Die Coronakrise sorgt dafür, dass viele Radfahrer stressfreier in die Pedale treten können. Foto: picture alliance/dpa/Paul Zinken

Während der Coronakrise hat der Kfz-Verkehr zum Teil deutlich abgenommen. Das freut nicht zuletzt die Radfahrer. Laut der Fahr-Rad!-Offensive Zuffenhausen konnte man im Bezirk viel stressfreier als sonst mit dem Drahtesel unterwegs sein.

Zuffenhausen - Selten waren so viele Drahtesel unterwegs wie in den vergangenen Wochen. Laut Dieter Kümmel von der Fahr-Rad!-Offensive lag das nicht nur am guten Wetter: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann man sogar in Zuffenhausen entspannt radeln.“ Da es wegen der Coronakrise deutlich weniger Verkehr gegeben habe, hätten sich mehr Radler als sonst auf die Straße getraut. Mittlerweile habe sich der Verkehr aber fast wieder normalisiert.

Verkehrsminister Hermann wird erwartet

Rund 20 Aktive engagieren sich in der im Jahr 2011 gegründeten Initiative. Ziel ist es, Lobbyarbeit zu leisten. Unter anderem ist man mit dem Bürgerverein, dem Bezirksbeirat und den Kirchengemeinden vernetzt. Jedes Jahr werden Rundfahrten, zu denen auch Politiker eingeladen werden, veranstaltet. Auch gibt es einen Fahrrad-Flohmarkt in der Zehntscheuer und Vorträge. Anno 2020 mussten wegen der Coronakrise bislang einige Veranstaltungen ausfallen. Momentan hat man immerhin ein festes Ziel im Blick: Am 24. Juli werden der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann und der Stuttgarter Baubürgermeister Peter Pätzold zu einer Radtour durch den Bezirk und einer anschließenden Podiumsdiskussion erwartet. „Auf diesen Termin haben wir lange hingearbeitet“, sagt Kümmel. Leider sei noch nicht klar, ob er tatsächlich stattfinden könne.

Falls die Rundfahrt im Juli tatsächlich rollt, wird sie sicherlich auch an der Reparatursäule an der Bahnunterführung Unterländer Straße vorbeikommen. Die Säule war, als erste dieser Art in ganz Stuttgart, im November 2019 eingeweiht worden. Kümmel ist hochzufrieden darüber, wie sie angenommen wird: „Viele Leute haben wegen der Coronakrise wieder ihre alten Räder aus dem Keller geholt und sie dort hergerichtet.“ Vandalismus habe es noch keinen gegeben, allerdings würde viel Müll herumliegen, weshalb ein Abfalleimer sinnvoll wäre. Ebenso wie ein Automat für Fahrradschläuche. Hier gebe es aber noch technische Details mit der Stadt zu klären. Geht es nach der Fahr-Rad!-Offensive, dann könnten so schnell wie möglich noch weitere Reparatursäulen im Bezirk aufgestellt werden – beispielsweise vor dem Rathaus und am Hans-Scharoun-Platz.

Die Zuffka kommt gut an

Sehr gut wurde laut Susanne Bödecker die „Zuffka“, (eine kostenlose Fahrrad-Rikscha) angenommen. Diesen Service gibt es seit knapp einem Jahr in Zuffenhausen, auch hier ist man stuttgartweit ein Vorreiter. Zwar herrschte wegen der Coronakrise eine Zwangspause, seit Anfang Mai rollt die Rikscha aber wieder. Natürlich unter Auflagen: Die Zuffka wird nach jedem Gast desinfiziert, die Fahrer tragen Mundschutz. Wer eine Tour buchen oder ehrenamtlich selbst in die Pedale treten möchte, kann die Nummer 12 55 65 05 oder 01 57/37 11 56 11 anrufen.

Auch wenn vieles gut gelaufen ist, haben Kümmel, Bödecker und ihre Mitstreiter einige Wünsche. Ganz oben steht die Forderung, weitere Einbahnstraßen für Radler zu öffnen. Und die Situation auf der Unterländer Straße sei immer noch brandgefährlich. „Den Berg hoch wird man oft angehupt, den Berg runter muss man auf Autotüren aufpassen, die geöffnet werden“, schildert Kümmel seine Erfahrungen. Er schlägt vor, die Einkaufsmeile als Fahrradstraße auszuweisen. Weitere neuralgische Punkte im Bezirk seien die Kreuzung Schwieberdinger Straße/Marconistraße und die Situation in der Bahnunterführung Unterländer Straße. Auch gebe es immer wieder Probleme an Baustellen, wo Umleitungen für Radler fehlen.

Mittlerweile ist es laut Kümmel wieder „ein gewisser Stress und ein Risiko“, im Bezirk mit dem Drahtesel unterwegs zu sein. Als Pfarrer könne er seinen Konfirmanden jedenfalls nicht raten, per Zweirad zum Unterricht zu kommen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: