Maros Sefcovic ist seit neun Jahren EU-Kommissar – und will noch höher hinaus. Foto: AFP

Setzt sich der 52-jährige Maros Sefcovic durch, hat er gute Chancen, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu beerben. Doch in der Parteienfamilie wird mit scharfer Konkurrenz gerechnet.

Brüssel - Das Spitzenkandidaten-Karussell bei den europäischen Sozialdemokraten nimmt Fahrt auf. Der Vizechef der EU-Kommission, der Slowake Maros Sefcovic, würde gern bei der Europawahl im Mai die Liste der Sozialisten anführen. Damit wäre er der Gegenspieler des CSU-Politikers Manfred Weber, der seinerseits Spitzenkandidat der christdemokratischen Parteienfamilie auf EU-Ebene werden will.

Der 52-jährige Sefcovic ist seit neun Jahren EU-Kommissar. Derzeit ist er für die Energiepolitik zuständig. Vor seinem Wechsel zur Kommission war der gelernte Jurist als Berufsdiplomat auf Posten bei der EU, in Israel und Kanada. Als Sefcovic am Montag seine Kandidatur offiziell anmeldete, sagte er: „Als ich vor 30 Jahren in Bratislava studiert habe und durch den Eisernen Vorhang nach Westen schaute, konnte ich mir nicht ausmalen, dass Europa eines Tages vereint ist und ich dem Gemeinschaftsprojekt dienen darf.“ Er sehe die EU bedroht durch die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Es gehe ihm darum, den Populisten, mit ihren überaus „bedrohlichen“ und ­„falschen Versprechungen“ den Kampf ­anzusagen.

Auch Österreichs Ex-Kanzler Kern werden Ambitionen nachgesagt

Sefcovic ist der Erste aus dem Lager der Sozialisten, der seinen Hut in den Ring wirft. Es wird damit gerechnet, dass er bis zum Bewerbungsschluss in der eigenen Parteienfamilie nicht der Einzige bleibt. Auch EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici aus Frankreich und Frans Timmermans aus den Niederlanden, der ebenfalls einer von sechs Vizekommissionschefs ist, wird Interesse nachgesagt. Sie haben aber ihre Kandidatur noch nicht öffentlich gemacht. Es wird zudem spekuliert, ob die Außenbeauftragte der EU, Federica Mo­gherini, kandidiert. Ein Parteifreund sagt dazu: „Eigentlich hat sie bereits abgewinkt. Aber viele versuchen noch, sie umzustimmen.“ Auch der Österreicher Christian Kern, Ex-Bundeskanzler und Oppositionsführer in Wien, könnte seine Kandidatur noch anmelden. Spätestens eine Kampfkandidatur Anfang Dezember könnte über die Spitzenkandidatur entscheiden.

Die beiden Spitzenkandidaten der beiden großen Parteienfamilien auf EU-Ebene – Christdemokraten (EVP) sowie Sozialisten (S&D) – haben gute Chancen, nach der ­Europawahl die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an der Spitze der EU-Kommission anzutreten. Es wird damit gerechnet, dass Christdemokraten und Sozialisten nach der Wahl darüber verhandeln, welcher Spit­zenkandidat Kommissionspräsident werden soll. Die derzeitigen Umfragen deuten zudem darauf hin, dass EVP und S&D keine Mehrheit im nächsten Europaparlament ­haben. In diesem Fall würden auch noch die Stimmen von Liberalen und Grünen ­gebraucht.

Das Europaparlament hat das Recht, den EU-Kommissionspräsident zu wählen. Das Vorschlagsrecht liegt allerdings bei den Mitgliedstaaten. Viele Staats- und Regierungschefs wehren sich inzwischen gegen das Konzept, dass der siegreiche Spitzenkandidat automatisch nächster Kommissions­präsident wird.