Die Demoorganisatoren kandidieren nicht zur Kommunalwahl Foto: Lichtgut/Max Kovalenko (Archiv)

Joannis Sakkaros und sein Team stellen keine Liste für die Kommunalwahl im Mai auf. Doch Neuigkeiten zum Umgang mit der Politik gibt es trotzdem aus ihren Reihen.

Stuttgart - Nun also doch nicht: Am Samstag hatten Anhänger den Demo-Organisatoren Joannis Sakkaros noch bejubelt, als er sagte, man würde im Team erwägen, eine Liste für die Kommunalwahl aufzustellen. Das wird nicht geschehen. Sein Team hat am Montagabend getagt und sich dagegen entschieden. „Wir müssen da zurückrudern“, sagte der 26-jährige Porschemitarbeiter auf Anfrage unserer Zeitung.

„Die Mehrheit war bei der Sitzung am Montag dagegen“, gibt Sakkaros die Stimmung wieder. Das Team umfasse etwa 15 Personen, die Woche für Woche die Dieseldemos gemeinsam auf die Beine stellen. Das Hauptargument sei nicht die doch recht kurze Zeit bis zur Kommunalwahl am 26. Mai gewesen. „Die Leute meinen, wir sollen unparteiisch bleiben. Wenn wir eine Liste haben, sind wir ja auch eine Partei“, erläutert der Dieselfahrer Sakkaros. Nachdem bei der ersten von ihm veranstalteten Demo Plakate der AfD aufgetaucht waren, auf denen er das Logo abkleben ließ, gab er fortan stets die Parole aus, das Demoteam arbeite „von Bürgern für Bürger“, also ohne Anbindung an politische Parteien.

Gemeinsame Demo mit Parteien geplant

Ganz ohne die Parteien geht es aber doch nicht, und das kommt nicht bei allen Parteigängern des 26-Jährigen aus dem Westen gut an: Am Samstag versuchte er vom Sprecherwagen mäßigend auf die mehreren Hundert Teilnehmer einzuwirken, von denen einige Plakate mit Parolen wie „Ganz Stuttgart hasst die Grünen“ schwenkten. „Wir müssen mit den Grünen reden, die sind nun mal an der Macht und daher unser Verhandlungspartner“, betonte Sakkaros am Samstag auf dem Schlossplatz, und dabei bleibt er auch. „Der eine oder andere wird denken, warum tut er das, mit denen reden. Aber wer das kritisiert, der hat Politik nicht verstanden“, fügte er am Dienstag hinzu.

Mit anderen Parteien werden Sakkaros und sein Team in nächster Zeit auch noch zu tun haben, kündigte er an: „Wir gehen am 23. März zusammen mit der CDU, der FDP und den Freien Wählern auf eine Demo“, sagte er. Das ist eine Wende in der Ausrichtung der Veranstalter. Vor ein paar Wochen noch demonstrierten CDU und FDP getrennt vom Team Sakkaros und deren Mitstreiter.

Sie haben sich aber nicht direkt zusammengeschlossen, die Lage ist etwas komplizierter, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann: „Wir demonstrieren wieder am Samstag, 16. März“, kündigt er an. Die Demo am 23. März, ebenfalls ein Samstag, sei eine des Vereins Bündnis zur Förderung vernünftiger Politik, der auch am vergangenen Samstag schon auf dem Schlossplatz bei der Abschlusskundgebung dazugestoßen sei. „Wir beteiligen uns da nicht direkt als Mitveranstalter“, erläutert der Abgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende. Vielmehr würde die CDU ihren Anhängern und Mitgliedern sagen, sie sollten dort mitdemonstrieren, es gehe schließlich um die gemeinsame Sache.

Kaufmann geht davon aus, dass auf der Demo des Bündnisses zur Förderung vernünftiger Politik Transparente und Redebeiträge von Parteien in Ordnung seien. Der Organisator Sakkaros, der unter „Kein Dieselfahrverbot in Stuttgart“ auf Facebook zu finden ist, möchte auf seinen Veranstaltungen keine Parteien erkennbar vertreten sehen. Das zieht er seit dem Erlebnis mit der AfD am Anfang so durch.

Und noch etwas hat sich geändert: Sakkaros selbst ist politischer geworden. Zu Beginn seines Engagements gegen das Fahrverbot hatte er noch offen bekundet, bislang als in Deutschland aufgewachsener griechischer Staatsbürger sein Wahlrecht bei Europa- und Kommunalwahlen nicht wahrzunehmen. „Dieses Mal gehe ich wählen“, kündigte er nun an. Wem er seine Stimme gibt, das behält er aber noch für sich.

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