Der Gewinn des Energiekonzerns ist deutlich gestiegen – und trotz Corona will man die Wachstumsziele erreichen.
Stuttgart - Sogar das Wetter war im vergangenen Jahr auf der Seite des Energiekonzerns EnBW. „Insgesamt bessere Windverhältnisse und eine bessere Wasserführung bei Wasserkraftwerken“ hätten ihren Anteil zum deutlichen Gewinnplus bei den erneuerbaren Energien von 63 Prozent auf 483 Millionen Euro im Jahr 2019 beigetragen, sagte der EnBW-Chef Frank Mastiaux auf der virtuellen Hauptversammlung des Unternehmens, die vom Standort in Stuttgart-Fasanenhof aus übertragen wurde.
Neue Windkraft- und Solaranlagen schlagen positiv zu Buche
Dahinter stehen allerdings auch erhebliche Kapazitätsausbauten, so etwa bei dem Ausbau der Windkraftanlage in der Nordsee. Im vergangenen Jahr gingen dort zwei große Anlagen mit einer Kapazität von 610 Megawatt in Betrieb, die aktuell größte derartige Anlage in Deutschland. Mastiaux verwies auch auf eine große Fotovoltaikanlage auf 164 Hektar in Brandenburg. Ein Projekt, das man ohne öffentliche Förderung vorangetrieben habe, wie der EnBW-Chef betonte.
Im Augenblick hätten erneuerbare Energien einen Anteil von 32 Prozent an der Stromerzeugung, so Mastiaux auf eine der Fragen aus Aktionärskreisen, von denen sich viele um das Handeln des Konzerns im Bereich des Klimaschutzes drehten.
Das aktuelle Ziel eines Anteils von 40 Prozent werde man damit erreichen. Eine Schwachstelle sei aber zurzeit der Ausbau der Windkraft an Land, der in Deutschland wegen schwieriger Genehmigungsverfahren deutlich hinter den politisch vorgegebenen Zielen hinterherhinke.
Ein „kraftvolles Jahr“ sei es gewesen, sagte Mastiaux. Zum dritten Mal in Folge konnte der Gewinn gesteigert werden, obwohl der Umsatz wegen rückläufiger Handelsumsätze um zehn Prozent zurückging. Zum Gewinn von 787 Millionen Euro, einem Plus von 79,5 Prozent, haben allerdings auch Bewertungsgewinne von Wertpapieren mit einem Volumen von etwa 300 Millionen Euro beigetragen. Damit sei das Finanzziel für 2020 ein Jahr früher erreicht worden als geplant.
Trotz der Corona-Krise will die EnBW auch in diesem Jahr an ihren Zielen festhalten, zumindest „am unteren Rand der Prognosen“. Das Unternehmen will sein operatives Ergebnis weiterhin in einem Korridor von 13 bis 19 Prozent steigern. Und auch 2020 soll dabei der Bereich erneuerbare Energien überdurchschnittlich dazu beitragen, vor allem durch einen weiteren Kapazitätsausbau. Unsicherheiten gebe es aber wegen der Corona-Krise im Bereich der Industriekunden, einerseits wegen eines konjunkturell bedingten Rückgangs des Strombedarfs, andererseits wegen der Gefahr möglicher Zahlungsausfälle. Bis zum Jahr 2025 will die EnBW ihre Erlöse noch einmal deutlich steigern. Die Zielmarke sind 3,2 Milliarden Euro im Jahr – das wäre ein Plus von mehr als 80 Prozent im Vergleich zur aktuellen Bilanz.
Die Corona-Krise hinterlässt bisher noch keine Delle
Beim langfristigen weiteren Umbau in Richtung grüne Energien sieht Mastiaux die Politik in der Pflicht. Die Abschaltung des letzten Kohlekraftwerks der EnBW sei weiterhin für 2035 geplant, also drei Jahre vor dem beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung – und nicht wie von Klimaschützern gefordert bereits zum Ende dieses Jahrzehnts.
Kritik an Regularien beim Kohleausstieg
Unzufrieden zeigte sich der EnBW-Chefs weiterhin mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, die etwa potenzielle Schadenersatzforderungen des bisherigen Braunkohlelieferanten aus Ostdeutschland möglich machten. Es sei ein politischer Webfehler, dass Steinkohlekraftwerke schneller vom Netz gingen als die in der CO2-Bilanz deutlich schlechteren, mit Braunkohle befeuerten Anlagen. Die EnBW habe in Baden-Württemberg bereits vier der ursprünglich neun Anlagen außer Betrieb genommen.
Die EnBW will in den kommenden Jahren vor allem verstärkt, neue Geschäftsfelder erschließen. Dazu gehört der weitere Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos, aber auch das Angebot im Bereich Breitband. Dort hat man inzwischen das eigene Glasfasernetz auf eine Länge von mehr als 15 000 Kilometer ausgebaut. Im Bereich des Stromnetzes will das Unternehmen weiterhin Kommunen anbieten, sich an dieser Infrastruktur zu beteiligen. Bisher hätten 116 Städte und Gemeinden diese Gelegenheit genutzt. „Wir suchen Wachstumsmöglichkeiten über den Bereich Energie hinaus“, sagte Mastiaux.
Weiterhin zum Erfolg beitragen soll aber auch eine von dem Unternehmen seit Jahren betriebene Entwicklung neuer Geschäftsideen. Daraus seien inzwischen ein Dutzend neuer Projekte und Start-ups entstanden. In Deutschland gelte die EnBW damit als vorbildlich.