dem Portal Mimikama.at lassen sich zum Beispiel Fehlermeldungen überprüfen. Der Verein aus Österreich schreibt über sich auf der Homepage: „Wir als Verein haben uns im Jahre 2011 zum Ziel gesetzt, Internetmissbrauch, Internetbetrug und Falschmeldungen bzw. Fakes entgegen zu wirken und zu bekämpfen.“ Konkret bedeutet das, dass die Macher hinter dem Portal eingehende Meldungen überprüfen und nachrecherchieren. Über eine „Hoax-Search“ – Hoax heißt übersetzt Falschmeldung – können wie in einer Suchmaschine Stichworte eingegeben werden, um eine Nachricht zu checken. Bei Donald Trump reicht nur die Eingabe des Namens aus, um als ersten Treffer die Falschmeldung mit dem angeblichen Zitat von ihm zu finden.

Ähnlich geartet überprüft die Hoax-Map, ob Meldungen über Asylsuchende falsch sind. In einer Deutschlandkarte sammelte das Portal bisher 435 Falschmeldungen, die deutschlandweit im Internet von Medien veröffentlicht kursierten. Dem Projekt können Berichte zugeschickt werden, die dann die Verantwortlichen des Portals verifizieren.

BILDblog schaut sich seit 2004 Meldungen aus deutschen Medien an und schreibt darüber, wenn Persönlichkeitsrechte verletzt oder falsche Aussagen getätigt wurden. Besonders häufig wird hierbei die Bild-Zeitung kritisiert, aber auch andere Medienhäuser sowie Fernsehsendungen stehen regelmäßig unter Beobachtung.

Seriöse Medien recherchieren auch Phänomenen in sozialen Netzwerken nach: So wurde vor ein paar Tagen auf Facebook die Meldung geteilt, dass ein fünfjähriger Junge in den USA in den Armen eines Santa-Claus-Darstellers gestorben sei. Doch die Geschichte ließ sich nicht überprüfen – lokale Medien berichteten zwar zuerst über die herzzereißende Story, konnten sie aber im Anschluss vor Ort nicht verifizieren. Dies machten sie öffentlich und stellten eine Erklärung online.

Eigene Recherche mithilfe von Google

Doch auch der Leser kann mit wenig Aufwand selbst überprüfen, ob er eine Falschmeldung liest. Ein kritischer Blick auf Nachrichten allgemein ist hierbei Voraussetzung. Allein die Frage nach der Quelle ist entscheidend: Wer ist der Autor? Gibt es das Online-Portal überhaupt? Medien nennen häufig eine Quelle, verlinken auf die Seiten, auf denen sie ihre Informationen gefunden haben. Oder sie zitieren andere, seriöse Quellen wie zum Beispiel Interviewpartner, andere Medien, die bekannt sind, Nachrichtenagenturen oder sie nennen die Ur-Quelle, die die Information zuerst genannt hat. Falls eine Quellenangabe komplett fehlt, ist kritisches Lesen der Information geboten.

Aber auch, wer die Überschrift eines Berichts googelt, findet sehr schnell heraus, ob die Meldung wahr oder falsch ist. Denn wenn bis zu 30 Blogs oder Foren alle dasselbe „exklusiv“ vermelden, sollte die Information mit Vorsicht zu genießen sein. Haben die Portale voneinander abgeschrieben? Diese Frage sollte sich der Leser bei einer kritischen Meldung, die einem Gerücht nahekommt, immer stellen. Auch, wenn etablierte Medien gar nicht über eine Nachricht berichten, sollte dies zum Nachdenken anregen.

Manchmal recherchieren Medien allerdings noch, ob eine Meldung aus den sozialen Netzwerken auch wahr ist – sie berichten dann zeitverzögert, doch die Nachricht ist dann mithilfe journalistischer Standards überprüft worden. Wer nicht so lange warten und sich selbst auf die Suche machen will, kann dies auf dem Portal Emergent tun. Die Macher – darunter der Gründer der Plattform und Buzzfeed-News-Redakteur Graig Silverman – versprechen eine Echtzeit-Überprüfung von Online-Gerüchten. Diese kennzeichnen sie mit „falsch“, „unbestätigt“ oder „richtig“. Auf der Seite sind jedoch nur englischsprachige News zu finden, für deutsche Nachrichten eignet sich das Portal eher weniger.

Oft werden auch Bilder als Wahrheit in den sozialen Medien empfunden, obwohl dies nicht so sein muss. Die kritische Frage: „Sehe ich auch das auf dem Bild, was im Text dazu angegeben wird?“, ist entscheidend. Hierbei hilft unter anderem die Bilder-Rückwärtssuche von Google weiter. Neben der Suchzeile bei Google gibt es ein Kamerasymbol. Klickt man dieses an, kann man ein Bild bei Google hochladen. Die Suche spuckt ähnliche Bilder, Websites, auf denen das Bild enthalten ist, oder andere Größen des gesuchten Bildes aus – vorausgesetzt natürlich, das Foto ist irgendwann einmal online erschienen. Falls ja, lassen sich so Fakes schnell identifizieren. Wie die Rückwärtssuche am Desktop oder mobil funktioniert, steht auf einer Erklärseite von Google. Selbst Landschaften oder ähnliche Abbildungen sowie Gebäude lassen sich damit überprüfen.

Ein weiterer, kostenloser Dienst, der online nach Bildern sucht, ist Tineye. Hier können auch URLs eingegeben werden, in denen Bilder zu finden sind. Das Portal durchkämmt ebenfalls das Netz nach ähnlichen Bildern. Die Suche über dieses Portal ist anhand einer kleinen Stichprobe weniger ergiebig als die Ergebnisse von Google – kann aber sicherlich als ergänzende Recherche hilfreich sein.

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