Das Kraftwerk prägt die Industrielandschaft im Neckartal. Foto: Horst Rudel

Trotz des Kohleausstiegs hat das Kraftwerk Altbach/Deizisau eine Zukunft. Die Energie Baden-Württemberg als Betreiberin will an dem Standort festhalten – und gegebenenfalls auf andere Energieträger umsteigen.

Altbach/Deizisau - Auf dem Gelände am Neckar sagen sich Fuchs und Has’ buchstäblich gute Nacht. Hier fühlen sich Reh und Rehbock geborgen und im Block IV zieht ein Wanderfalken-Pärchen gerade seinen Nachwuchs hoch. Trotz der Idylle rund um die Kühltürme und Turbinen wird das von der Energie Baden-Württemberg (EnBW) betriebene Kohlekraftwerk auf der Markungsgrenze zwischen Altbach und Deizisau in absehbarer Zeit nicht zum Naturschutzgebiet umgewidmet – selbst wenn der Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 in Deutschland beschlossene Sache ist.

„Wenn Sie einen perfekten Standort für ein Kraftwerk haben, dann geben Sie den doch nicht wieder auf“, sagt Georg-Nikolaus Stamatelopoulos. Anders als die neun Kraftwerke, die die EnBW im Zuge der Energiewende seit dem Jahr 2014 bereits stillgelegt hat und anders auch als die beiden Anlage, die das Energieunternehmen mittlerweile verkauft hat. Als Senior Vice President Generation leitet der promovierte Diplomingenieur Stamatelopoulos den Bereich Erzeugung und Betrieb des baden-württembergischen Energieversorgers.

Standort optimal aufgestellt

Seinen Worten zufolge verfügt das Kraftwerksgelände im Neckartal nicht nur über eine zu Beginn des vorigen Jahrhunderts begründete Tradition als Kraftwerksstandort, sondern auch über einen Netzanschluss an die Fernwärme, einen Bahnanschluss, einen Hafenanschluss und einen Anschluss an das überregionale Gasnetz. „Der Standort hier ist optimal aufgestellt“, sagt Stamatelopoulos, selbst wenn in gar nicht so ferner Zukunft nicht Kohle, sondern Gas oder Pellets die Turbinen antreiben sollten.

Grob durchgerechnet hat Stamatelopoulos die beiden Optionen auch schon. „Wenn wir den Betrieb auf Gas umstellen, dann hätte das Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe zur Folge“, sagt er. Allerdings sei das Gasnetz in Baden-Württemberg noch viel zu großmaschig, um die Energie auch effektiv in die Fläche zu bringen. Die Umstellung auf Pellets dagegen wäre nicht nur günstiger – Stamatelopoulos geht von Investitionen im niedrigen dreistelligen Bereich aus – sondern auch schneller zu schaffen. „Das würde zudem den Kohleausstieg beschleunigen“, sagt der EnBW-Manager. Beide alternativen Energieträger wären im Betrieb allerdings teurer als das Auslaufmodell Kohle.

Anlage als systemrelevant eingestuft

Bis es aber so weit ist, wird noch viel Wasser den Neckar hinunterfließen. „Das Heizkraftwerk 2 gehört zu den modernsten Kohlekraftwerken in Deutschland und ist als systemrelevant eingestuft“, sagt Stamatelopoulos. Das bedeute, dass der Strom und die Wärme, die in Altbach produziert wird, auf absehbare Zeit immer dann abgerufen wird, wenn Spitzenlasten nicht von Wasser- und Sonnenenergie oder von anderen regenerativen Energieträgern gedeckt werden können. So, wie am Freitag in den frühen Morgenstunden, als in den Gewerbegebieten in der Region die Anlagen hochgefahren werden.

„Vor zweieinhalb Stunden haben wir noch mit 300 Megawatt Volllast gefahren. Jetzt hat die Sonne übernommen und wir produzieren nur noch die Mindestlast von 120 Megawatt“, erklärt der EnBW-Manager den Grünen-Politikern, die sich vor Ort über die Perspektiven des Kraftwerks kundig gemacht haben. Die Abgeordneten Matthias Gastel (Bundestag), Andreas Schwarz und Andrea Lindlohr (beide Landtag) sind dabei von den Bürgermeistern Thomas Matrohs (Deizisau) und Martin Funk (Altbach) begleitet worden. „Uns ist es wichtig, dass in diesen Zeiten des Umbruchs auch die Sichtweise der Standortkommunen, die das Kraftwerk ja seit Jahrzehnten mittragen, nicht außen vor bleibt“, sagt Matrohs, stellvertretend auch für seinen Altbacher Kollegen. Die Bekenntnis zum Standort Altbach, an dem immerhin rund 200 EnBW-Mitarbeiter beschäftigt sind, hat die beiden Ratschefs beruhigt, ebenso, wie den Fraktionschef der Grünen im baden-württembergischen Landtag, Andreas Schwarz. „Dieser Standort hat eine Zukunft“, so lautete dessen Fazit nach dem Besuch. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.altbach-deizisau-enbw-legt-block-des-heizkraftwerks-altbach-still.217a8c80-8a04-4bee-810c-c987db736116.html

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