Logo des Versorgers vor einem Strommast in Karlsruhe. Foto: dpa

Zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren muss der Energieriese EnBW den Wert seiner konzerneigenen Kraftwerke massiv nach unten korrigieren. Rote Zahlen stehen aber nicht an.

Karlsruhe - Der dramatische Preisverfall bei Strom im Großhandel und an Börsen hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger, EnBW. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, müsse man „hohe Wertberichtigungen“ für seine Großkraftwerke vornehmen. Außerdem erhöht sich die Summe, die der Konzern für nicht lukrativen Stromeinkauf bei anderen Versorgern zurückstellen muss. Insgesamt betragen die Sondereffekte nach EnBW-Angaben 950 Millionen Euro. Auswirkungen auf das operative Ergebnis und die Dividende hätten die Maßnahmen aber nicht, hieß es.

Den größten Posten machten Wertberichtigungen für den Kraftwerkpark mit rund 700 Millionen Euro aus. Zusätzlich seien die im Halbjahresabschluss um 215 Millionen Euro erhöhten Rückstellungen für drohende Verluste aus nicht mehr kostendeckenden Strombezugsverträgen um weitere rund 35 Millionen Euro erhöht worden.

Bereits im Juni 2014 hatte EnBW Wertberichtigungen von rund 1,5 Milliarden Euro vorgenommen. Damals entfielen nach Konzernangaben rund 1,2 Milliarden Euro auf die immer unrentabler werdenden Meiler und etwa 300 Millionen Euro auf den notleidenden Stromeinkauf.

EnBW will im Gesamtjahr einen Gewinn erzielen

Genau wie die drei großen Wettbewerber Eon, RWE und Vattenfall haben die Karlsruher seit Monaten mit der sinkenden Ertragskraft herkömmlicher Kraftwerke zu kämpfen, die wegen des Ökostrom-Booms oft nicht mehr rentabel zu betreiben sind. Die Branche hat deswegen Dutzende von großen Kraftwerkblöcken bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet. Aus Gründen der Versorgungssicherheit darf aber nur ein kleiner Teil davon tatsächlich abgeschaltet werden. Für den Rest der Meiler erhält die Branche einen finanziellen Ausgleich für den Weiterbetrieb. EnBW war bei den Verhandlungen, die in weiten Teilen noch im Jahr 2014 stattfanden, Vorreiter.

Trotz der neuerlichen Wertberichtigungen von nahezu einer Milliarde Euro wird der Karlsruher Energieversorger wahrscheinlich um rote Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr herumkommen. Man rechne damit, „voraussichtlich einen positiven Konzernüberschuss ausweisen“ zu können, teilte die EnBW mit. Im Geschäftsjahr 2014 hatten die damals noch höheren Belastungen durch Sondereffekte zu einem dicken Minus von 450,7 Millionen Euro am Jahresende geführt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von rund 15,3 Milliarden Euro einen Überschuss von 710,8 Millionen Euro ausgewiesen.

Aktuell befindet sich der Konzern im Umbau weg von konventioneller Stromerzeugung und hin zu Windenergie und Gas. Bis 2020 will Konzernchef Frank Mastiaux die Gewinne fast ausschließlich mit erneuerbaren Energien, dem Netzgeschäft und Vertriebsaktivitäten erwirtschaften. Die Rolle fossiler Energieträger und der Atomkraft soll drastisch sinken.

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