Einer der größten Sportler hört bald auf: Phil Taylor Foto: Getty

Mario Gomez? Der VfB? Hertha BSC? Fußball? Alles wichtige Themen. Doch Julian Schieber, der gerade in Berlin an seinem Comeback arbeitet, spricht zurzeit am liebsten über Darts. Der ehemalige VfB-Stürmer ist einer der größten Darts-Fans im Lande und spricht im Interview über Phil Talyor und seine Pläne für eine Karriere als Darts-Profi.

Stuttgart - Mario Gomez? Der VfB? Hertha BSC? Fußball? Alles wichtige Themen. Doch Julian Schieber, der gerade in Berlin an seinem Comeback arbeitet, spricht zurzeit am liebsten über Darts. Der ehemalige VfB-Stürmer ist einer der größten Darts-Fans im Lande.

Herr Schieber, lassen Sie uns mal über richtigen Sport reden, über Darts.
Gerne.
Sie waren im vergangenen Jahr zum ersten Mal bei der WM in London als Zuschauer, steht das jetzt wieder auf dem Programm?
Ja, ich bin am 27. Dezember in der Abendsession wieder mit drei Kumpels vor Ort im Ally Pally. Wir freuen uns schon seit Wochen wie die kleinen Kinder auf den Abend.
Steffen Freund hat dort mal in einem ­Teletubby-Kostüm Aufsehen erregt. Als was werden Sie gehen?
Das ist noch geheim. Ich will ja nicht erkannt werden, sondern wir wollen uns dort frei bewegen und einfach Spaß haben und den Sport und die Party genießen. Letztes Jahr hatten wir alle Masken auf – als was wir dieses Jahr gehen, will ich noch nicht preisgeben. Aber auf ­jeden Fall inkognito.
Was fasziniert Sie denn so am Darts?
Als kleines Kind habe ich eine Darts-Scheibe bekommen, und so hat alles angefangen. Seitdem lässt mich Darts nicht mehr los. Es ist einfach ein wunderschöner Sport, spannend, kurzweilig, lustig. Keiner kann dich foulen oder sonst wie bremsen, es liegt an dir, ob du triffst oder nicht. Ich schaue, so oft es geht, Darts im Fernsehen oder live an. Für die Premier League of Darts in Berlin habe ich mir auch schon Karten gekauft. Darts ist ein Teil meines Lebens, den ich auf keinen Fall missen möchte.

„In La Manga habe ich meinen ersten 180er geworfen“

Hand aufs Herz: Lionel Messi, Usain Bolt, Roger Federer oder Phil Taylor – wer ist der größte Sportler?
Puh, schwer zu sagen. Für viele ist Darts ja gar kein richtiger Sport. Die denken bei Darts immer an Kneipen und Alkohol und sehen im Fernsehen diese Typen, die oft keine ganz optimale Figur haben und voller Tätowierungen sind. Dass Messi, Federer oder Bolt etwas athletischer sind als Phil Taylor, möchte ich jetzt nicht anzweifeln. Aber ganz ehrlich: Was ein Darts-Profi leistet, ist Wahnsinn. Diese Konzentrations­fähigkeit vor einer tobenden Menge ist ­unglaublich, diese Präzision über Stunden inmitten einer Gluthitze auf der Bühne, dieses immer auf den Punkt genau da sein – das ist eine absolut herausragende sport­liche Leistung der Spieler, wenn auch auf eine andere Art, als es klassischer Sport ist. Für mich ist ganz klar: Phil Taylor ist einer der größten Sportler des Jahrhunderts.
Ist Taylor auch Ihr Lieblingsspieler?
Nein, ich mag vor allem Peter Wright. Das ist ein schräger Vogel mit einem wunderbaren Stil und ein sehr sympathischer Mensch. Und seine Auftritte auf der Bühne sind natürlich ganz großes Kino.
Ihr Fußballerkollege Toni Kroos ist ja auch ein absoluter Darts-Ultra und äußert sich wie Sie rege via Twitter. Der hält es allerdings mit Phil Taylor.
Ja, ich weiß. Die zwei kennen sich auch, glaube ich. Nicht dass wir uns missverstehen: Ich mag Phil Taylor natürlich auch. Das ist einfach der größte Darter aller Zeiten, und ich würde es ihm gönnen, wenn er zum Abschluss seiner Karriere die WM gewinnen würde. Aber mein Lieblingsspieler ist ganz klar Peter Wright.
Spielt Darts im Fußball eine Rolle, etwa als Freizeitbeschäftigung in Trainingslagern?
Es hängt meist irgendwo eine Scheibe rum, aber die ist jetzt auch nicht im Dauereinsatz. Ich habe aber eine großartige Erinnerung an ein Trainingslager mit Borussia Dortmund.
Die wäre?
In La Manga habe ich meinen ersten 180er geworfen.
Gibt es Zeugen?
Ja, Sven Bender kann das bezeugen.
b>So gut spielt Julian Schieber Darts
Wie ist denn Ihr Darts-Level?
Mit dem Mund bin ich ein ganz Großer und auf Phil-Taylor-Niveau und erzähle von der ganzen großen Darts-Karriere nach der Fußballer-Laufbahn. Ich habe allerdings einen Fehler gemacht: Mein Trainingsbrett hängt im Wohnzimmer, und unser Haus ist sehr hellhörig. Jedes Mal, wenn ich Pfeile werfe, schreit meine Frau, dass ich aufhören soll, weil sonst die Kinder aufwachen. Das sind leider erschwerte Trainingsbedingungen. Wenn wir mal umziehen sollten, richte ich mir auf jeden Fall ein Darts-Zimmer ein. Aber zurück zum Niveau: Ich spiele zwischen ganz ordentlich und ziemlich fürchterlich. An guten Tagen Europa League, an schlechten Tagen Kreisklasse.
Und Ihr Schnitt mit drei Pfeilen?
Über einen längeren Zeitraum gesehen schaffe ich schon so um 60 Punkte.
Wow. Das ist aber sehr gut.
Es gibt auch Tage, da ist der Schnitt etwas anders. Aber darüber rede ich nicht.
Träumen Sie von einer Profikarriere?
Warum nicht? Darts hat ja den großen Vorteil, dass es keine Altersgrenze gibt. Im Fußball ist mit gefühlt 30 Jahren Schluss. Darts kann ich mit 50 noch spielen.
Sie werden ja der „Bulle von Backnang“ genannt – wäre das auch Ihr Kampfname?
Den Spitznamen mag ich ja nicht so besonders. Bulle – das klingt irgendwie unschön. Den Spitznamen hat mir beim VfB einst Mario Gomez verpasst, weil er meinte, ich sei so ein Typ wie Wayne Rooney. Der will auch niemandem wehtun, aber fügt im Training dauernd irgendeinem Schmerzen zu. Mit meinen Kumpels überlegen wir aber tatsächlich immer mal wieder, wie wir uns nennen würden. Was richtig Gutes ist uns aber noch nicht eingefallen.
Falls Sie es nicht zum Darts-Star schaffen sollten – wie sehen Sie die Entwicklung in Deutschland?
Darts kann in Deutschland durch die Decke gehen. Wenn man überlegt, wie viele ­Menschen das jetzt schon schauen, obwohl die Deutschen – von Kevin Münch aktuell abgesehen – keine Rolle spielen, kann man sich ja vorstellen, was erst passieren würde, wenn ein Deutscher da vorne mitspielt. In  ein paar Jahren ist es so weit, denke ich.
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