Die EU muss eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz spielen. Foto: dpa/Arne Immanuel Bänsch

Die EU hat ihre Klimaziele konkretisiert. Diese gilt es unbedingt umzusetzen – was für manche EU-Staaten auch bedeuten kann, auf Atomkraft zu setzen, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Wer sich Großes vornimmt, der sollte Schritt für Schritt gehen. Und derzeit gibt es in der Politik kaum ein größeres Ziel als den Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel. Bislang hatte die EU-Kommission das Fernziel ausgerufen, im Jahr 2050 wolle man klimaneutral sein. Bereits bis 2030 sollen die Treibhausgase um 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken. Nun gibt es auch erstmals Zwischenziele für das Jahr 2040. Um 90 Prozent sollen Emissionen mit Blick auf das Referenzjahr 1990 sinken. Ein ehrgeiziges Ziel, aber ein wichtiges.

 

Stürme, Überflutungen und Dürren

Denn dass Klimaschutz im Interesse Europas liegt, liegt auf der Hand. Die direkten Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar. Stürme, Überflutungen und Dürren kosten Menschenleben und verursachen Hunderte Milliarden Euro an Schäden. Andere Teile der Erde werden zwar durch eine Aufheizung des Planeten noch stärker getroffen, doch auch das hat Folgen für unseren Kontinent: Die Flüchtlingsströme der Gegenwart dürften in den Schatten gestellt werden, wenn ganze Regionen der Welt unbewohnbar werden und Klimaflüchtlinge nach Europa drängen.

Doch die EU kann das Klima nicht allein schützen. Besonders die Schwellenländer der Welt müssen überzeugt werden, dass sie ihr Wirtschaftswachstum grün gestalten. Hier kommt der EU eine Schlüsselrolle zu: Nur wenn Europa einen Weg aufzeigt, Klimaschutz und wirtschaftlichen Erfolg zu verbinden, werden andere folgen. Hier gilt es pragmatisch zu bleiben: Wenn man durch Atomkraft den Abschied von Kohle und Öl beschleunigen kann, mag das für manche Länder in der EU sinnvoll sein, auch wenn der Wiedereinstieg in Deutschland wirtschaftlich keinen Sinn ergibt.

Erste Erfolge hat die EU übrigens bereits vorzuweisen: Die CO2-Emissionen sind seit 1990 um rund ein Drittel gesunken, die Wirtschaft im gleichen Zeitraum um zwei Drittel gewachsen. Ein Schritt der Mut macht – für den langen Rest des Weges.