Koffeinhaltige Erfrischungsgetränke sind beliebt. Fast 70 Prozent der Jugendlichen in Deutschland trinken Energy Drinks wie Red Bull– jeder vierte von ihnen mehr, als eigentlich gesund ist. Foto: dpa

Energy Drinks gehören zu den beliebtesten Getränken. Mehr als 320 Millionen Liter davon werden allein in Deutschland getrunken, rund neun Milliarden Liter sind es weltweit. Wie ungesund zu viel von der koffein- und zuckerhaltigen Brause ist, zeigt eine kanadische Studie.

Stuttgart - Wie gefährlich sind Energy Drinks? Eine neue Studie der University of Waterloo im kanadischen Ontario zeigt mit einer Vielzahl von Daten und Fakten, dass die beliebten Muntermacher sich negativ auf die Gesundheit auswirken können. Demnach haben mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Energydrinks konsumieren, schon negative gesundheitliche Auswirkungen erfahren.

55 Prozent der Befragten klagen über Beschwerden

In der landesweiten Studie wurden 2055 kanadische Jugendliche zwischen zwölf und 24 Jahren befragt, wie oft und wie viel Energy Drinks sie konsumieren. Rund 55 Prozent von ihnen gaben an, dass sie nach dem Konsum an Erbrechen, Brustschmerzen und Krampfanfällen gelitten haben.

„Energy drinks can negatively impact health of youth“ – „Energy-Drinks können sich negativ auf die Gesundheit von Jugendlichen auswirken“, lautet das Fazit der Forscher um David Hammond, Professor an der School of Public Health an der University of Waterloo.

In Kanada wird offen diskutiert, ob es gesetzlich verboten werden sollte, Energy-Drinks an Kinder zu verkaufen und für sie zu werben. Auch wer Sport betreibt, sollte sie nicht zu sich nehmen. „Die meisten bisherigen Risikobewertungen haben Kaffee als Referenz für die Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen von Energy-Drinks verwendet“, erklärt Hammond. „Es ist jedoch klar, dass diese Produkte ein größeres Gesundheitsrisiko darstellen.“

Nicht zu viel und nicht mit Alkohol

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Energie Drinks seien auf die verschiedenen Inhaltsstoffe zurückzuführen oder auf die Art und Weise, wie sie konsumiert würden, so der Mediziner weiter. Häufig würden Energy Drinks zusammen mit Alkohol getrunken oder während körperlicher Aktivität konsumiert.

„Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Überwachung der gesundheitlichen Auswirkungen dieser Produkte verstärkt werden muss“, fordert Hammond. „Die Anzahl der in unserer Studie beobachteten Auswirkungen auf die Gesundheit deutet darauf hin, dass mehr unternommen werden sollte, um den Konsum bei Kindern und Jugendlichen einzuschränken“, so Hammond weiter.

Die komplette Studie der University of Waterloo lesen Sie hier.

16-Jähriger stirbt an Überdosis Koffein

Am 26. April 2017 war ein 16-Jähriger im US-Bundesstaat South Carolina an den Folgen einer Überdosis Koffein gestorben. nach Angaben des Gerichtsmediziners des Bezirks Richland, Gary Watts, war der Teenager war im Unterricht in der Stadt Chapin zusammengebrochen, nachdem er innerhalb von zwei Stunden drei koffeinhaltige Getränke zu sich genommen hatte – einen Milchkaffee, eine Zitronenlimonade mit hohem Koffeingehalt und einen Energy Drink.

Die große Menge an Koffein in so kurzer Zeit habe mit hoher Wahrscheinlichkeit Herzrhythmusstörungen ausgelöst, an denen der 16-Jährige gestorben sei. Bei Herzrhythmusstörungen pumpt das Herz nicht mehr regelmäßig und befördert kein Blut mehr in den Kreislauf. Darunter leiden das Gehirn und die Organe.

Der Junge sei gesund gewesen und habe weder Alkohol noch Drogen konsumiert, erklärte Watts. In den USA gibt es immer wieder Berichte über Todesfälle nach Aufnahme hoher Koffeinmengen vor allem über Energy Drinks.

Drei Drinks am Tag ist schon einer zu viel

Energy Drinks enthalten jede Menge Koffein, Zucker (Dextrose, Glucose, Saccharose, Fruktose), Kohlensäure, Koffein, Taurin, Glucuronolacton, Farbstoffe und Aromen. Wer wissen will, warum die Wachmacher „Flügel verleihen“, sollte sich mal die Liste der Inhaltsstoffen auf der Dose anschauen. Eine 0,25-Liter- Dose kann bis zu 35 Gramm Zucker enthalten (umgerechnet zwölf Stück Würfelzucker).

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind mehr als zwei Energy Drinks pro Tag gesundheitlich schon bedenklich, da ein zu hoher Konsum zu Herzrhythmus-Störungen führen kann. Wer unter Herz-Kreislauf-Beschwerden sollte Energy Drinks ganz meiden. Bei einer Vorschädigung des Herzens kann exzessiver Koffeinkonsum gravierende Folgen haben. Koffein wirkt ähnlich wie das Stresshormon Adrenalin.

So viel Koffein ist unschädlich

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hatte 2015 in einem wissenschaftlichen Gutachten die Werte für Koffein ermittelt, die gesundheitlich unbedenklich sind. Für gesunde Erwachsene stellen demnach 200 Milligramm Koffein (zwei bis drei Tassen Kaffee oder zwei bis 2,5 Dosen Energy Drink) – innerhalb kurzer Zeit getrunken – kein gesundheitliches Risiko dar.

Über den Tag verteilt gelten 400 Milligramm Koffein als unbedenklich. Für Kinder und Jugendliche sind demzufolge drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag als unbedenklich. Bei Schwangeren und stillenden Frauen ist eine Koffeinmenge bis zu 200 Milligramm über den Tag verteilt für den Fötus und das gestillte Kind unbedenklich.

70 Prozent der Jugendliche trinken Energy Drinks

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Düsseldorf trinken fast 70 Prozent aller Jugendlichen Energy Drinks. Und jeder vierte von ihnen mehr, als gesund ist. Auch Studenten und Erwachsene greifen zu den koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken, um ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu steigern.

Laut Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung sind Energy Drinks koffeinhaltige Erfrischungsgetränke, die pro Liter maximal 320 Milligramm Koffein, 4000 Milligramm Taurin, 200 Milligramm Inosit und 2400 Milligramm Glucuronolacton enthalten dürfen. Seit Ende 2014 müssen Getränke, die mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter enthalten auf der Verpackung den Hinweis tragen: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen.

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