in der Ruoff Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12, Eröffnung am 11. November um 11 Uhr). Mehr unter: www.ruoff-stiftung.de Foto:  

Großer Kunst-Bahnhof in und für die Ruoff-Stiftung in Nürtingen: Leihgaben aus dem Barlach-Haus in Hamburg machen tiefe Blicke in das Denken des vor allem als Bildhauer berühmten Ernst Barlach möglich.

Stuttgart - Kompromisse sind Ernst Barlach (1870-1938) ein Gräuel. „Kunst“, so formuliert es der mit ­Wilhelm Lehmbruck bekannteste deutsche Bild­hauer des frühen 20. Jahrhunderts, „ist eine Sache allertiefster Menschlichkeit, eine Probe auf den Fein­gehalt von Geist und Seele“.

Glauben an die existentielle Kraft der Hoffnung

Zielt Barlach in seinem die Rezeption noch immer bestimmenden plastischen Werk auf eine tiefe Verinnerlichung, zeigt der Zeichner und Druckgrafiker ­Barlach unverblümt das von Menschen gemachte menschliche Leid, aber ebenso die existentielle Kraft der Hoffnung.

Großzügige Leihgaben aus dem Barlach-Haus in Hamburg

Diese Seite des großen Künstlers ist nun in den Räumen der Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12) zu erleben. Das Barlach-Haus in Hamburg macht die Ausstellung „Existenz Mensch“ durch großzügige Leihgaben möglich. Mehr noch: Das Barlach-Panorama stößt einen neuen Dialog über die Bedeutung der Figur im Schaffen von Fritz Ruoff (1906-1986) an.

Neue Blicke auch auf die Figuenwelt von Fritz Ruoff

Bis in die frühen 1950er Jahre erarbeitet Ruoff die Grundlage für die reduzierte ­Formensprache der Folgejahre. Wie ein ­„Hockender“ von 1952 und ein „Harlekin“ aus dem gleichen Jahr zeigen, ganz aus der ­Erfahrung des Weltenbrandes des Zweiten Weltkriegs. Umso intensiver erlebt man in Nürtingen Barlachs Auseinandersetzung mit dem Grauen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Barlach übersetzt dies ebenso direkt wie seine Auseinandersetzung mit literarischem Material – wie Goethes „Totentanz“ – durch das Erleben der Kriegsschrecken eigene Intensität ­gewinnt.

Betont ruhige Präsentation

Betont ruhig lässt „Existenz Mensch“ die Künstlerpositionen wirken, zurückhaltend fast gerade in der Präsentation von Blättern wie Barlachs berühmten „Wandernder Tod“ von 1923 und Ruoffs plastischem „Mann und Frau“. Der Mensch, so legt es dieser Dialog nahe, ist sich selbst der größte Schrecken – zuletzt aber seine einzige Hoffnung. Denn auch dies eint die beiden Vertreter zweier unterschiedlicher Künstlergenerationen, deren Schaffen in Hitler-Deutschland als „entartet“ verunglimpft wurde: eine spürbare Distanz zu allem Göttlichen als schützender Instanz. Bei Barlach bleibt das Flehen der Menschen unbeantwortet, bei Ruoff taucht das Kreuz wohl auf, doch als Sinnbild eines Ideals, das sich in seiner Konsequenz aller kirchlichen Rahmung entzieht.

Hildegard Ruoff zeigt sich „tief bewegt“ – Eröffnung am 11. November

In aller Klarheit ist das Werk von Ernst Barlach in der Ruoff Stiftung zu erleben – und so sagt denn die Vorsitzende ­Hildegard Ruoff auch: „Ich bin tief bewegt“.

Eröffnet wird die Ausstellung an diesem Sonntag, 11. November, um 11 Uhr. Es spricht Barlach Haus-Direktor Karsten Müller.

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